Hier hat Nächstenliebe ein Gesicht
16.07.2009 | 12:03 Uhr 2009-07-16T12:03:00+0200
Oberhausen/Dinslaken. Die NRZ stellt Kinder aus dem Friedensdorf International vor, die in Deutschland medizinisch versorgt werden. Die verletzten oder missgebildeten Kinder stammen aus Ländern der Dritten Welt wie Afghanistan, Angola, Georgien oder Kambodscha.
Die NRZ gibt der Nächstenliebe ein Gesicht. In den kommenden Wochen stellen wir Ihnen Kinder aus dem Friedensdorf International vor. Spender bekommen so hautnah einen Eindruck davon, was mit ihrem Geld geschieht. Die verletzten Kinder stammen aus armen Familien aus Ländern wie Afghanistan, Angola, Georgien oder Kambodscha. Die Friedensdorf-Mitarbeiter holen sie nach Oberhausen, damit sie die medizinische Versorgung bekommen, die ihnen in ihrer Heimat verwehrt bleibt. Dank der Spender finden die oft tapferen Kinder und deren Familien ihr Lächeln wieder.
Entstanden 1967
„Das Friedensdorf wurde 1967 als Bürgerinitiative als Reaktion auf den Sechs-Tage-Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten gegründet", erklärt Heike Bruckmann, Sprecherin des Dorfes. Die Idee sei es gewesen, Kindern zu helfen, die unschuldig in den Krieg hineingezogen worden. Das Dorf entstand provisorisch und in Eigenleistung an der Rua Hiroshima in Oberhausen-Schmachtendorf. Es wurde kontinuierlich ausgebaut. Heute finden 300 Kinder dort übergangsweise eine Heimat. Unweit des Dorfes auf Dinslakener Gebiet liegt die Zentralstelle, wo Logistik, Projektarbeit und Krankenhausabstellungen koordiniert werden.
„Die größte öffentliche Aufmerksamkeit erhält die Einzelfallhilfe", sagt Bruckmann. So lange wie nötig, so kurz wie möglich holen sie Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland. Im Schnitt für ein halbes Jahr. Das Friedensdorf arbeitet in den Ländern mit (auch von den Regierungen) unabhängigen Partnerorganisationen, die wiederum Kontakte zu Ärzten und Verbänden pflegen. „Sie treffen eine Vorauswahl, welche Kinder in Deutschland behandelt werden könnten", so Bruckmann. Auch Eltern wenden sich an die Partnerorganisationen: „Sie erfahren etwa über Radiowerbung, wenn unsere Mitarbeiter vor Ort sind."
"Akute Fälle haben Vorrang"
Zweimal im Jahr fliegen Mitarbeiter des Friedensdorfes nach Afghanistan und Angola. „Dort schauen sie sich Hunderte von Kindern an und entscheiden, wen sie mitnehmen. Akute Fälle haben Vorrang", schildert Bruckmann. Sie chartern einen ganzen Flieger. An Bord sind Kinder, die zurück gen Heimat fliegen, „und jede Menge Hilfsgüter". Auf dem Weg in die Hauptziele Afghanistan und Angola werden Zwischenstopps in den Nachbarländern eingelegt.
Für den Heimweg laden sie dann wieder möglichst viele Kinder ein. Meist kommen sie in Deutschland als erstes in eines von rund 300 kooperierenden Krankenhäuser in ganz Deutschland. Zur Zwischen- und Nachversorgung halten sie sich im Friedensdorf auf.
„Wir sind darauf angewiesen, dass die Krankenhäuser die Kosten für die Behandlung übernehmen", sagt Bruckmann. Somit sind die Hospitale die größten Spender. Hinzu kommen jede Menge Einzelspenden und Mitgliedsbeiträge, die dem Friedensdorf zur Verfügung stehen. „Drei bis dreieinhalb Millionen Euro brauchen wir im Jahr, um den status quo zu halten", verrät die Sprecherin. Flüge, der Dorfbetrieb mit den rund 100 Mitarbeitern und Medikamente müssen davon finanziert werden. Staatliche oder kirchliche Zuschüsse gibt es keine.
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