Großfamilie droht Obdachlosigkeit, weil Flur zu schmal ist

Als Familie mit mehreren Kindern eine Wohnung zu finden, ist oft nicht leicht. Einer fünfköpfigen Familie in Dinslaken droht nun die Obdachlosigkeit.
Als Familie mit mehreren Kindern eine Wohnung zu finden, ist oft nicht leicht. Einer fünfköpfigen Familie in Dinslaken droht nun die Obdachlosigkeit.
Foto: Waz FotoPool
Was wir bereits wissen
Weil der Fluchtweg im Hausflur zu schmal ist, droht die Räumung der Wohnung. Aber die fünfköpfige Dinslakener Familie findet keine neue Bleibe.

Dinslaken.. Das gibt es in Deutschland: Dass eine Familie droht, auf der Straße zu landen. Die Dinslakener Familie M. (Name ist der Redaktion bekannt) hat drei Kinder, das vierte ist unterwegs. Der Familienvater konnte aus gesundheitlichen Gründen eine Zeit lang nicht arbeiten, berichtet die Mutter – die Familie rutschte in diesem Jahr in die Privatinsolvenz. Und nun sollen die M.s ihre Wohnung räumen, weil der Hausflur zu schmal ist und es keinen geeigneten Rettungsweg gibt. Eine neue Wohnung findet die Familie aber nicht.

Die M.s wohnen mit ihren Kindern – 5, 10 und 11 Jahre alt – seit zwei Jahren in einem Dreifamilienhaus im Bruch, die Eigentümer wohnen unten im Haus, das Verhältnis ist angespannt. In den Hausflur sei nachträglich eine Abstellkammer eingebaut worden. Deswegen ist er an dieser Stelle nur 60 Zentimeter breit - und unterschreitet damit die Anforderungen an einen Fluchtweg erheblich. Denn der muss mindestens einen Meter messen.

Der Flur wurde zum Problem

Der Einbau und damit die Engstelle waren schon beim Einzug der Familie vorhanden, hätten aber zunächst nicht gestört, so die Mutter. Erst, als die Tochter einen Unfall in der Wohnung hatte und die Rettungssanitäter das Kind auf der Trage kaum durch den Hausflur bekamen, wurde der Flur zum Problem.

Die Familie entschied sich, die Stadt über den engen Flur zu informieren. „Es geht ja um unsere Sicherheit“, so die Mutter.

Sobald die Stadt aber Kenntnis von einem solchen Sicherheitsmangel hat, „muss sie einschreiten“, erklärt Stadtsprecher Horst Dickhäuser und verweist auf Risiken etwa im Falle eines Feuers. Also teilte die Stadt den Eigentümern mit, dass unter diesen Umständen die Nutzung der beiden Wohnungen in den Obergeschossen untersagt ist. Es droht eine Ordnungsverfügung und damit eine Räumung.

Großfamilie findet keine Wohnung

Die Eigentümer schlugen der Familie – mit Verweis auf die drohende Ordnungsverfügung – daraufhin über einen Anwalt eine Aufhebung des Mietverhältnisses vor – und sich „nach einem geeigneten Ersatzwohnraum umzusehen.“

Das allerdings gestaltet sich als schwierig. „Wir waren schon überall“, sagt die Mutter, die im fünften Monat schwanger ist: Sowohl Wohnungsgesellschaften als auch private Vermieter hier und in umliegenden Städten hätten angesichts der Privatinsolvenz und der erforderlichen Wohnungsgröße abgewunken – obwohl der Familienvater wieder einer geregelten Arbeit nachgeht. Auch Beratungsstellen und Stadt hätten nicht helfen können.

Stadt kann keine Sozialwohnung stellen

Tatsächlich kümmere sich die Stadt um „solche Härtefälle“, so Horst Dickhäuser, könne aber keine Sozialwohnung zur Verfügung stellen: „Die Warteliste ist lang“. Auch die Wohnungslosenunterkunft im Hardtfeld sei voll.

Als letzte Stelle wandte sich die Familie am Mittwoch an die Familienberatung der Caritas, die nun mit der Stadt das Gespräch sucht. Denn: „Kinder können nicht obdachlos werden“, verdeutlicht Caritas-Direktor Michael van Meerbeck. Die Stadt könne die Wohnung nicht räumen, ohne der Familie einen Ersatz zu stellen.