Griechenland: Trauer, Wut und Hoffnung

Voerde/Dinslaken..  Schon vor 26 Jahren verließ Dimitrios Tsivelekidis seine griechische Heimat, um sich in Deutschland eine neue Existenz aufzubauen. Damals war er 30 Jahre alt und ausgebildeter Lehrer. Heute ist er Inhaber der „Taverne Mykonos“ an der Frankfurter Straße in Voerde und bei Gedanken an seine Heimat schwankt er zwischen Trauer und Wut. „Ich bin traurig über die Situation, die in Griechenland herrscht, und sauer auf die Regierung“, sagt er. Das Kabinett um Ministerpräsident Alexis Tsipras hält der 56-Jährige für schlicht unfähig. „Die haben nicht die Fähigkeiten, das Land zu regieren und sollten zurücktreten“, erklärt der Restaurantbesitzer.

„Schlimmer, als alle zuvor“

Natürlich weiß auch er, dass die Schuld an der Misere in seinem Land nicht allein der derzeitigen Regierung zuzuschreiben ist. Auch die Vorgänger von Tsipras im Amt hätten Fehler gemacht, aber der amtierende Ministerpräsident und sein Kabinett wären schlimmer, als alle zuvor. „Sie sagen etwas und machen dann fünf Minuten später etwas anderes. Wie soll man denen noch vertrauen?“, fragt Dimitrios Tsivelekidis und wundert sich, warum die Geldgeber überhaupt so lange mit der griechischen Regierung verhandelt haben.

Hilfe für Griechenland muss sein, findet der Restaurantbesitzer. Er glaubt allerdings daran, dass diese nicht nur darin bestehen kann, weitere Geldzahlungen zu leisten. Denn, so meint er, sein Heimatland kranke an ganz grundsätzlichen Problemen. „Es ist nicht so, dass nur die Reichen keine Steuern zahlen. Eigentlich zahlt niemand wirklich Steuern“, erzählt er. Lediglich Fabrikarbeitern würde man die Steuern direkt vom Gehalt abziehen. Anwälte, Ärzte, Gastronomen und Handwerker könnten dagegen einfach selbst angeben, was sie verdient haben – und dabei ginge es nicht immer ehrlich zu. Außerdem sieht Dimitrios Tsivelekidis ein großes Pro­blem im griechischen Bildungssystem und bei den Beamten. „Es gibt Menschen, die nur einen Grundschulabschluss haben und dann als Beamte in den Ministerien sitzen“, erzählt er. Hier sieht er grundlegenden Reformbedarf.

Er selbst wird am Montag wieder nach Griechenland reisen. Urlaub machen. „Ich weiß noch nicht, was mich dort erwartet“, sagt er. Er weiß nicht, ob sein Vater, der in Griechenland lebt, seine Rente bekommen hat. Und auch einer seiner Neffen wartete bereits seit Monaten auf sein Gehalt. Das Referendum morgen verbindet der Restaurantinhaber mit einer Hoffnung. „Ich hoffe, die Griechen stimmen für Europa und die gesamte Regierung tritt zurück.“

Verunsicherte Kunden

Doch nicht nur die hier lebenden Griechen sind gespannt auf das Referendum. Auch in den Reisebüros sorgt die andauernde Krise in Griechenland für Verstimmung. „Die Kunden sind sehr verunsichert“, erzählt Petra Hülskath, Inhaberin des Dinslakener Reisebüros Känguruh Tours. Zwar habe noch niemand seine Reise in das Heimatland der Demokratie storniert, aber es kämen immer wieder Nachfragen, ob das Reiseziel noch sicher sei. „Die Menschen, die gebucht haben, fahren jetzt noch, weil es nahezu unmöglich ist, so kurzfristig noch gleichwertigen Ersatz zu finden“, erklärt sie. „Aber neue Buchungen für Griechenland bleiben aus.“

Genug Bargeld mitnehmen

Besondere Sicherheitsvorkehrungen muss man allerdings nicht treffen, wenn man als Tourist nach Griechenland reist. „Wir haben von den Reiseveranstaltern den Hinweis bekommen, dass die Kunden genug Bargeld mitnehmen sollen“, erklärt Petra Hülskath. Dabei sollte man auch an kleine Scheine denken.