Götterswickerhamm hisst die Fahne

Martina und Volker Pillekamp hissen die Babyflagge in Götterswickerhamm am Restaurant „Zur Arche"
Martina und Volker Pillekamp hissen die Babyflagge in Götterswickerhamm am Restaurant „Zur Arche"
Foto: FUNKE Foto Services
Am Restaurant „Zur Arche“ wird für Neugeborene im Dorf eine Fahne gehisst, die signalisiert, ob ein Mädchen oder ein Junge geboren wurde.

Voerde..  An einem Fahnenmast direkt an der Dammstraße, neben der Abfahrt zum Parkplatz an der Rheinpromenade, weht die Landesflagge von Nordrhein-Westfalen im Wind. Entgegen der korrekten Weise, die Fahne zu hissen, ist hier der rote Streifen der rot, weiß und grün gehaltenen Flagge ganz oben zu sehen. „Wir sind natürlich nicht zu dumm, um die Fahne richtig aufzuhängen“, sagt Martina Pillekamp, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Volker das Restaurant „Zur Arche“ leitet. Die gehisste Fahne signalisiert die Geburt eines neuen Dorfbewohners und die rote Seite oben bedeutet, dass ein Mädchen zur Welt gekommen ist.

Wer genau auf die Idee kam, die Geburt eines Kindes im Rheindorf mit der Fahne am Restaurant anzuzeigen, wissen auch die Wirtsleute nicht mehr. „Das kam etwa Mitte der 60er Jahre auf“, erinnert sich Helma Pillekamp, die Mutter des Restaurantinhabers. Immer wenn in der Nachbarschaft jemand Nachwuchs bekam, konnten die Dorfbewohner das schnell durch einen Blick auf den Fahnenmast am Restaurant erfahren. „Es war seitdem Tradition, hier anzurufen, wenn ein Kind geboren wurde und uns zu sagen, ob es ein Junge oder ein Mädchen geworden ist. Wir haben dann die Fahne entsprechend aufgehängt“, erzählt Volker Pillekamp. Aber warum hängt die Flagge des Bundeslandes bitte verkehrt herum, wenn ein Mädchen geboren wird? „Ich glaube, damals hat man grün als Farbe für die Jungen angesehen und rot für Mädchen“, erklärt Helma Pillekamp.

Das Gastronomen-Ehepaar hisste vor 17 Jahren in eigener Sache die Flagge – sogar zwei gleichzeitig, zur Geburt ihrer Zwillinge. Doch ungefähr zu jener Zeit geriet die Tradition langsam in Vergessenheit. „In der direkten Nachbarschaft kamen keine Kinder mehr nach und die zugezogenen Dorfbewohner kannten den Brauch nicht“, berichtet Pillekamp. So gab es keine Anrufe mehr, die Flagge für ein Baby zu hissen. In Erinnerung gerufen wurde der Brauch erst wieder, als Lizzi Rockhoff ihnen von der Geburt ihrer Enkeltochter Romina berichtete. „Ich habe dann, eher im Scherz, zu ihr gesagt: Früher hätten wir das direkt gewusst und die Flagge gehisst“, sagt Martina Pillekamp. Aus dem Spaß wurde die Tat: Nach Rücksprache mit Robert Rockhoff, dem Vater der kleinen Romina, wurde nach all den Jahren wieder die Fahne für einen Neuankömmling gehisst. Verkehrt herum, wie die Tradition es vorsieht. Und so hängt die Flagge nun, direkt neben dem Hauptverkehrsweg des Ortes, um von der Geburt der jüngsten Dorfbewohnerin zu künden.

Die Wirtsleute hoffen, dass die Tradition der Geburtenverkündung mittels Fahne nach ihrer eher zufälligen Wiederentdeckung in Zukunft wieder mehr beachtet wird. „Wenn im Dorf ein Kind geboren wird, reicht ein Anruf und wir hängen die Flagge auf“, sagt Volker Pillekamp. So wird die NRW-Fahne vielleicht wieder öfter am Fahnenmast der Gaststätte „Zur Arche“, 02855/15565, wehen.

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