Gegen Lochfraß half nur Rohrtausch
05.12.2011 | 18:19 Uhr 2011-12-05T18:19:00+0100
Dinslaken. Ständige Wasserschäden beutelten auch eine Eigentümergemeinschaft in Hiesfeld. Eine elfjährige Leidensgeschichte
Beim Thema Wasserrohrbrüche können die Wohnungseigentümer des Fünf-Familienhauses an der Sterkrader Straße 83 in Hiesfeld mehr als nur ein Wörtchen mitreden. Allerdings lehnen sie sich dabei mittlerweile recht entspannt zurück: Wegen der Vielzahl der Wasserschäden hat die Hausgemeinschaft alle Kupferrohre aus den Wänden reißen lassen und durch Kunststoff-Verbundrohre ersetzen lassen.
Das Haus wurde 1992 gebaut, acht Jahre später war das erste Wasserrohr durch. Der Schaden der Familie Nitz versteckte sich gewissermaßen unsichtbar in einer Wand. „Es roch so seltsam. Zuerst dachten wir, unsere Tochter hätte irgendwo eine alte Banane liegen, bis wir die Stelle hinter dem Schrank gefunden haben“, erinnert sich Norbert Nitz. Bald ereilte es auch die anderen Wohnungseigentümer, schnell hatte jeder seine eigene Rohrbruch-Geschichte zu erzählen. Die Schäden hatten das gleiche Muster: Das dünne Kupferrohr war im Abstand von höchstens 20 cm zur gelöteten Fitting-Verbundstelle durchgefressen. Die Schäden betrafen ausschließlich Kaltwasserleitungen. Und hinter jedem Schaden steckt eine Geschichte; etwa von aufgeklopften Wänden, herunterlaufendem Wasser, Lecksuche mittels Gas oder von Mitarbeitern der Trocknungs-Firmen, die man mittlerweile beim Vornamen nennt. Dass Dinslaken eine „Lochfraß-Hochburg“ ist, steht für die Eigentümer außer Frage. Ob im Fitness-Studio, auf dem Geburtstag oder anderswo: Überall sei das Thema präsent, fast jeder habe damit Erfahrungen.
Versicherungsbeiträge stiegen
Die fortlaufenden Schadensmeldungen blieben für die Hiesfelder Eigentümergemeinschaft auch mit Blick auf die Hausversicherung nicht folgenlos. Mittlerweile ist die Hausgemeinschaft beim dritten Versicherer, die Beiträge stiegen seit dem ersten Schaden von 700 auf zuletzt 2200 Euro pro Jahr. Zudem verlangt die aktuelle Versicherung eine Selbstbeteiligung von 2500 Euro. Damit reguliert man so manchen Schaden selbst.
Im Jahr 2008 nahm die Rohrbruch-Häufigkeit noch einmal deutlich zu, berichten die Wohnungseigentümer. „Als wir dann 2010 sieben Meter Parkett quer durch den Raum aufnehmen mussten, war ich mir sicher: Jetzt ist Schluss“, berichtet Eigentümer Peter Zündorf. Die Entscheidung wurde zwischen einem Verfahren, die alten Rohre mit einem Kunstharz von innen auszukleiden und einem Komplett-Austausch getroffen. Da die Preise beider Verfahren laut Zündorf in etwa gleich hoch sind, entschied man sich dafür, die alten Kupferrohre komplett zu entfernen und durch Verbundrohre (außen Kunststoff, dann Alu, innen wieder Kunststoff) zu ersetzen. Auch die anderen Wohnungseigentümer entschieden sich, die Kupferrohre auszutauschen.
Eine kostspielige Angelegenheit, da nach mehr als 20 Jahren die komplette Sanierung der Badezimmer damit einher ging. Die alten Fliesen waren nicht mehr zu ersetzen, Designs hatten sich verändert. Nach etwa anderthalb Jahren der Planung und Umsetzung Wohnung für Wohnung ist das Haus jetzt fertig.
Dennoch würden die Eigentümer natürlich gerne wissen, woran es denn liegt, dass in Dinslaken besonders häufig Lochfraß (Lochkorrosion) auftritt. Das von den Stadtwerken in Auftrag gegebene Gutachten der IWW, das einen Zusammenhang mit der Nanofiltrationsanlage nicht sieht (die NRZ berichtete), reicht den Hiesfeldern jedenfalls nicht. Auch glauben sie nicht, dass Handwerker ausgerechnet in Dinslaken in der Masse etwas anders als woanders gemacht hätten. „Da in den umliegenden Städten längst nicht so viele Schäden auftreten, steht für mich fest: Es muss etwas mit dem Kupfer und dem Wasser – vielleicht auch von früher – zu tun haben“, sagt Eigentümer Norbert Nitz.
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