Gebete gegen Gewalt und Terror

Voerde/Dinslaken..  Es war ein eher spontaner Gedanke, der Markus Gehling, Pastoralreferent der Voerder Kirchengemeinde St. Peter und Paul zur Fastenzeit nicht mehr los ließ. „Was können wir für die Menschen tun, die in Syrien, im Irak, in Nigeria Opfer von Gewalt und Terror werden?“ Dabei weilten seine Gedanken auch bei den Menschen, die er persönlich kennt, wie den Nigerianer Anozie Onyema, der einige Male in Lohberg Urlaubsvertretung als Pfarrer gemacht hat. Ein weiterer Bekannter berichtet als Journalist aus Syrien und dem Irak, in Ägypten hält Gehling über Facebook Kontakt zu einem Priester. „So weit weg ist das alles gar nicht,“ so der Seelsorger.

Pfarrer Barthel Kalscheur aus St. Vincentius ergänzt: „Dort, wo jetzt gekämpft wird, fanden die Ereignisse der jüdischen und christlichen Bibel statt. Wo einst die Propheten Mose und Abraham wandelten, wo Jesus zu Hause war, werden heute die Zeugnisse biblischer Geschichte vom IS geplündert und zerstört.“ Zahllose Menschen seien auf der Flucht, andere hingegen, die gerade noch unter uns gelebt haben, zögen in den Krieg, einige auf Seiten der Terroristen, andere auf Seiten derer, die den Terror bekämpfen, so der Pfarrer weiter.

„Angesichts der Bilder und Nachrichten aus der Region fühlen sich hier viele Christen und Muslime hilflos. Was kann man tun?“ Eine überzeugende Antwort auf diese Frage fand Gehling nicht, wohl aber einen gewissen Trost in der Bibel, im Psalm 121. Dort heißt es: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn...“

„Vielleicht ist es ein guter Fastenvorsatz, das Friedensgebet zu intensivieren“, meint Pfarrer Heinz-Josef Möller und spricht dabei eine Idee und Aktion an, die auch andere Seelsorger unterstützen. So wird in den Kirchen der Pfarreien St. Vincentius und St. Peter und Paul, aber auch an anderen Orten in Dinslaken und Voerde, ein Flyer mit einem längeren Gebetstext ausgelegt. Andere Gemeinden und Gruppen können sich gerne anschließen.

Auf dem Titelblatt sei das Propagandafoto einer IS-Kampfgruppe zu sehen, das in ein Verbotsschild umgewandelt wurde, als klare Stellungnahme gegen Gewalt. Darüber stehen die Worte „Einladung zum Gebet“. Das Gebet selbst ist so formuliert, dass es Anregungen bieten kann für persönliches Beten. Es ist offen formuliert, so dass auch Menschen mitbeten können, die den christlichen Glauben nicht teilen. „Wir würden uns freuen, wenn Muslime, Jesiden und andere diese Anregung zum Gebet aufgreifen“, so die Initiatoren. „Wir wissen aus vielen Gesprächen, dass Muslime besonders erschüttert sind über den Missbrauch ihrer Religion.“

Begleitend zu den Flyern wurde eine Facebook-Seite eingerichtet. Hier werden Infos über das Geschehen in der Region angeboten, außerdem sei der Flyer und das Gebet dort online verfügbar. Wöchentlich sollen weitere Gebetsvorschläge und Fürbitten veröffentlicht werden. Die Nutzer sind eingeladen, selbst formulierte Gebete zu teilen und Anmerkungen zu machen.

Die Facebook-Seite ist unter www.facebook.com/gebetsopfer zu finden. Wer dort „gefällt mir“ klickt, wird regelmäßig über neue Texte und Informationen informiert.