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Ganztagsbetreuung wird unflexibler

05.06.2012 | 09:00 Uhr
Ganztagsbetreuung wird unflexibler

Dinslaken.   Stadt pocht auf Landeserlass: Grundschüler müssen täglich bis 15 Uhr in die Betreuung

Die offene Ganztagsbetreuung an Dinslakener Grundschulen soll bald weniger offen sein. Eltern werden verpflichtet, ihre Kinder bis 15 Uhr in der Betreuung zu lassen - an fünf Tagen pro Woche. Damit pocht die Stadt auf die Umsetzung eines Landeserlasses, der schon seit 2010 Bestand hat - und flexible Abholzeiten, wie häufig praktiziert, nicht vorsieht.

Eigentlich, so sagt Dezernentin Christa Jahnke-Horstmann, habe sich „an der Erlasslage nichts geändert“. Denn schon seit 2010 sind die Städte und Träger der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen - in Dinslaken sind das die Caritas, der Internationale Bund und die Johanniter - verpflichtet, die starren Betreuungszeiten einzuhalten. Bloß, dass die Träger die Betreuung bisher vielfach an die Bedürfnisse der Eltern angepasst haben. Beispiel: Eine Familie, die an nur drei Nachmittagen den Offenen Ganztag in Anspruch nehmen musste, durfte an den beiden anderen Tagen ihr Kind zu Hause selbst betreuen.

Bildungsauftrag vor Betreuungsangebot

Die Träger berufen sich dabei auf eine mündliche Absprache mit der Stadt. Von der diese aber nichts wissen möchte. Grund: Das Land fördert die Ganztagsbetreuung an Dinslakener Grundschulen jährlich mit rund 1,2 Millionen Euro. Aber die Bezirksregierung überprüft derzeit die Umsetzung des Erlasses in den Städten. Sind weniger Kinder in der Betreuung als angemeldet, fordert das Land sein Geld von der Kommune zurück. Diese Erfahrung machte schon im vergangenen Jahr die Stadt Oberhausen, die bei einer entsprechenden Prüfung auffiel - und mit einer solchen Rückzahlungsforderung konfrontiert wurde. Auch Hamm, so Jahnke-Horstmann, musste 850 000 Euro zurückzahlen. Wenn Dinslaken also bei einer Prüfung nicht zur Kasse gebeten werden will, „müssen wir den Erlass umsetzen. Ob wir wollen oder nicht“.

In erster Linie „haben wir einen Bildungsauftrag“, betont die Dezernentin. Die reine Betreuung stehe an zweiter Stelle. „Und gute Bildung setzt ein Mindestmaß an Kontinuität voraus.“ Daher sehe der Erlass einen Ausbau der Ganztagsbetreuung „zu einem attraktiven, qualitativ hochwertigen und umfassenden örtlichen Bildungs-, Erziehungs-, und Betreuungsangebot“ vor, zitiert die Dezernentin und ergänzt: „Es sollte attraktiver werden.“ Daran arbeite man in Dinslaken noch.

Die Stadtverwaltung hat die Schulen und Träger nun auf die konsequente Umsetzung der Vorschriften aufmerksam gemacht - die wiederum die Eltern anschreiben wollen. Eventuelle Regressforderungen des Landes würde die Stadt an die Träger weitergeben. Und das „können wir uns nicht leisten“, sagt Stefan Vollert, Geschäftsstellenleiter der Johanniter, die u.a. die Ganztagsbetreuung an der Bruchschule verantworten.

Johanniter rechnen mit Abmeldungen

„Ob das am Bedarf der Eltern vorbeigeht, ist eine andere Sache“, sagt Angela Heuwing (Betriebsstättenleiterin beim Internationalen Bund und zuständig für die Ganztagsbetreuung etwa an der Garten- und Hagenschule). Caritasdirektor Michael van Meerbeck hätte sich gewünscht, „dass die Städte in den Dialog einbezogen worden wären“, um ein Konzept zu erarbeiten, das „der Familie näher kommt“. Er nennt als Beispiel die Betreuung in Kindergärten, die stundenweise buchbar ist.

Natürlich, versichert Christa Jahnke-Horstmann, gebe es Ausnahmen. Bei dringenden Terminen - Arztterminen oder Familienfeiern - dürfe das Kind frühzeitig aus der Betreuung abgeholt werden. Ansonsten müssten aber beide Vertragspartner - also Träger auf der einen und Eltern auf der anderen Seite - den Vertrag erfüllen. Bei Verstoß, befürchtet auch Vollert, müssten die Träger den Betreuungsvertrag mit den jeweiligen Eltern kündigen. Er rechnet schon jetzt mit Abmeldungen.

Ein Ausweg könnte laut Christa Jahnke-Horstmann die Betreuung „13 plus“ sein, die es bereits am OHG gibt. Sollte eine Schule hierfür den Bedarf feststellen, gebe es Fördermöglichkeiten des Landes.

Anja Hasenjürgen



Kommentare
11.06.2012
07:53
Ganztagsbetreuung wird unflexibler
von Codemancer | #2

Das ganze System stinkt doch zum Himmel. Ich durfte mir das mal in meiner alten Grundschule anschauen - Grund zur Freude hatte ich bei dem Anblick keinen. Die Kiddies werden bis 15 Uhr in der Schule behalten und das ohne eine adäquate längere Pause. Dabei werden dann Hausaufgaben gemacht - ja richtig - HAUSaufgaben. Die Kleinen sind unter diesen Vorraussetzungen natürlich voll motiviert: knapp 2 Stunden zusätzlich angedachte Stillarbeit ist in diesem Alter schlichtweg unmöglich.

Also werden in dieser Zeit etwa 20 Minuten Hausaufgaben gemacht, ehe die ersten Köpfe rauchen und Hirne aussteigen. Der Rest wird irgendwie vertrödelt. Was die Kinder in der Zeit aber nicht schaffen, dürfen sie dann natürlich zu Hause nachholen.

05.06.2012
12:28
Ganztagsbetreuung wird unflexibler
von hofisch | #1

Wenn die Stadt auf Erfüllung der Verträge und auf die Betreuungszeit an 5 Tagen
bis 15 Uhr besteht, dann soll sie auch dafür Sorge tragen, dass die Kinder
schulisch unterrichtet werden und nicht nur beim Hausaufgaben machen betreut werden,
oder wenn die Hausaufgaben fertig sind, sich selber, unter Aufsicht, überlassen werden.

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