Gambrinus: Lebenswerk unter dem Hammer

Am  28. Februar und 1. März verkauft Josef Latz das Inventar der Gaststätte.
Am 28. Februar und 1. März verkauft Josef Latz das Inventar der Gaststätte.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Josef Latz räumt auf. Am 28. Februar und 1. März wird die Gaststube „Gambrinus“ ein letztes Mal geöffnet, Inventar und Zubehör stehen dann zum Verkauf

Dinslaken..  Die Osterhasen stehen aufgereiht an der linken Seite, die Weihnachtsmänner rechts, dazwischen Karnevalsstoffe, Herbstdeko, Blumen. Im nächsten Saal stapelt sich das Geschirr, weiß mit Dekor, Teller mit Fischdrucken, Milch- und Kaffeekännchen, Schnaps-, Altbier-, Weißbier-, Pils und Wassergläser – Relikte aus einem ganzen Wirtsleben. Josef Latz muss schon schlucken, wenn sein Blick auf das Porzellan seiner Gaststätte Gambrinus fällt, wenn der Blick umherschweift in der alten Gaststube mit der Kachelwand, den Fotografien aus längst vergangenen Zeiten.

Ein ganzes Leben liegt praktisch zur Versteigerung, zum Abverkauf bereit. „Es ist schwer“, gesteht „Jupp“, wie ihn die Freunde den Wirt der Gaststätte all die Jahre riefen. „Noch habe ich viel zu tun mit dem Aufräumen, dem Abbauen und daher keine Zeit, zu trauern.“ Auch seiner Lebensgefährtin Cilly Römer fällt es nicht leicht, sich von all dem zu trennen. „Hier kommt unser ganzes Lebenswerk unter den Hammer.“ Seit 1920 besteht die Gaststätte Gambrinus nun schon, von den Großeltern einst errichtet, übernahm Josef Latz 1974 den Betrieb von den Eltern. Bis Silvester 2014, als die letzte Feier im Gambrinus stattfand.

Einmal musste Schluss sein und das Rentendasein haben sich die beiden Wirtsleute redlich verdient. Dennoch fällt der Abschied schwer. An Silvester und nun noch einmal, wenn es heißt – alles muss raus. Die Küche bis auf ein paar Kleinigkeiten ist verkauft, was mit der Theke geschieht, da zuckt Josef Latz die Schultern. Das Haus sei so gut wie verkauft, was der neue Besitzer damit macht, Josef Latz weiß es nicht. Die Kneipe soll jedoch in keinem Fall wiederbelebt werden. Es lohnt sich nicht mehr.

So stehen alle Tische und Stühle, die Lampen im Landhausstil, ja sogar ein antikes Rückbüffet, das einstmals zwei Räume getrennt hat, zum Verkauf. Dazu Kaffee- und Essgeschirr, Gläser, Tischdecken jahreszeitliche Dekoartikel, eine Kaffeemaschine, ja sogar eine Spülmaschine soll angeboten werden. „Ein Trödelmarkt für Jedermann“, so Josef Latz. „Ach ja, Gartenstühle und Tische sind auch noch zu haben.“ Andere Teile, wie die Profiküche, die Barhocker, das antike Geschirr, haben bereits neue Besitzer gefunden.

Alles andere wartet auf Liebhaber, die sich am 28. Februar und 1. März mit all den Sachen eindecken können. Und vielleicht findet der eine oder andere genau das Stück, nachdem er lange gesucht hat. Cilly Römer und Josef Latz schauen noch einmal mit einem liebevollen Blick durch ihre Räume. 100 Jahre Gaststättengeschichte neigen sich nun unweigerlich dem Ende zu. Da darf schon eine Träne fließen.