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„Funk geht immer“

05.08.2012 | 22:11 Uhr
„Funk geht immer“

Dinslaken. Eine leistungsfähige Antenne, ein Funkgerät und ein bisschen Strom – mehr braucht man nicht, um als Amateurfunker auf Sendung zu gehen. Aber braucht man den Amateurfunk noch in Zeiten des Internets? Michael Schmidt von den Dinslakener Funkamateuren winkt ab, es ist eine Frage, die er schon oft genug gehört hat. Und es ist eine Frage, die er gestern beim Tag der offenen Tür im Clubhaus an der Hünxer Straße eindeutig mit Ja beantworten kann, denn: „Wir brauchen keine Infrastruktur, keine Leitungen.“

Der Funk ist ein unabhängiges Medium, die Kommunikation kann mit einfachen Mitteln aufgebaut werden. In Notsituationen wie beispielsweise Erdbeben kämen die ersten Meldungen oft über Funk, erklärt Michael Schmidt: „Funk geht immer.“ Und ist genauso grenzenlos wie das Internet, denn es gibt Frequenzen über Kurzwelle und UKW, die international für den Amateurfunk reserviert sind.

Um sich aber mit anderen Amateurfunkern weltweit unterhalten zu können, braucht man eine personenbezogene Funkgenehmigung von der Bundesnetzagentur. Die Amateurfunker, die in Deutschland im Deutschen Amateur-Radio-Club organisiert sind, bieten in ihren Ortsverbänden eine Ausbildung an, die ein halbes Jahr dauert. Anschließend bekommt man ein persönliches Rufzeichen. „Das behält man meistens ein Leben lang“, erklärt Michael Schmidt, den Amateurfunker als DB6EV kennen, denn es ist eine persönliche Identifikationsnummer. Viele Amateurfunker kennen sich nur mit ihrem Rufzeichen und dem Vornamen. Sogar die meisten Astronauten hätten eine Amateurfunklizenz, sagt Bernd Ühlken, stellvertretender Vorsitzender des Dinslakener Vereins.

Politik ist als Gesprächsthema tabu

Und worüber unterhält man sich über Funk? „Hauptsächlich über Amateurfunk“, erzählt Schmidt. Da wird über technische Bedingungen, Sendeleistungen oder die Verbindung gefachsimpelt – die Amateurfunker tauschen sich also per Funk über das Funken aus. Das hat auch seinen Grund, denn das Funken ersetzt kein Telefongespräch, wie Michael Schmidt erklärt, „Politik ist tabu, das steht auch so in den Richtlinien.“

Es sind die vielen verschiedenen Facetten, die für Schmidt den Reiz am Amateurfunk ausmachen. Neben ihm sitzt der elfjährige Norman vor einem Funkgerät. Immer wieder rauscht und knistert es, Sprachfetzen auf Französisch sind zu hören. Das Funken gefällt dem Jungen, der über den Nachmittag im Rahmen der Kinderferientage zu den Amateurfunkern gekommen ist, so gut, dass er auch eine Ausbildung machen möchte.

Über den Nachwuchs muss sich der Dinslakener Ortsverband momentan keine Sorgen machen, im Nebenraum basteln ein paar Jugendliche elektronische Wechselblinkschaltungen. Die einhellige Meinung der Amateurfunker: Funken kann mit dem Internet mithalten, ist eine gute Ergänzung dazu.

An einem Computer kann gemorst werden, denn auch das Morsen, erklärt Bernd Ühlken, ist heute noch ein Bestandteil des Amateurfunks: „Wenn mal gar nichts anderes mehr geht, einen Piepston hört man immer.“

Corinna Meinold



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