Friedensdorf zieht positive Bilanz

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Was wir bereits wissen
388 Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten konnten 2014 zur Behandlung neu aufgenommen werden. Spendenaufkommen stieg um rund 23 Prozent.

Dinslaken/Oberhausen..  Ein positives Fazit aus der Arbeit in den vergangenen zwölf Monaten kann Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs ziehen: Dank der gestiegenen Zahl der Krankenhausfreibetten konnte die Hilfsorganisation im Jahr 2014 388 Kinder aus zehn Nationen zur Behandlung nach Deutschland holen, das sind 67 mehr als im Vorjahr. Mit einem satten Plus von 600 000 Euro verzeichnete das Friedensdorf auch bei den Spenden Mehreinnahmen von rund 23 Prozent. „Darauf können wir stolz sein“, so Thomas Jacobs.

Die erstmals seit Jahren wieder deutlich gestiegene Spendenfreudigkeit führt der Friedensdorfleiter unter anderem auf die große Medienpräsenz zurück. Insbesondere der Gaza-Einsatz im September hatte für Aufsehen gesorgt. 42 Kinder wurden ausgeflogen, 19 Mädchen und Jungen sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt. Einige werden in den kommenden Wochen folgen, andere dagegen müssen noch für Monate in den Kliniken behandelt werden. Die Verletzungen – zumeist durch die Angriffe auf Gaza verursacht – seien zum Teil extrem, so Jacobs. Schwerste Verwundungen durch Granatsplitter machten bei den Kindern sogar Augenamputationen erforderlich.

Insgesamt 339 Mädchen und Jungen konnten 2014 nach erfolgter Behandlung in die Heimatländer zurückkehren (Afghanistan, Angola, Armenien, Georgien, Tadschikistan, Usbekistan, Kirgistan, Gambia und Kambodscha). 70 Prozent der behandelten Kinder hätten ohne diese Versorgung keine Überlebenschance gehabt.

Thomas Jacobs ist froh, dass die Krankenhäuser trotz des enormen Kostendrucks Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen: In 154 Kliniken stehen 388 Freibetten bereit. „Davor kann ich nur den Hut ziehen“. Zudem übernehmen 36 Arztpraxen aus der Umgebung die ambulante Versorgung der Kinder, die nach dem Klinikaufenthalt im Dorf weiterberhandelt werden. Auch hier ist der Kostendruck spürbar: Da die Verweildauer in den Kliniken sinkt, steigt der Behandlungsaufwand im Dorf. Und nicht alle Krankenhäuser können sich großzügig zeigen: So muss das Friedensdorf Kostenzusagen in Höhe von 490 000 Euro bereitstellen, die Spezialkliniken für die Versorgung von fünf Kindern fordern. Jacobs: „Das ist ein Drahtseilakt. Wir sind gerade dabei, Stiftungen zu bitten, damit die Kinder behandelt werden können“.

Zum zuverlässigen und unentbehrlichen Kreis der Freunde und Unterstützer der Einrichtung gehören auch die bundesweit rund 200 bis 300 Ehrenamtler. Ohne sie ginge es nicht, so Jacobs.

Fortschritte gibt’s in der Projektarbeit für die medizinische Infrastruktur in den Heimatländern: So konnte in Kambodscha die 22. Basisgesundheitsstation komplett von Solinger Bürgern finanziert werden. Herausragend ist auch das Zirkusprojekt für Kinder, die rund um eine Mülldeponie in Battambang (Kambodscha) leben. Hiervon konnte sich ein Team vor Ort selbst überzeugen.

Insgesamt 117 Tonnen an Hilfsgütern lieferte das Friedensdorf 2014 in die Projektländer. Leider hat sich die Spendenfreudigkeit nicht verbessert, auch die Qualität der gespendeten Artikel blieb hinter den Erwartungen zurück.

Positiv entwickelte sich dagegen die finanzielle Bilanz: Die Spendensumme stieg auf rund 2,7 Mio. Euro an, auch die Summe der Nachlässe erhöhte sich um 550 000 auf 1,3 Mio. Euro. Dazu kommen Mehreinnahmen aus Bußgeldern (80 000 Euro).

Ein Dankeschön richtet Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs an die vielen Partner und Unterstützer, unter anderem die Krankentransportdienste, Ärzte und Kliniken, den Flughafen Düsseldorf, die Stadtverwaltungen Dinslaken und Oberhausen.

Noch nicht geklärt ist, ob es in diesem Jahr einen erneuten Einsatz für Gaza gibt. Aktuell werden 120 Anfragen aus der Region geprüft. Schwerpunkteinsätze sind 2015 für Angola und Afghanistan (mit Kaukasus und Zentralasien) geplant.