Friedensdorf: Chaos in Rumänien
18.01.2012 | 17:48 Uhr 2012-01-18T17:48:00+0100
Dinslaken/Sinnicolau Mare. Die Dinslakener Hilfsorganisation brachte rund sieben Tonnen Hilfsgüter ins Balkanland. Auch nach dem EU-Betritt ist die Not kaum geringer geworden.
Das stürmische Wetter Anfang Januar zwang den Friedensdorf-Lkw, der rund sieben Tonnen Hilfsgüter nach Rumänien bringen sollte, auf seiner Fahrt zu mehreren unplanmäßigen Pausen. In dem Land, das seit 2007 zur EU gehört, angekommen, erwarteten den Mitarbeiter des Friedensdorfes noch ganz andere Unruhen.
„Dort herrscht Chaos“, berichten die Mitarbeiter, die den 86. Hilfseinsatz nach Rumänien durchführten, nach ihrer Rückkehr. Überall auf den Straßen seien Menschen, die gegen die Sparpläne der Regierung demonstrierten und ihrem Unmut über Kürzungen bei Renten und Beamtenlöhnen sowie über die Erhöhung der Mehrwertsteuer Luft machten.
Trotz der anhaltenden Unruhen konnten die Hilfsgüter – vorwiegend Kleidung, Rollstühle und orthopädische Hilfsmittel – ihren Bestimmungsorten zugeführt werden: Dem Krankenhaus in Sinnicolau Mare, mit dem das Friedensdorf seit über 20 Jahren zusammenarbeitet, und den Kleiderkammern der Gemeinden in Sinnicolau Mare und Cenad. Erstmals wurde auch eine Einrichtung für behinderte Kinder im nahe gelegenen Arad mit Hilfsgütern, unter anderem Spiel- und Fördermaterialien, bedacht.
Bald sinken in Rumänien die Temperaturen auf bis zu minus 20 Grad Celsius. Viele bedürftige Menschen, darunter besonders Alte ohne Verwandtschaft und Arbeitslose, sind froh, sich in den Kleiderkammern mit warmer Kleidung und Decken versorgen zu können. Und die Zahl derjenigen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind, steigt. Immer mehr Geschäfte schließen, Arbeitnehmer verlieren ihre Anstellungen. Die steigenden Rechnungen für Wohnungsmieten und Lebensmittel müssen trotzdem beglichen werden. Gleiches gilt für Medikamente, die die Menschen in Rumänien aus eigener Tasche finanzieren müssen, denn die Krankenkassen zahlen nicht. Die EU investiere in den Straßenbau, aber nur unverhältnismäßig ins Gesundheitswesen, hieß es aus dem Friedensdorf.
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