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Frauen haben keine Lust auf Seilschaften

02.08.2012 | 17:32 Uhr
Frauen haben keine Lust auf Seilschaften
Jutta Beyrow.

Dinslaken.   Jutta Beyrow ist Unternehmensberaterin und hilft Frauen bei der Existenzgründung. Ihr Quartier hat sie im Lohberger Ledigenheim bezogen.

Selbstständig zu sein ist gar nicht so einfach. Vieles gilt es zu beachten. Wie gründe ich, welche Rechtsform kommt für mein Unternehmen in Frage, ist der Standort günstig? Einmal gegründet folgen weitere Hindernisse - denn das Finanzamt möchte von Anfang an mitverdienen. Auch hier gilt es reichlich Dinge zu beachten.

Welche, dass weiß Jutta Beyrow. Die Unternehmensberaterin ist mit ihrer Beyrow Business Beratung seit 2005 im Lohberger Ledigenheim ansässig und unterstützt unter anderem Existenzgründer.  Jutta Beyrow weiß wovon sie spricht. Seit 1988 ist sie freiberuflich tätig, selbstständig mit dem jetzigen Unternehmen (Hauptort Gelsenkirchen) seit 2002. „Ich hatte immer schon am Niederrhein zu tun. Als mir die Idee eines Unternehmerinnenzentrums im Ledigenheim angetragen wurde, war ich begeistert. Ich schaute mich in Lohberg um und fand den Ort im Sommer super“, berichtet sie.

Zu tun gebe es genug am Niederrhein. Da ihre Arbeit frauenlastig ist, fand sie hier die idealen Bedingungen, schon dank zahlreicher Fördertöpfe aus denen im ländlichen Bereich zu schöpfen ist. An drei Standorten vertreten, arbeitet sie mit vier fest angestellten Mitarbeitern zusammen. Dies bringe eine enorme Verantwortung mit sich, denn sie als Inhaberin müsse vor allem die Aufträge reinholen. „Mit fest angestellten Mitarbeitern arbeitet man wirtschaftlicher. Vor allem kann man Freiberufler nicht an sich binden. Habe ich ein volles Auftragsbuch, sind sie vielleicht unabkömmlich, weil sie andere Aufgaben zu bewältigen haben“, spricht sich Beyrow für eine Festanstellung ihrer Angestellten aus.

Der Wille nach Perfektion

Betriebswirtschaftliche Beratung, Nachfolgeberatung bei Betrieben, Basel II, Rating, Kredite, Unternehmensbewertung für Heilberufe und Praxisübernahmen, Qualifizierungen, Gründungs- und klassische Unternehmensberatung gehören zu den Aufgaben der gelernten Groß- und Außenhandelskauffrau und studierten Wirtschaftswissenschaftlerin.

Was muss Frau tun?
Universelle Tipps

Was muss Frau machen, um erfolgreich selbstständig zu sein? Unternehmensberaterin Jutta Beyrow rät:

„Sie sollte fachlich versiert sein und sich in ihrem Fachgebiet immer weiterbilden. Ein berufliches Netzwerk und bei Familie auch ein persönliches gehören dazu. Ich bin immer gut damit gefahren auf mein Bauchgefühl zu hören.

Mit Bescheidenheit kommt man nicht weit, ruhig auch mal fordern, zeigen was man kann. Frauen müssen von sich reden, aber bitte fachlich.

Auch Werbung und Öffentlichkeitsarbeit ist von Beginn an wichtig, meist fehlt zwar das Geld in den Anfangsjahren, dennoch sollte man darauf nicht verzichten. Realistische Ziele einplanen und einhalten und sich mit anderen austauschen. Sich allerdings auch Ruhephasen gönnen. Arbeit ist nicht alles, entspannen Sie regelmäßig, um einem Burnout vorzubeugen.“

Im Auftrag der Jugendämter schult sie selbstständige Tagesmütter, berät auf Bitten der Städte Kleinstbetriebe und erstellt Frauenförderprogramme für Unternehmen. „Hierbei gehen wir in die Unternehmen und schulen vor allem die Frauen. Was will ich? Wie setze ich Ziele? All das hört sich vielleicht leicht an, ist aber im Zusammenspiel mit anderen, von einem abhängigen Menschen nicht einfach“, so Beyrow.

Jutta Beyrow weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig die Situation für alleinerziehende Frauen ist, Karriere oder sich selbstständig zu machen. Die Unternehmensberatung sei früher eine Männerdomäne geworden. Doch die Frauen holten in dem Bereich auf. Der Job ist attraktiv für Frauen, die sich flexibel Zeit und Aufwand einteilen können. Der Verdienst ist abhängig vom Aufwand. „Es ist ein vielseitiger Beruf, man muss aber Spaß an Zahlen haben und den Kontakt zu Menschen mögen“, erklärt Beyrow.

Dass es so wenig Frauen in Führungspositionen ganz nach oben schaffen, liege teilweise an den Seilschaften der Männer, aber auch an den Frauen selbst. „Frauen wollen alles erst perfekt können, bevor sie beginnen. Männer wagen es und sagen, das kann ich und was ich nicht kann, lerne ich.“ Viele Frauen hätten keine Lust auf Kämpfe, auf einen 12 bis 16 Stunden-Tag, auf Seilschaften, darauf, dass das Familienleben unter ihrer Karriere leidet. Ähnliches gelte für die Selbstständigkeit, obwohl die Frauen hier aufholten. „Doch wer wagt, kann auch gewinnen“, wie sie.

Birgit Gargitter



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