Frauen haben keine Lust auf Seilschaften

Jutta Beyrow.
Jutta Beyrow.
Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Jutta Beyrow ist Unternehmensberaterin und hilft Frauen bei der Existenzgründung. Ihr Quartier hat sie im Lohberger Ledigenheim bezogen.

Dinslaken..  Selbstständig zu sein ist gar nicht so einfach. Vieles gilt es zu beachten. Wie gründe ich, welche Rechtsform kommt für mein Unternehmen in Frage, ist der Standort günstig? Einmal gegründet folgen weitere Hindernisse - denn das Finanzamt möchte von Anfang an mitverdienen. Auch hier gilt es reichlich Dinge zu beachten.

Welche, dass weiß Jutta Beyrow. Die Unternehmensberaterin ist mit ihrer Beyrow Business Beratung seit 2005 im Lohberger Ledigenheim ansässig und unterstützt unter anderem Existenzgründer. Jutta Beyrow weiß wovon sie spricht. Seit 1988 ist sie freiberuflich tätig, selbstständig mit dem jetzigen Unternehmen (Hauptort Gelsenkirchen) seit 2002. „Ich hatte immer schon am Niederrhein zu tun. Als mir die Idee eines Unternehmerinnenzentrums im Ledigenheim angetragen wurde, war ich begeistert. Ich schaute mich in Lohberg um und fand den Ort im Sommer super“, berichtet sie.

Zu tun gebe es genug am Niederrhein. Da ihre Arbeit frauenlastig ist, fand sie hier die idealen Bedingungen, schon dank zahlreicher Fördertöpfe aus denen im ländlichen Bereich zu schöpfen ist. An drei Standorten vertreten, arbeitet sie mit vier fest angestellten Mitarbeitern zusammen. Dies bringe eine enorme Verantwortung mit sich, denn sie als Inhaberin müsse vor allem die Aufträge reinholen. „Mit fest angestellten Mitarbeitern arbeitet man wirtschaftlicher. Vor allem kann man Freiberufler nicht an sich binden. Habe ich ein volles Auftragsbuch, sind sie vielleicht unabkömmlich, weil sie andere Aufgaben zu bewältigen haben“, spricht sich Beyrow für eine Festanstellung ihrer Angestellten aus.

Der Wille nach Perfektion

Betriebswirtschaftliche Beratung, Nachfolgeberatung bei Betrieben, Basel II, Rating, Kredite, Unternehmensbewertung für Heilberufe und Praxisübernahmen, Qualifizierungen, Gründungs- und klassische Unternehmensberatung gehören zu den Aufgaben der gelernten Groß- und Außenhandelskauffrau und studierten Wirtschaftswissenschaftlerin.

Universelle Tipps

Im Auftrag der Jugendämter schult sie selbstständige Tagesmütter, berät auf Bitten der Städte Kleinstbetriebe und erstellt Frauenförderprogramme für Unternehmen. „Hierbei gehen wir in die Unternehmen und schulen vor allem die Frauen. Was will ich? Wie setze ich Ziele? All das hört sich vielleicht leicht an, ist aber im Zusammenspiel mit anderen, von einem abhängigen Menschen nicht einfach“, so Beyrow.

Jutta Beyrow weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig die Situation für alleinerziehende Frauen ist, Karriere oder sich selbstständig zu machen. Die Unternehmensberatung sei früher eine Männerdomäne geworden. Doch die Frauen holten in dem Bereich auf. Der Job ist attraktiv für Frauen, die sich flexibel Zeit und Aufwand einteilen können. Der Verdienst ist abhängig vom Aufwand. „Es ist ein vielseitiger Beruf, man muss aber Spaß an Zahlen haben und den Kontakt zu Menschen mögen“, erklärt Beyrow.

Dass es so wenig Frauen in Führungspositionen ganz nach oben schaffen, liege teilweise an den Seilschaften der Männer, aber auch an den Frauen selbst. „Frauen wollen alles erst perfekt können, bevor sie beginnen. Männer wagen es und sagen, das kann ich und was ich nicht kann, lerne ich.“ Viele Frauen hätten keine Lust auf Kämpfe, auf einen 12 bis 16 Stunden-Tag, auf Seilschaften, darauf, dass das Familienleben unter ihrer Karriere leidet. Ähnliches gelte für die Selbstständigkeit, obwohl die Frauen hier aufholten. „Doch wer wagt, kann auch gewinnen“, wie sie.