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Finanzspritze löst grundlegende Probleme nicht

03.07.2009 | 00:01 Uhr

Die Landesregierung möchte Hausärzten die Ansiedlung im ländlichen Raum mit einer Einmalzahlung von 50.000 Euro versüßen. Kassenärztliche Vereinigung wünscht sich hingegen, dass der Beruf als solcher attraktiver wird.

Dinslaken/Voerde/Hünxe. 50 000 Euro Starthilfe möchte das Land NRW Nachwuchsärzten gewähren, wenn sie sich als Hausärzte auf dem Land niederlassen. So möchte die Landesregierung dem zunehmenden Trend entgegen wirken, dass die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum immer schlechter wird. Außerdem soll die zweijährige Weiterbildung zum Hausarzt nicht wie bisher mit etwa 2000 Euro, sondern mit 4000 Euro vergütet werden.

„Fühle mich als Facharzt für Überweisungen”

Von den Medizinstudenten schaffen rund ein Drittel überhaupt erst das Examen, wie Dr. Michael Weyer, Vorsitzender der Kreisstelle Wesel der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, vorrechnet. Die Hälfte davon ginge ins Ausland, wo sie besser verdienen. Und von den übrig gebliebenen bevorzugten viele die fachärztliche Ausbildung. Auch hier stehen die Verdienstmöglichkeiten besser als bei Allgemeinmedizinern.

Durch die Finanzspritzen der Landesregierung sieht der Dinslakener Allgemeinmediziner das Problem nicht gelöst. „Das ist ein einmaliger Betrag, der höchstens hilft, die Praxis einzurichten. Das Problem sind aber die Bedingungen, unter denen Hausärzte arbeiten müssen”, sagt der Dinslakener Allgemeinmediziner. Viele Patienten aus einem großen Einzugsgebiet und reichlich Hausbesuche – „das bedeutet viel Arbeit, die nach der Gebührenordnung nicht angemessen bezahlt wird”, findet Dr. Weyer. Der Beruf des Hausarztes sei zunehmend unattraktiv geworden.

Akute Problem in Dinslaken, Voerde und Hünxe sehe er nicht. „Aber 60 Prozent der Hausärzte hier sind über 50 Jahre alt. Sie gehen in den nächsten 15 Jahren in Rente. Und es kommt zu wenig nach”, so Dr. Weyer. Damit sich das ändert, müsse der Beruf an sich attraktiver werden.

Dr. Weyer sieht auch ein Problem der Anerkennung der Hausärzte: „Ich fühle mich manchmal als Facharzt für Überweisungen.” Das Vertrauen der Patienten, die lieber einen Facharzt aufsuchten, scheint gesunken zu sein.

Die Voerder FDP nimmt das geplante 1,5-Millionen-Euro-Paket der schwarz-gelben Landesregierung zum Anlass, die Werbetrommel zu rühren. „Wenn in Voerde die Möglichkeiten dieses Programmes ausgeschöpft werden, können wir den drohenden Ärztemangel wirksam bekämpfen”, schreibt Bernhard Benninghoff, der Vorsitzende der Voerder Liberalen. Zugleich fordert er auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt auf, den Beruf attraktiver zu machen: „Leistung muss bei den Ärzten wieder belohnt und nicht durch ein unfaires Vergütungssystem, welches insbesondere Ärzte mit alten oder schwer kranken Patienten im ländlichen Bereich erheblich benachteiligt, bestraft werden.”

Zahnärzte zu 90 Prozent ausgelastet

„Die zahnärztliche Versorgung in Dinslaken, Hünxe und Voerde ist gesichert”, sagt Dr. Kurt Gerritz, Sprecher der Vereinigung Zahnärzte am Niederrhein (ZaN). Aktuell seien die Dentisten zu 90 Prozent ausgelastet. Also sei es nur logisch, dass für die Ansiedlung von Zahnärzten auf dem Land derzeit kein finanzielles Bonbon vorgesehen ist. Diese Maßnahme zeige jedoch, „dass das System am Grunde ist”, so der Voerder. Der Staat müsse die Budgetierung auf den Prüfstand stellen.

Marco Virgillito

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