Familie Kempe: Über Voerde ins Profigeschäft

Dinslaken..  Thomas Kempe betritt den Rasenplatz an der Rönskenstraße. In seinem Kopf beginnt eine Zeitreise – zurück ins Jahr 1979. „Wenn ich daran denke, was hier los war. Der kleine TV Voerde gegen Schalke 04. Und um uns herum fünftausend Zuschauer. Die saßen zum Teil in den Baumkronen“, sagt Kempe. Dieses denkwürdige A-Jugendspiel war eines seiner letzten im TVV-Trikot. Der Sportplatz an der Rönskenstraße war zu klein geworden, es drängte ihn in die Bundesliga. Kempes Schritt zahlte sich aus. In 14 Bundesliga-Jahren machte er 391 Spiele. 1984 feierte der gebürtige Möllener mit dem VfB Stuttgart sogar die Deutsche Meisterschaft. Thomas Kempe gelangte über die Rönsken-straße in die Bundesliga – diese Geschichte wiederholte sich nun.

Sohn Tobias nahm im Gegensatz zu seinem Vater einige Umwege. Doch am Ende ging es mit Siebenmeilenstiefeln ins Oberhaus. Der Mittelfeldspieler unterschrieb 2014 bei Darmstadt 98. Die Hessen lieferten den Stoff für eine moderne Aschenputtel-Story. Ein Aufsteiger mischt mit kleinem Etat die Zweite Liga auf und feiert am Ende den Durchmarsch. Der Mann der entscheidenden Treffer war: Tobias Kempe. Er erzielte das Siegtor am drittletzten Spieltag gegen den Karlsruher SC. Zwei Wochen später zirkelte Kempe gegen den FC St. Pauli einen Freistoß in die Maschen. Er sorgte für den 1:0-Endstand, der den Coup sicherte. „Tobias müssten sie in Darmstadt eigentlich ein Denkmal bauen“, sagt der Vater und lacht. Wenn er an ein anderes Spiel denkt, vergeht ihm das Lachen.

Acht Tage nach dem Darmstädter Aufstieg spielt ein weiteres Mitglied der Voerder Fußballfamilie um ein Bundesliga-Ticket. Thomas Kempes ältester Sohn Dennis empfängt mit dem Karlsruher SC den Hamburger SV. Im Relegations-Rückspiel sitzt der 29-Jährige auf der Bank. Fünf Minuten vor Schluss wird Dennis Kempe eingewechselt, er soll den 1:0-Vorsprung mit über die Zeit retten. Es kommt anders. Der HSV bekommt einen zweifelhaften Freistoß zugesprochen, trifft und erzielt in der Verlängerung das Siegtor.

Auf dem Platz leidet Dennis Kempe. Auf der Tribüne Vater Thomas. Noch Tage später ärgert sich der Ex-Profi über Schiedsrichter Manuel Gräfe. „Wie kann der sowas pfeifen? Da geht es um Millionen von Euro und dann sieht der ein absichtliches Handspiel, was keines war“, sagt Thomas Kempe.

Es hätte so schön sein können. Der dritte Kempe schafft es nach Lehrjahren beim TV Voerde in die Bundesliga. „Dann ist Dennis halt in der nächsten Saison dran“, sagt der Vater. Er glaubt an seine Jungs. Er hat schon an sie geglaubt, als sie von der F- bis zur D-Jugend für den TV Voerde aufliefen. „Da haben sie die Grundlagen der Sportart erlernt. Den fußballerischen Feinschliff haben sie bei mir im Garten bekommen“, erklärt Thomas Kempe. Von Voerde aus wechselten beide Söhne erst zum SuS 09 Dinslaken und anschließend in die Jugendabteilung von Borussia Mönchengladbach. „Diese Schritte waren genau richtig. So konnten sie sich langsam entwickeln“, sagt Kempe.

Talentscout in Panama

Den Werdegang seiner Jungs verfolgte er zwischenzeitlich aus Panama. Dort coachte Thomas Kempe zunächst den Spitzenklub FC Tauro, später arbeitete er als Talentscout in Mittelamerika. Die Reisen nach Panama schenkt sich der 55-Jährige mittlerweile. Er reist nun im Auftrag des VfL Bochum durch Deutschland, coacht Kinder bei Jugendcamps im Siegerland, auf Sylt und Usedom. „Das macht schon Spaß. Es könnte sich in der Zukunft aber auch wieder was im Scoutingbereich ergeben“, sagt Thomas Kempe.

Was er damit genau meint, das werden seine Freunde aus Voerde versuchen, aus ihm herauszubekommen. Bei den wöchentlichen Knobelrunden besteht eine Möglichkeit, den Kumpel zu verhören. „Wenn ich mich mit meinen Leuten treffe, steht meistens der Fußball und weniger das Würfeln im Vordergrund“, sagt Thomas Kempe. Sie fragen ihn nach seinen Zukunftsplänen aus und nach der Form seiner Söhne.

Es geht manchmal auch um Fabrice Kempe. Das ist der jüngste Sohn des Ex-Profis. Fabrice Kempe geht zur Grundschule und kickt für die E 1 beim TV Voerde. Noch. Mit seinem Nachnamen und seinem Talent hat er größere Klubs auf sich aufmerksam gemacht. „Er soll sich hier aber noch entwickeln. Alles zu seiner Zeit“, sagt Thomas Kempe. Die Voraussetzungen für eine große Karriere stimmen aber. Fabrice wäre nicht der erste Kempe, der von der Rönskenstraße aus durchstartet.