Experte sieht Salafisten-Szene in Dinslaken in der Auflösung

Was wir bereits wissen
Islamwissenschaftler Schneiders sieht Verhaftung von Nils D. als möglichen Schritt zur Auflösung der Salafisten-Szene. Der mutmaßliche Kopf der Lohberger Brigade darf nicht mehr zurückkehren.

Dinslaken.. Nachdem ein Spezialkommando den mutmaßlichen IS-Kämpfer Nils D. am Samstag festgenommen hatte, wurde der 24-Jährige am Sonntag einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt. Dieser schickte den junger Dinslakener in in Untersuchungshaft.

Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger bewertete die Festnahme von Nils D. positiv: „Mir ist wichtig, dass die Sicherheitsbehörden ihren Auftrag ernst nehmen und diesen umsetzen. Genau das ist am Samstag geschehen“, so Heidinger. Gemäß der Absprachen sei er erst nach dem Einsatz von den Sicherheitsbehörden benachrichtigt worden, weiterführende Detailinformationen habe er nicht erhalten.

Dinslakens Bürgermeister setzt auf Prävention und Distanzierung

„Das ist Sache der zuständigen Sicherheitsbehörden. Unsere Aufgabe ist es, die präventiven Maßnahmen gemeinsam mit unseren Partnern fortzusetzen und - wie beim Dinslakener Appell geschehen - im Schulterschluss mit den friedlichen Kräften die ablehnende Haltung gegen den Extremismus immer wieder deutlich zu machen“, so Michael Heidinger. Auch Vize-Bürgermeister Eyüp Yildiz fordert die Moslems auf, sich weiter der Herausforderung zu stellen, sich deutlich von den Extremisten zu distanzieren. Die Frage, woher „das alles“ komme, sei noch nicht ausreichend beantwortet.

Salafismus Islamwissenschaftler Thorsten Gerald Schneiders sieht die Verhaftung von Nils D., der übrigens nicht in Lohberg, sondern in Dinslaken-Mitte aufwuchs, gar als möglichen weiteren Schritt auf dem Weg zur Auflösung der Salafisten-Szene: Viele Mitglieder der sogenannten Lohberger Gruppe (oder Brigade) seien mittlerweile tot, in Syrien oder im Gefängnis. Der mutmaßliche Kopf der Gruppe halte sich in Syrien auf und könne auch nicht zurückkehren. Es gebe derzeit keine „Verführungs-Aktivitäten“ in Lohberg, meint der Islamwissenschaftler.

10 Prozent der Salafisten sind laut Verfassungsschutz Konvertiten

Dass es sich nach seinem Cousin Philipp B. bei Nils D. um den zweiten deutschstämmigen Salafisten handelt, ist für Schneiders nicht ungewöhnlich: Nach Informationen des Verfassungsschutzes seien 10 bis 12 Prozent der Salafisten in Deutschland Konvertiten, also zum Islam konvertiert. Dieses Verhältnis habe sich in etwa auch in der Lohberger Gruppe niedergeschlagen.