Es war ein kurzer Sommer

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi

Dinslaken. „.  Der Summer of Love“ in der Zentralwerkstatt endete an diesem Wochenende in der Zentralwerkstatt wie er begonnen hatte: mit freiem Eintritt, einem bunten Bild, aber im Kulturtrubel der Stadt als Randerscheinung. Und damit, leider, auch wie erwartet. Denn es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Organisatoren vom Verein Viel Good letztendlich ausgerechnet auf ähnlicher Weise scheiterten wie die Blumenkinder des „Summer of Love“ 1968: an einer Naivität, die zwar sympathisch ist, aber eben nicht wirklich die Welt verändert.

Tausende Konzertbesucher wollten die Organisatoren nach Lohberg locken, im Laufe der Festivalwochen vom 1. Mai bis zum letzten Wochenende mussten 10 von 25 Veranstaltungen abgesagt oder in weite Ferne verschoben werden. Und die Gründe dafür, wie geschehen, auf den Standort zu schieben, sind kaum plausibel. Vielmehr muss man sich fragen, wie das Veranstaltungsgeschäft überhaupt funktioniert - und das offenbart im Fall des gut gemeinten Summer of Love gleich eine ganze Reihe handwerklicher Fehler.

Wer mit Dinslakenern über das Festival sprach, hörte zumeist den Vorwurf: „keine Werbung“. Tatsächlich gingen die Plakate, die im Stadtgebiet hingen, beispielsweise gegenüber der massiven Kampagne des Fantastivals unter. Und auf dieses Festival hätten die Organisatoren des Summers lieber einmal schauen sollen. Und zwar nicht auf die Erfolgsstory dieses und der vergangenen Jahre, sondern auf die schwere und auch von Rückschlägen gekennzeichneten Anfangsjahre.

Ein Festival muss wachsen

Ein Festival aus Einzelveranstaltungen braucht Jahre, um zu wachsen. Das Publikum muss es kennenlernen, der Charme der Veranstaltungsstätte - und diesen hat die Zentralwerkstatt wirklich und wahrhaftig - muss sich herumsprechen. Ein weiterer Faktor ist schlicht und einfach das Geld. Veranstaltungen sind teuer - auch wenn wie im Falle des Summer of Love sogar Bühne und Technik, die übrigens hervorragend waren, aus Eigenleistung gestemmt werden können. Gewinn aus Festivals zu ziehen, ist heute nur noch möglich, wenn messerscharf kalkuliert wird und Künstler gewonnen werden, für die das Publikum bereit ist hohe Preise zu bezahlen.

Ticketpreise von 30 Euro und mehr für alte Namen, von deren Originalbesetzung nur noch Reste übrig sind oder Tribute-Bands, entbehren einer realistischen Einschätzung, auch wenn es die Krux der Veranstaltungsbranche ist, dass der Kostenapparat in den letzten Jahren enorm gestiegen ist. Das solche Konzerte mangels Zuspruch abgesagt werden, wundert weniger, als dass sie jemand ernsthaft wagt.

Wenn dann noch das Publikum über einen Zeitraum von mehreren Wochen durch kurzfristigste Konzertabsagen verunsichert wird, kann kein Vertrauen mehr zum Kunden, und das sind die Fans schließlich aus Veranstaltersicht, mehr aufgebaut werden.

Bleibt zum Schluss die Enttäuschung über eine verpasste Chance für eine gut gemeinte Sache. Denn die Abende mit Randy Hansen, Candy Dulfer, den Puhdys oder auch Markus Krebs im Ledigenheim waren wirklich gut.