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Erstwähler löchern Politiker

03.09.2009 | 18:34 Uhr
Erstwähler löchern Politiker

Dinslaken. Dicht an dicht schieben sich die Schüler durch Türen und Flure in die Turnhalle des Berufskollegs, wirken teils noch verschlafen, murmeln dabei etwas von „keinem Bock” und einer „blöden Veranstaltung”, zu der sie da müssen.

Doch schon Minuten später sind die rund 600 Schüler auf den Rängen der Halle zumeist hellwach, stellen Fragen, hören den Antworten der Politiker, die da vorne sitzen, aufmerksam zu, quittieren mit Applaus oder auch mal mit leisen Buh-Rufen.

„Politshop” heißt die Veranstaltung, die am Berufskolleg Dinslaken gute Tradition hat. Vor Wahlen werden die jeweiligen Kandidaten der vermutlich vetretenen Parteien eingeladen, um sich in der Turnhalle den Fragen der Schüler im Erstwähler-Alter zu stellen, die sich zuvor seit einigen Wochen im Politikunterricht mit dem Thema beschäftigt hatten und vorbereitet sind.

Gestern auf dem Podium die Bundestagskandidaten aus dem Wahlkreis Oberhausen/Dinslaken: Mike Groschek (SPD), Marie-Luise Dött (CDU), Bärbel Höhn (Grüne) und Niema Movassat (Linke). FDP-Kandidat Gerald Schädlich hatte aus beruflichen Gründen abgesagt. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde geht es inhaltlich zur Sache, Schulpfarrer Jörg Götte und Schülervertreter Sebastian Schürmann moderieren.

Die Schüler stellen klare Fragen, die Politiker präsentieren klare Antworten. So stellt sich bei der Frage nach der Bafög-Unterstützung heraus, dass Marie-Luise Dött (CDU) Höhe und Art der Ausbildungsförderung im Grundsatz angemessen findet, während Mike Groschek (SPD) das Bafög „zeitgemäß anpassen” will, um Bildungschancen für Schüler und Studenten zu verbessern. „Wenn dann noch über Studiengebühren nach dem Portmonee der Eltern und nicht nach Begabung entschieden wird, ist das falsch”, sagt Groschek (SPD). Auch Bärbel Höhn (Grüne) will sich dafür stark machen, dass die Kinder reicher Eltern bei den Bildungschancen nicht weiter bevorteilt werden.

Nach einem großen Fragekomplex zum Themenbereich soziale Gerechtigkeit und Mindestlohn werden weitere Unterschiede in den Parteilinien deutlich: Dött ist gegen einen Mindestlohn, stattdessen für ein Mindesteinkommen, das notfalls aus dem Steuertopf zu finanzieren ist, um Arbeitgeber nicht durch zu hohe Löhne zu belasten, die außerdem durch die Tarifparteien und nicht durch die Politik verhandelt werden müssten. Alle anderen sprechen sich für Mindestlöhne aus, damit Arbeitnehmer mit eigener Hand ihr Leben finanzieren können.

Unterschiede auch bei den Antworten auf die Frage nach mehr Jugend-Angeboten: Es gebe genügend Angebote, sie zielten nur teilweise am Bedarf vorbei, meint Marie-Luise Dött (CDU) und will zur Korrektur die Jugendlichen stärker mit in die Verantwortung nehmen. Man müsse Ländern und Städten durch eine andere Steuerpolitik mehr Geld in die Kassen spülen, damit mehr freiwillige Leistungen im Jugendbereich auf den Weg gebracht werden können, argumentiert Mike Groschek (SPD). Und Bärbel Höhn (Grüne) meint, dass es mehr offene Jugendangebote geben muss. Niema Movassat (Linke) nutzt die Chance, um zu erklären, wie seine Partei Geld für mehr soziale Gerechtigkeit erwirtschaften will: Höherer Spitzensteuersatz, Millionärssteuer, Börsenumsatzsteuer, Vermögenssteuer und Körperschaftssteuer.

Nach anderthalb lebhaften Stunden schließt der Politshop, von dem Schüler, Lehrer und Politiker gleichermaßen profitiert haben dürften.

Ralf Kubbernuss

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