Erste-Hilfe-Ausbildung in Betrieben ändert sich

Dinslaken..  Die ersten Minuten nach einem Unfall können entscheidend sein. Für einen Ersthelfer bedeutet dies, schnell und unaufgeregt erkennen zu können, welche Notfallmaßnahmen sofort eingeleitet werden müssen. Nicht immer einfach für den Helfer, trotz guter und intensiver Schulung. 16 Unterrichtseinheiten bildeten bislang die Grundschulung in der betrieblichen Erste-Hilfe-Ausbildung nebst acht Unterrichtseinheiten fürs EH-Training. Das soll sich ab 1. April ändern, hatten die Unfallversicherungsträger und die Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe beschlossen. Und senkten die zeitaufwendigen Trainingsstunden. „Eine Herausforderung für die DRK-Ausbilder“, so Willi Kassen, Ausbildungsleiter beim DRK-Kreisverband Dinslaken-Voerde-Hünxe. Dass es klappen wird, ist er sich allerdings vollkommen sicher.

„Inhalte haben sich stark verändert“

Rund 2500 betriebliche Ersthelfer bildet das Rote Kreuz vor Ort Jahr für Jahr aus. „In den vergangenen Jahren haben sich die Inhalte der Ersten Hilfe stark verändert, wie eigentlich immer wieder schon mal“, erzählt Willi Kassen, ein Urgestein des Roten Kreuzes. Seit Jahrzehnten arbeitet Kassen beim DRK mit. Veränderungen in der Ausbildung habe es immer gegeben, allerdings in kleinerem Maße. Nun aber kommt der große Einschnitt. „Ich stehe dem positiv gegenüber“, sagt Kassen. „Die Ausbildung wird der heutigen Zeit angepasst, sie wird dadurch praxisbezogener.“ Endlich falle ein großer Teil Theorie weg, gebe es keine „Wie höre ich mit dem Rauchen auf“- oder „Wie lebe ich gesund“-Diskussionen mehr. In Zukunft fokussiere sich die Erste-Hilfe-Ausbildung auf die Vermittlung der lebensrettenden Maßnahmen und einfacher Erste-Hilfe-Maßnahmen sowie grundsätzlicher Handlungsstrategien. „Die Sanitätsausbildung sowie die Ausbildung der Rettungssanitäter ist davon nicht betroffen, da wird sich nicht viel verändern“, sagt Kassen.

Die Ersthelfer im Betrieb, zehn Prozent der Belegschaft sollten nach Wunsch der Berufsgenossenschaften derart ausgebildet sein, müssen alle zwei Jahre an einer Fortbildung teilnehmen. Diese wird dem neuen Gesetz nach von 8 auf 9 Stunden erhöht. „Der Ersthelfer sollte auf Anhieb erkennen können, was die lebensbedrohliche Situation ausgelöst hat, welche Maßnahmen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte und des Notarztes zu vollziehen sind, schnell und präzise“, sagt Kreisverbandsvorsitzender Dr. Kurt Gerritz. „Er muss also einen Notruf absetzen könne, das Bewusstsein des Unfallopfers kontrollieren, gegebenenfalls eine stabile Seitenlage durchführen können, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen können.“

Die Ausbilder beim DRK haben die neuen Richtlinien bereits verinnerlicht. Nun liegt es an ihnen, sie den Ersthelfern zu vermitteln. Das wird nicht einfach aber nicht unlösbar sein. „Der Ausbilder muss nun verstärkt die Teilnehmer im Blick haben bei den Versuchen und sie sofort korrigieren. Denn einmal falsch Erlerntes wird nicht so leicht aus dem Bewusstsein des Helfers verschwinden.“ Dennoch sieht Willi Kassen die positiven Seiten. Selbst der Umgang mit Defibrilatoren werde geübt, die hängen schließlich in jedem Betrieb. „In 2012 sind mit ihnen 855 Leben gerettet worden“, wirft Kurt Gerritz ein. „Die Helfer müssen nur die Hemmschwelle verlieren, denn mit der heutigen Technik ist so viel mehr möglich als früher. Und das lernen sie jetzt intensiver“, ist sich Gerritz sicher.

Von der Verordnung ausgeschlossen sind die Kurse für Führerscheinneulinge. „Aber da soll sich demnächst auch etwas ändern“, erklärt Willi Kassen.

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