Einfach unverwechselbar
10.06.2012 | 18:11 Uhr 2012-06-10T18:11:00+0200
Voerde. Ein Blickfang nach dem nächsten traf am Samstag beim Oldtimertreffen in Friedrichsfeld ein.
Nach und nach biegen sie auf die Wiese an der Heidestraße in Friedrichsfeld ein: ein Opel Rekord, ein Porsche 911, ein VW-Käfer – stilecht mit alten Gepäckstücken auf dem Dachträger – und zahlreiche andere alte Autos und Mopeds, die sich aufgrund ihres Alters von mindestens 30 Jahren Oldtimer nennen dürfen. Robert Zielenbach, Vorsitzender der Fried-richsfelder Oldtimer-Freunde, lässt den Blick über die Wiese schweifen und schätzt das Durchschnittsalter der Fahrzeuge etwa auf das Baujahr 1965 ein.
Begonnen hatte das 22. Treffen der Oldtimer-Freunde bereits am Samstagvormittag mit einer Ausfahrt. 18 Teilnehmer legten eine 85 Kilometer lange Strecke zurück und passierten vier Streckenposten, wo die Fahrer verschiedene Aufgaben – wie das blinde Ertasten eines Verteilers oder das Beantworten von Fragen zur Autowerbung – zu lösen hatten.
Im Anschluss an die Ausfahrt kamen aber noch weit mehr Oldtimerfreunde mit ihren historischen Gefährten an die Heidestraße. Zielenbach freute sich über die große Resonanz und meinte, dass insgesamt etwa 60 Fahrzeuge da seien. „Das ist ein Kommen und Gehen, das ist das Schöne daran.“ In familiärer Atmosphäre wurden die Oldtimer begutachtet und es wurde gefachsimpelt. „Ich kann die Autos erkennen, ohne zu gucken, was hinten drauf steht“, sagt Robert Zielenbach, „die Autos sind unverwechselbar.“ Das ist nicht der einzige Grund, der die Faszination Oldtimer ausmacht: Auch die Ursprünglichkeit der Technik, das Selber-daran-herum-schrauben und das Fahrgefühl machen den Reiz und den Charme der alten Fahrzeuge aus. Es sind aber auch die Geschichten hinter der Geschichte dieser alten Fahrzeuge, die zu ihrer Faszination beitragen.
Wie die von Gundolf Ott und seinem Kitcar. Das heißt so, weil es ein Bausatz ist: Die Technik kommt von einem Ford Cortina, der Rest von einem Marlin, ein englisches Fabrikat, wie auch das gesamte Auto. Vor vier Jahren hat Gundolf Ott das Fahrzeug gekauft – und selbst in Birmingham abgeholt und nach Friedrichsfeld gefahren. Dabei hatte er vorher noch nie einen Rechtslenker gefahren, aber die Pedale seien gleich. „Ich möchte nicht etwas von der Stange, sondern etwas Besonderes haben“, so Ott. Diese Beschreibung passt auch auf einen blauen Blickfang am anderen Ende der Wiese: den Samba-Bus von Volkswagen, Baujahr 1965. „Das war mein großer Traum“, sagt Besitzer Andreas Eickhoff. Vor fünf Jahren fand er eben jenen Bus in Amerika – und holte ihn per Seefracht nach Deutschland. „Das Auto hat fast noch nie Regen gesehen“, erzählt Eickhoff, aber den Transport von Rotterdam nach Dinslaken musste der Bus im Regen über sich ergehen lassen. Eickhoffs schönstes Erlebnis mit dem Samba-Bus: Einmal stand eine weinende Frau vor dem parkenden Auto und fragte, ob sie einmal darin sitzen dürfte, da so ein Bus ihr Hochzeitsauto gewesen sei. Sie durfte – und war glücklich. „Man schwebt mit dem Auto“, beschreibt Eickhoff das Fahrgefühl und schaut versonnen aus dem hellen geöffneten Faltdach in den Himmel, „alle gucken und winken. Das Auto lächelt.“ Das kann wohl nur ein Oldtimer.
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