Eine Zeitreise durch Schloss Gartrop

Hünxe..  Das eiserne Zugangstor ist gerade ins Schloss gefallen, da gerät Heinrich Rühl schon ins Schwärmen. „Wir sehen gleich ein Kleinod, das in dieser Region seines Gleichens sucht“, verspricht er. Treffen am Schloss Gartrop: Der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Hünxe hat sich Zeit für einen Rundgang genommen. Wobei der Begriff Zeitreise besser passt.

Mausoleum im Schlosspark

Wer das Wasserschloss mit seinen großflächigen Anlagen besucht, durchschreitet mehrere Epochen. Über einen verschlungenen Weg geht es zunächst vorbei an großen Eichen und dann in den Park hinein. Rühl deutet mit der Hand nach Osten. „Da hinten befindet sich das Mausoleum der Familie von Hüchtenbruck“, erklärt Heinrich Rühl. Dieses Adelsgeschlecht hat die Geschichte des Schlosses entscheidend mitgeprägt. Doch den Anfang machten die Ritter der de Gardapen. Sie legten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das Gebäude. Der Name des Schlosses und des gesamten Ortsteils verweist heute noch auf die Ursprünge.

1650 zerstörte eine Feuersbrunst große Teile des Schlosses. Ein Neubau war erforderlich. Doch Schlossherr Albert Gisbert von Hüchtenbruck plante mehr als das: Er träumte von einem prächtigerem Gebäude. So begann der Adelige mit den Bauarbeiten, die sein Sohn Albert Georg schließlich 1675 vollendete. Fortan stand in der Nähe der Lippeauen ein Schloss mit vier Flügeln, mehreren Salons in der Beletage und einem großen Festsaal mit einer barocken Stuckdecke – die einzige am Niederrhein, die noch erhalten ist. Heinrich Rühl erzählt die Geschichte von den eifrigen von Hüchtenbrucks während er über eine Brücke schlendert. Links von ihm flattern Nilgänse über den Schlossgraben, rechts erstreckt sich der Zingelgraben. „In meiner Jugendzeit hat sich dort halb Gartrop zum Schwimmen getroffen“, erzählt Rühl. Aus dem Wasser heraus hatten die Gäste einen guten Blick auf die Vorburg.

Diesen Teil bewohnte einst das Personal. Außerdem befanden sich dort die Wirtschaftsgebäude sowie Stallungen, eine Schreinerei und eine Bäckerei. Heutzutage feiern Gesellschaften ihre Hochzeit in der Vorburg, in den alten Zimmern übernachten Hotelgäste. Das war schon unter Peter Blumrath so, der das verlassene Schloss 2004 ersteigerte und vor dem Verfall rettete.

Das ist auch unter den Neu-Eigentümern so. Die Kölner Unternehmerfamilie Schäfer wird das Konzept mit Hotellerie, Qualitätsgastronomie und Veranstaltungen fortführen. Sie erwarb die Immobile zum Jahreswechsel von Peter Blumrath und hat nun das Büro im Herrenhaus bezogen. Unter dem Dach des Zentrums von Schloss Gartrop befinden sich weitere Hotelzimmer, darunter auch Luxussuiten wie die Graf Hüchtenburg. Auf 100 Quadratmetern können die Gäste sich wie die Adelsleute im späten 17. Jahrhundert fühlen. In diesem Zeitraum wurde auch ein weiteres Gebäude in Gartrop errichtet: die Schlosskapelle. Seit 1698 steht sie im Schatten des Herrenhauses. 1836 gab es noch einen Umbau, der neugotische Stil war in Mode und sollte auch in der Kapelle zum Ausdruck kommen. „Bei der Fassade hat man sich an einer portugiesische Klosterkirche aus dem vierzehnten Jahrhundert orientiert“, sagt Heinrich Rühl. Er läutet die letzte Etappe des Rundgangs ein. Sie führt zum Restaurant.

Am Eingang prangt noch der Name Blumraths, doch ein Schild kündigt eine baldige Neueröffnung an. Heinrich Rühl hat jeden Sommer gesehen, wie Radfahrer am Biergarten Halt gemacht und sich hier gestärkt haben. Bei den Pausen konnten sie die Aussicht auf die Rückseite von Schloss Gartrop genießen. Der ein oder andere wird wiedergekommen sein, um das Kleinod näher kennenzulernen.