Eine Qualifizierung für den Arbeitsmarkt

Dinslaken..  Nadine Belendes steht mit Besen und Gießkanne vor einem Grab auf dem Parkfriedhof. Auf der Steinplatte hat sich Schmutz angesammelt, außerdem könnten die Bodendecker wieder etwas Wasser vertragen. Nadine Belendes schreitet zur Tat, fegt den Dreck weg und gießt die Pflanzen. Mit einer E-Schubkarre und ihren Kollegen Martina Glücks sowie Benjamin Loges geht es danach weiter zum nächsten Grab.

Die drei Friedhofsgärtner wirken eingespielt. Ihre Aufgaben erledigen sie mit Routine und großer Motivation. Das ist bemerkenswert und freut ihren Arbeitgeber. Die Albert-Schweitzer-Einrichtungen (ASE) für Behinderte beschäftigen das Trio seit mehreren Jahren. Aufgrund ihrer Defizite haben die drei jungen Menschen Probleme, auf dem ersten Arbeitsmarkt fündig zu werden. In den ASE-Werkstätten erhalten die Möglichkeit, sich zu beweisen und für Wunschberufe zu qualifizieren. „Wir wollen eine Teilhabe am Arbeitsleben gewährleisten. Unser Ziel ist es, dass unsere Mitarbeiter später sozialverträgliche Arbeitsverträge bei Unternehmen bekommen“, erklärt Jörg Claaßen, der Werkstattleiter des gesamten Produktionsbereiches ist.

570 Beschäftigte

Rund 570 Menschen mit Behinderungen beschäftigen die ASE momentan. 31 arbeiten in der Friedhofsgärtnerei, ansonsten gibt es noch die Bereiche Garten- und Landschaftsbau, Küche/Catering, Metall- und Kunststoffverarbeitung, Schneiderei, Schreinerei, Verpackung, Wäscherei und den Lettershop.

Die Bandbreite der Behinderungen ist bei den Beschäftigten groß. Dementsprechend individuell gestaltet sich die berufliche Qualifizierung. „Es gibt keine festgelegte Ausbildungszeit, die Fähigkeit der Einzelperson steht immer im Vordergrund“, sagt Franz-Josef Terlinden, der die ASE-Friedhofsgärtnerei leitet. Er hat in seinem Team viele Beschäftigte, die bei der täglichen Arbeit auf Unterstützung angewiesen sind. „Es gibt aber auch mehrere Mitarbeiter, die sich selbstständig auf den Friedhöfen um die Grabgestaltung und Grabpflege kümmern können“, erklärt Terlinden.

Aufträge für 1000 Gräber

Er gibt ihnen einen Ordner mit auf dem Weg, in dem mit Piktogrammen und kurzen Sätzen die Aufträge erklärt werden. Das Arbeitspensum ist in den vergangenen Jahren übrigens gestiegen. Die Mitarbeiter der ASE pflegen 1000 Gräber auf sechs Friedhöfen in Dinslaken und Umgebung. „Das spricht für die hohe Qualität und die Zuverlässigkeit, die wir unseren Kunden bieten“, sagt Franz-Josef Terlinden.

Den Erfolg misst er jedoch nicht an der Nachfrage. Es sind eher die Fortschritte seiner Mitarbeiter, die ihm wichtig sind. Terlinden muss dabei an Benjamin Loges denken. „Als der zu uns kam, war er sehr zurückhaltend und hatte kaum Selbstbewusstsein“, sagt der Abteilungsleiter. Doch bei Benjamin Loges ging es in den Werkstätten aufwärts. Er machte mehrere Qualifizierungen und bestand die Führerscheinprüfung der Klasse L.

Doch Loges wollte nicht nur Landmaschinen steuern und setzte sich das nächste Ziel. Eines Tages fuhr er mit dem Auto an der Friedhofsgärtnerei vor. Loges hatte nun auch den Pkw-Führerschein in der Tasche. „An solchen Tagen macht meine Arbeit besonders viel Spaß“, sagt Franz-Josef Terlinden. Sein Mitarbeiter hat nun weitere Ziele. „Ich würde gerne ein Praktikum in einer anderen Friedhofsgärtnerei machen“, sagt der 33-Jährige. Berufsroutine, Sozialkompetenz und einen Führerschein hätte Loges vorzuweisen. Er hofft, dass sich sein Wunsch bald erfüllt.