Eine Geschichte rund um Gefühle

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Die Augsburger Puppenkiste war zu Gast im Ev. Gemeindehaus Betsaal Bruch und zeigte eine faszinierende Geschichte rund um Gefühle: „Paula und die Kistenkobolde“ – ein wesentlicher Bestandteil des Kindergartenprogramms Papilio.

Dinslaken..  Die Puppenspieler bewegen gekonnt die Hölzer mit den daran befestigten Fäden. Die Kobolde Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold winken den Kindern noch einmal zu, ehe Paula sie zum Ausgang begleitet. Gleich wird die nächste Gruppe erwartet. „Tschüss, das war sehr schön, wann kommt ihr wieder?“, ist die einhellige Meinung an diesem Morgen.

Die Augsburger Puppenkiste war zu Gast im Ev. Gemeindehaus Betsaal Bruch und zeigte eine faszinierende Geschichte rund um Gefühle: „Paula und die Kistenkobolde“ – ein wesentlicher Bestandteil des Kindergartenprogramms Papilio. Dieses steigert die sozial-emotionalen Kompetenzen bei Kindern und bildet damit die Basis, um Sucht- und Gewaltentwicklungen im Jugendalter vorzubeugen.

Rund 280 Kinder verfolgten gespannt und aufmerksam die drei Aufführungen, durften am Ende auch die Puppen anfassen und mit ihnen in Dialog treten. „Jeder der vier Kobolde steht für ein Basisgefühl. Die Geschichte hilft Kindern, mit ihren eigenen Gefühlen und den Gefühlen von anderen umgehen zu können“, erklärt Christine Pehl, Gründungsmitglied von Papilio. Weitere Bausteine unterstützten das Einhalten sozialer Regeln und das soziale Miteinander. „Papilio ist nicht nur Puppenspiel, sondern pädagogisches Programm.“

Die Schlüsselrolle bei der Vermittlung im Kindergarten und hin zu den Eltern spielten dabei die pädagogischen Fachkräfte. „Hier wird früh angesetzt, um Verhaltensauffälligkeiten entgegen zu wirken. Kinder lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und mitzuteilen. Kinder sind nicht böse, sondern wütend“, erklärt Margret Zulechner, Papilio-Trainerin in Dinslaken.

Drei Maßnahmen für Kinder

„Das können wir in der Praxis nur bestätigen“, ergänzt Cornelia Sack, Erzieherin der Kita „Brücher Spatzennest“. Dort gebe es eine „Gefühlswand“ mit den vier Kobolden, vor die sich die Kinder entsprechend stellen können. „Danach geht es ihnen besser.“ So bildeten sich immer neue Gruppen.

Leiterin Gabriele Dierich nennt drei Maßnahmen für Kinder: 1. „Paula und die Kistenkobolde“ (von Eltern selbst genäht) und das entsprechende Bilderbuch als dauerhafter Kita-Bestandteil. 2. Der „Spielzeug-macht-Ferien-Tag“: Hier spielen die Kinder freitags ohne herkömmliches Spielzeug und lernen so, sich kreativ zu beschäftigen. 3. Beim „Meins-deins-deins-unser-Spiel“ steht die gegenseitige Unterstützung beim Einhalten von gemeinsam vereinbarten sozialen Regeln im Vordergrund. „Kinder sind konzentrierter und kooperationsbereiter“, weiß Dierich.

Neben einem gegründeten Elternclub sitzt auch die Barmer GEK bei der Umsetzung des Papilio-Programms mit im Boot. „Wir unterstützen gern Projekte, die sich für die psychische Gesundheit schon im Kindergartenalter einsetzen“, so Ulf Ripke, Bezirksgeschäftsführer Dinslaken. Das Programm lasse sich auch gut ins Elternhaus übertragen, „ohne Computer und Videospiele“, so Arnd Rutenbeck, Geschäftsführer Ev. Kinderwelt. Stellv. Bürgermeister Eyüp Yildiz lobte alle Beteiligten, das Projekt richte sich gegen die Ellenbogen-Gesellschaft. Pfarrerin Sabine Röser-Blase: „Diese wichtige Arbeit deckt sich mit unserem Auftrag als Kirche, starke Kinder- und Jugendarbeit zu leisten.“

Das Besondere an Papilio ist seine Alltagstauglichkeit. Es lässt sich in jedem Kindergarten durchführen, fügt sich in den Tagesablauf ein. Das Programm fördert, wissenschaftlich belegt, sozial-emotionale Kompetenzen, reduziert Verhaltensauffälligkeiten. Es setzt auf drei Ebenen an: bei Kindern, pädagogischen Fachkräften und Eltern.

Seite 2006 wurden in NRW 2094 pädagogische Fachkräfte aus 501 Kitas in Papilio fortgebildet. 2009 begann Dinslaken mit der Einführung des Programms in der ev. Kita „Brücher Spatzennest“. Dort sind inzwischen alle sieben pädagogischen Fachkräfte fortgebildet.