Einblicke in den arabischen Frühling

Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool

Dinslaken.. Was ist da eigentlich los in Nordafrika und dem Nahen Osten? Revolutionen, gestürzte Diktatoren und fundamentale Islamisten, die sich mit Waffengewalt einen Gottesstaat errichten wollen. Mit einem Vortrag zum arabischen Frühling im Forum des Berufskollegs Dinslaken versuchte sich Journalist Andreas Zumach an einer Erklärung der Lage. „Wenn wir über diese Länder sprechen, müssen wir immer im Kopf behalten, dass sie über Jahrhunderte europäische Kolonien waren und keine Zeit hatten, sich unabhängig zu entwickeln“, erklärte Zumach zu Beginn seines Beitrages.

Dann schlug er einen Bogen durch die Geschichte der Region und gab sich dabei kritisch gegenüber westlicher Außenpolitik. „Wir haben uns immer einen verlässlichen Partner geschaffen, der willig und fähig war, uns Zugang zu den dortigen Rohstoffen zu liefern“, erklärte der Journalist. „Wir haben dabei immer wieder auf die Diktatoren und Militärregimes gesetzt.“ Genau deren Absetzung war das, teilweise erreichte, Ziel der „Arabellion“, wie Zumach die breiten Proteste in den Ländern bezeichnete. „Die Menschen dort wollen grundlegende Menschen- und Freiheitsrechte für sich haben“, führte Andreas Zumach aus.

In Syrien sei die besondere Reaktion des Staates auf die beginnenden Proteste das Alleinstellungsmerkmal. „Präsident Baschar al-Assad hat sehr schnell und extrem brutal auf friedliche Demonstrationen reagiert“, erklärte der Journalist. Und unter den Gegnern von Assads Regime haben sich neben desertierten Truppen der syrischen Armee seit dem Sommer 2012 auch Mitglieder des Terroristennetzwerks Al-Quaida befunden. Seit dieser Zeit sei auch die Organisation „Islamischer Staat“ (IS) in der Gegend aktiv. „Im Vergleich zu IS war Al-Quaida nur ein Amateurverein“, urteilte Andreas Zumach.

Seine Lösungsidee für die Konflikte in der Region: Eine Art Marshallplan für die betroffenen Länder, um dort eine funktionierende Volkswirtschaft aufzubauen und die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. „Wenn das nicht gelingt, werden wir erleben, dass selbst in den Ländern, in denen die Rebellionen erfolgreich waren, die Regierungen weggefegt werden“, gab Zumach eine düstere Zukunftsprognose ab.

Nach seinem Vortrag beantwortete der Journalist Nachfragen aus dem Publikum zum Thema. Hier ging es vor allem um die Rolle Israels in der Region und im Bezug auf Syrien auch um Russlands Beteiligung am Konflikt. Beim Thema Israel sprach sich Zumach klar für eine Zwei-Staaten-Lösung mit eigenem Palästinenserstaat aus – und das möglichst schnell. „Ansonsten wird es für Israel bald keine Verhandlungspartner mehr für so eine Lösung geben“, prognostizierte er.