Ein Versuch der Selbstständigkeit

Özlem Senyildiz in ihrem Büro.
Özlem Senyildiz in ihrem Büro.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Özlem Senyildiz gründete in Lohberg einen Lohnsteuerhilfe-Verein

Dinslaken-Lohberg..  Einst von Lohberg nach Hiesfeld gezogen, der Liebe wegen, dann in die Innenstadt und wieder zurück nach Lohberg. Noch einmal der Liebe wegen, dieses Mal jedoch die zu ihrem Stadtteil. „Hier bin ich groß geworden hier bin ich zu Hause, hier fühle ich mich einfach wohl“, gesteht Özlem Senyildiz.

Die gelernte Steuerfachangestellte ist gerade dabei sich mit einem Lohnsteuerhilfe-Verein selbstständig zu machen. Noch klappt es nicht so ganz, ist sie noch immer auf die Hilfe des Arbeitsamtes angewiesen. „Es läuft ja alles nur über die Mitgliedsbeiträge.“ Die liegen so zwischen 30 und 120 Euro. Jeder Lohnsteuerhilfe-Verein kann seine Mitgliedsbeiträge selbst bestimmen, erzählt sie. Ansonsten seien sie alle an gesetzliche Vorgaben gebunden. Das bedeutet aber auch, dass der Lohnsteuerhilfe-Verein nur für Arbeitnehmer zuständig ist, unabhängig vom Einkommen. Freiberufler, auch die, die sich nur mühsam über Wasser halten, und Selbstständige dürfen nicht zu den Klienten zählen, müssen sich an Steuerberater wenden.

„So ist das Gesetz“, sagt Senyildiz, die ein kleines Büro im Ledigenheim für den Verein angemietet hat. Sie hat den Verein 2012 gegründet, das Büro ausgestattet und losgelegt. Hört sich so einfach an, war es aber nicht. „Ich musste ja erst einmal Klienten bekommen, um überhaupt starten zu können.“ Einige seien ihr aus Duisburg gefolgt, andere habe sie vor allem in Lohberg hinzugewonnen. Man kennt sich halt, ist wie eine Familie, wenn es darauf ankommt. Leben kann sie von ihren rund 600 Mitgliedern jedoch nicht, aber immerhin hat sie endlich einen Honorarvertrag, ist also beim Verein offiziell angestellt. Sogar klagen kann sie für ihre Mandanten, kann sie vor Gericht vertreten. Doch „2000 Mitglieder müssten es schon sein, bevor sich das Ganze wirklich rentiert, so dass ich davon leben kann“, so rechnet sie vor. Für sie bleiben derzeit nur ein paar Cent übrig, zuviel muss noch abgezahlt werden, doch „ich wollte nicht nur zu Hause rumsitzen, das ist nicht meine Welt“.

Möglich, dass sie außerhalb Lohbergs bessere Verdienstmöglichkeiten hätte, doch daran glaubt sie nicht so recht. „Hier im Ledigenheim sind so viele kleine Firmen untergebracht, die existieren alle. Zudem haben wir hier reichlich Parkplätze, kostenfrei.“ Und sie ist zuversichtlich, dass es eines Tages schon klappen wird. „Immerhin bin ich Vorsitzende, Beratungsstellenleiterin und Lohnsteuerfachangestellte des Vereins, das klingt doch gut, nicht“, sagt sie lachend. Und bei solchen Titeln muss es doch auch mal mit einer Teilzeitstelle klappen, die die Lohbergerin sucht, um nicht mehr vom Arbeitsamt abhängig zu sein. Bis es halt mit dem Lohnsteuerhilfeverein klappt.