Steag-Besuch
Ein Plädoyer für Kraft aus Kohle
19.04.2010 | 17:38 Uhr 2010-04-19T17:38:00+0200Voerde. Energiepolitische Fragen standen im Mittelpunkt einer Steag-Besichtigung durch eine Delegation des SPD-Stadtverbandes Dinslaken, MdB Michael Groschek, Landtagskandidat Stefan Zimkeit, Bürgermeister Michael Heidinger, SPD-Fraktionschef Karl-Heinz Geimer und Stadtverbandschef Friedhelm Wlcek.
„NRW muss das Energieland Nr. 1 bleiben und das Klimaschutzland Nr.1 werden“, formulierte Zimkeit die Ziele der SPD in der Energiepolitik. Die SPD wolle eine klimaverträgliche Energieversorgung zum Jobmotor für NRW machen. Michael Groschek MdB übte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an Forderungen der FDP, vor 2018 aus der Kohleförderung auszusteigen. Um Steuergeschenke für Besserverdienende zu finanzieren, gefährde die FDP Tausende von Arbeitsplätzen im Ruhrgebiet, so Groschek. Die Dinslakener Delegation zeigte sich „beeindruckt von der technischen Entwicklung des Kraftwerkes in Voerde“, nachdem Kraftwerksleiter Harald Fink und Stellvertreter Wolfgang Schulthoff über die stetige Modernisierung der Umweltschutztechnik berichtet hatten. Dr. Wolfgang Konrad von der Evonik stellte die Planungen für den neuen Block 10 des Kraftwerkes Walsum vor. Ziel dabei sei es, „eines der effizientesten Kohlekraftwerke der Welt zu bauen“. Bürgermeister Michael Heidinger unterstrich die Forderung, durch moderne umweltfreundliche Kraftwerkstechnik Arbeitsplätze im Ruhrgebiet zu schaffen und gleichzeitig weltweit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Delegation unterstrich bei dem Besuch noch einmal ausdrücklich die Forderung der SPD nach einem Ausstieg aus der Atomenergie. Atomenergie bleibe gefährlich und die Frage der Endlagerung ist weiter ungeklärt. Beim Besuch wurde aber auch deutlich, dass die Atomenergie in Konkurrenz zur Kohle steht. „Wer die Laufzeiten der Atomkraftwerke in Bayern und Baden-Württemberg verlängert, vernichtet Arbeitsplätze in NRW“, so SPD-Stadtverbandschef Friedhelm Wlcek. Und dies gelte sowohl für Arbeitsplätze im Bereich regenerativer Energien, wie auch im Bereich der modernen Kraftwerkstechnik.
13:52
bravo, holger mrosek.
aber ob es jemand liest....?
zur ergänzung s. EUtech-Studie im auftrag von greenpeace.
20:45
Wie die Studie Klima NRW 2020 belegt, ist es möglich, auch ohne den Neubau von Kohlekraftwerken den notwendigen Strom zu produzieren. Der notwendige Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung und die Erneuerbaren Energien sind in der Lage, die jetzt nicht mehr gebauten Kohlekraftwerke zu kompensieren, langfristig die Kohleverstromung sogar ganz zu ersetzen.
Niemand geht davon aus, dass in den nächsten 20 Jahren der gesamte Energiebedarf durch Erneuerbare Energien gedeckt werden kann, aber die schon existierenden Kohlekraftwerke reichen aus, um die Energie zu liefern, die neben der Energie aus KWK und Erneuerbaren noch benötigt wird.
Es ist durchaus möglich, bis Mitte des Jahrhunderts aus der Kohleverstromung auszusteigen und Energie nur noch aus Erneuerbaren zu gewinnen, ohne dass es zu Versorgungsengpässen kommen wird.
Die Landesregierung behauptet, dass durch die geplanten oder im Bau befindlichen Kohlekraftwerke in NRW ca. 30 Mio. Tonnen CO2 bis 2020 eingespart werden können. Diese Aussage ist rundweg falsch! Die sich zurzeit im Bau bzw. in der Planung befindlichen Kohlekraftwerke werden die CO2-Emissionen insgesamt um 76,1 Mio. t pro Jahr erhöhen.
Wenn wirklich im Ausgleich, wie verbindlich zugesagt, alte Kraftwerke abgestellt werden, kommt es dennoch zu einer Erhöhung von 56,7 Mio. t pro Jahr. Selbst wenn noch zusätzlich die unverbindlichen Ankündigungen umgesetzt werden, besteht immer noch eine Zunahme von 29,4 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr.
Wenn jedoch, anstatt große Summen in neue Kraftwerke zu investieren, die bis weit über 2050 CO2 emittieren werden, die CO2-neutralen Erneuerbaren Energien ausgebaut und gefördert würden, wäre es möglich, nicht in den nächsten 20 Jahren, aber bis Mitte des Jahrhunderts die gesamte Energie aus Erneuerbaren zu gewinnen und alle Kohlekraftwerke abzuschalten.
Es stimmt, dass wir uns auf Bundesebene dafür einsetzen, dass der Atomausstieg wie geplant weitergeht. In Nordrhein-Westfalen ist jedoch seit 15 Jahren schon kein AKW mehr am Netz, sodass die Energiegewinnung hauptsächlich über fossile Kraftwerke erfolgt. Niemand von uns geht davon aus, dass wir NRW in den nächsten 20 Jahren komplett mit erneuerbarem Strom versorgen werden, deshalb kann auch nicht von einem sofortigen Ausstieg aus der Kohle gesprochen werden. Wir wollen die aus Klimaschutzgründen notwendige Umstellung der Stromversorgung auf Erneuerbare Energien in den kommenden 40 Jahren bis 2050, sodass nach und nach - wie es der Ausbau der Erneuerbaren Energien erlaubt - Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden können. Die Versorgungssicherheit wird hierdurch nicht beeinträchtigt werden, da sichergestellt wird, dass die Erneuerbaren Energien so ausgebaut werden, dass Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden können.