Das aktuelle Wetter Dinslaken 15°C
Geschichte

Ein Ortsteil gehörte zu drei Städten

21.01.2015 | 23:00 Uhr
Ein Ortsteil gehörte zu drei Städten
Eine alte Postkarte aus Eppinghoven.Foto: privat

Dinslaken/Voerde/Walsum.  Vor 40 Jahren wurden in der Kommunalen Neuordnung die Zugehörigkeiten neu geregelt. Vorher verliefen durch Eppinghoven die Grenzen zwischen Walsum, Voerde und Dinslaken

Dinslaken, die Stadt am Rhein – so könnte sich Dinslaken seit der kommunalen Neuordnung von 1975 nennen. Doch das wäre wahrlich eher ein Witz, denn ein ernstzunehmender Gedanke. Denn Dinslaken verfügt über gerade mal 400 Meter Rhein-Strand. Und dies hat sie eben jener kommunalen Neuordnung zu verdanken. Der kleine Ortsteil Eppinghoven ist „schuld“ daran, an diesen 400 Metern, nicht an der kommunalen Neuordnung. Denn wohl die kurioseste Aufteilung im alten Landkreis Dinslaken betraf den kleinen Ort.

Urkundlich erwähnt wurde Eppinghoven erstmals im Jahre 1188, weiß Sepp Aschenbach, Vorsitzender des Heimatvereins Eppinghoven, zu berichten. Bereits um 1450 traf die Eppinghovener ein empfindliche Schlag – sie wurden zweigeteilt in die beiden Gerichtsbezirke Walsum und Götterswickerhamm.

Um 1750 herum wurden unter preußischer Herrschaft daraus Verwaltungsbezirke. So gehörte der südliche Teil Eppinghovens zu Walsum der nördliche zu Götterswickerhamm (später Voerde). 500 Jahre lang waren die Linien Hagel- und Eppinkstraße die Grenze. Als wenn das noch nicht genug Teilung war, nein, später entwickelte sich gar ein östlicher Teilbereich, der zu Dinslaken gehörte.

Foto: Hoffmann

Klar, dass die Eppinghovener nicht glücklich über diese Teilung waren und bereits in frühen Jahren eine Eingemeindung von ganz Eppinghoven nach Dinslaken anstrebten. 498 Bürgerinnen und Bürger, so ist es in einer Festschrift des Heimatvereins zu lesen, hätten im Jahr 1928 die Petition unterschrieben. Doch immer wieder stießen sie auf taube Ohren oder besser ausgedrückt, auf den absoluten Widerstand der Walsumer.

Manch Kuriositäten hatten sich in all den Jahren in Eppinghoven dank der Teilung zugetragen. So gab es im Walsumer Teil von Eppinghoven eine eigene Polizeiwache, der nördliche Teil wurde von Voerde betreut. Untergebracht war die Polizeistation im alten Feuerwehrhaus, denn auch über zwei Wehren verfügte der heute geeinte Ortsteil Eppinghoven.

Übrigens, die Arrestzelle ist noch heute im Feuerwehrhaus zu sehen, erzählt Sepp Aschenbach. Das zweite, das Voerder Feuerwehrgerätehaus habe sich damals direkt gegenüber der Gaststätte Freesmann befunden. Die Bürger, sicherlich von ganz Eppinghoven, feierten die Übergabe des Walsumer Gerätehauses am 16. Juli 1927 recht ausgiebig: die Feierlichkeiten endeten erst am Morgen des folgenden Tages.

Tja, zu feiern verstehen sie, die Eppinghovener. Und hatten auch gleich für ein anderes Feuerwehr-Problem eine Lösung. Bei zwei Wehren in nicht allzu weiter Nachbarschaft, Sirenen waren nicht vorhanden, wer wusste jetzt, wer genau einen Brand in welchem „Stadt“ zu bekämpfen hatte? Kurzerhand beschlossen sie, die „richtigen“ Einsatzkräfte per unterschiedlichem Ton der Brandhörner zu benachrichtigen – zwei lange Töne galten den Möllen-Eppinghovenern, drei lange Töne den Walsum-Eppinghovenern. So ist es zumindest im Buch „Liebenswertes Eppinghoven“ von Johannes Vahnenbruck zu lesen.

„Als die Friedenskirche 1960 gebaut wurde, stand das Ortsschild Walsum davor“, erinnert sich Sepp Aschenbach, langjähriger evangelischer Pfarrer. Alles andere links und rechts gehörte wiederum zu Dinslaken. „Freesmann, heute das Restaurant Ortmann, und die Metzgerei Rockhoff lagen in zwei verschiedenen Städten, Freesmann in Voerde, Rockhoff in Walsum, dabei trennte sie nur eine kleine Straße.“

Sauer waren die Bürger auch aufgrund unterschiedlicher Gesetze, so war die Hundesteuer zum Beispiel recht uneinheitlich im Lande Eppinghoven angesetzt. Wobei die nördlichen Eppinghovener ihren Frust über die Hundesteuer zumindest sofort „ertränken“ konnten, sie musste in der Gaststätte Freesmann entrichtet werden.

Artikel auf einer Seite lesen
  1. Seite 1: Ein Ortsteil gehörte zu drei Städten
    Seite 2: Vor der Neuordnung von 1975 gab’s zwei Sperrstunden

1 | 2

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Leser besichtigen Druckhaus der Funke Mediengruppe
Bildgalerie
Druckhausführung
Flugplatz Schwarze Heide
Bildgalerie
"Leuchtende Nächte"
Lichter-Fest auf Flugplatz Schwarze Heide
Bildgalerie
Leuchtende Nächte
Ein Tag bei der Feuerwehr
Bildgalerie
Brandschutztag
article
10261076
Ein Ortsteil gehörte zu drei Städten
Ein Ortsteil gehörte zu drei Städten
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-dinslaken-huenxe-und-voerde/ein-ortsteil-gehoerte-zu-drei-staedten-id10261076.html
2015-01-21 23:00
Nachrichten aus Dinslaken, Hünxe und Voerde