Ein Ortsteil gehörte zu drei Städten

Eine alte Postkarte aus Eppinghoven.
Eine alte Postkarte aus Eppinghoven.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Vor 40 Jahren wurden in der Kommunalen Neuordnung die Zugehörigkeiten neu geregelt. Vorher verliefen durch Eppinghoven die Grenzen zwischen Walsum, Voerde und Dinslaken

Dinslaken/Voerde/Walsum..  Dinslaken, die Stadt am Rhein – so könnte sich Dinslaken seit der kommunalen Neuordnung von 1975 nennen. Doch das wäre wahrlich eher ein Witz, denn ein ernstzunehmender Gedanke. Denn Dinslaken verfügt über gerade mal 400 Meter Rhein-Strand. Und dies hat sie eben jener kommunalen Neuordnung zu verdanken. Der kleine Ortsteil Eppinghoven ist „schuld“ daran, an diesen 400 Metern, nicht an der kommunalen Neuordnung. Denn wohl die kurioseste Aufteilung im alten Landkreis Dinslaken betraf den kleinen Ort.

Urkundlich erwähnt wurde Eppinghoven erstmals im Jahre 1188, weiß Sepp Aschenbach, Vorsitzender des Heimatvereins Eppinghoven, zu berichten. Bereits um 1450 traf die Eppinghovener ein empfindliche Schlag – sie wurden zweigeteilt in die beiden Gerichtsbezirke Walsum und Götterswickerhamm.

Um 1750 herum wurden unter preußischer Herrschaft daraus Verwaltungsbezirke. So gehörte der südliche Teil Eppinghovens zu Walsum der nördliche zu Götterswickerhamm (später Voerde). 500 Jahre lang waren die Linien Hagel- und Eppinkstraße die Grenze. Als wenn das noch nicht genug Teilung war, nein, später entwickelte sich gar ein östlicher Teilbereich, der zu Dinslaken gehörte.

Klar, dass die Eppinghovener nicht glücklich über diese Teilung waren und bereits in frühen Jahren eine Eingemeindung von ganz Eppinghoven nach Dinslaken anstrebten. 498 Bürgerinnen und Bürger, so ist es in einer Festschrift des Heimatvereins zu lesen, hätten im Jahr 1928 die Petition unterschrieben. Doch immer wieder stießen sie auf taube Ohren oder besser ausgedrückt, auf den absoluten Widerstand der Walsumer.

Manch Kuriositäten hatten sich in all den Jahren in Eppinghoven dank der Teilung zugetragen. So gab es im Walsumer Teil von Eppinghoven eine eigene Polizeiwache, der nördliche Teil wurde von Voerde betreut. Untergebracht war die Polizeistation im alten Feuerwehrhaus, denn auch über zwei Wehren verfügte der heute geeinte Ortsteil Eppinghoven.

Übrigens, die Arrestzelle ist noch heute im Feuerwehrhaus zu sehen, erzählt Sepp Aschenbach. Das zweite, das Voerder Feuerwehrgerätehaus habe sich damals direkt gegenüber der Gaststätte Freesmann befunden. Die Bürger, sicherlich von ganz Eppinghoven, feierten die Übergabe des Walsumer Gerätehauses am 16. Juli 1927 recht ausgiebig: die Feierlichkeiten endeten erst am Morgen des folgenden Tages.

Tja, zu feiern verstehen sie, die Eppinghovener. Und hatten auch gleich für ein anderes Feuerwehr-Problem eine Lösung. Bei zwei Wehren in nicht allzu weiter Nachbarschaft, Sirenen waren nicht vorhanden, wer wusste jetzt, wer genau einen Brand in welchem „Stadt“ zu bekämpfen hatte? Kurzerhand beschlossen sie, die „richtigen“ Einsatzkräfte per unterschiedlichem Ton der Brandhörner zu benachrichtigen – zwei lange Töne galten den Möllen-Eppinghovenern, drei lange Töne den Walsum-Eppinghovenern. So ist es zumindest im Buch „Liebenswertes Eppinghoven“ von Johannes Vahnenbruck zu lesen.

„Als die Friedenskirche 1960 gebaut wurde, stand das Ortsschild Walsum davor“, erinnert sich Sepp Aschenbach, langjähriger evangelischer Pfarrer. Alles andere links und rechts gehörte wiederum zu Dinslaken. „Freesmann, heute das Restaurant Ortmann, und die Metzgerei Rockhoff lagen in zwei verschiedenen Städten, Freesmann in Voerde, Rockhoff in Walsum, dabei trennte sie nur eine kleine Straße.“

Sauer waren die Bürger auch aufgrund unterschiedlicher Gesetze, so war die Hundesteuer zum Beispiel recht uneinheitlich im Lande Eppinghoven angesetzt. Wobei die nördlichen Eppinghovener ihren Frust über die Hundesteuer zumindest sofort „ertränken“ konnten, sie musste in der Gaststätte Freesmann entrichtet werden.

Vor der Neuordnung von 1975 gab’s zwei Sperrstunden

Der alte Jägerhof, ein Ausflugslokal mit einem netten kleinen Gartencafé, einem Spielplatz und einem Tennisplatz, war an der Ecke Kerkmann-/Eppinkstraße in Eppinghoven gelegen. Und somit einstmals an der Grenze von Voerde zu Walsum. Den Dinslakener Familien soll der Jägerhof ein beliebtes Ziel gewesen sein.

Doch vor allem die Eppinghovener selbst versammelten sich regelmäßig des Abends in der Gaststätte, so erzählt man. Das hatte einen triftigen Grund: Mitten durch das Lokal soll die Stadtgrenze gelaufen sein. Wenn in Voerde, und damit im nördlichen Teil des Lokales Sperrstunde angesagt war, das heißt, kein neues Bier mehr gezapft werden durfte, traten die Besucher halt einen Schritt beiseite in den südlich gelegenen Teil, also auf Walsumer Gebiet. Walsum erlaubte das Bier trinken eine Stunde länger.