Echtes Miteinander am Neutorplatz

Dinslaken..  Schon weit vor dem geplanten Beginn um 18 Uhr füllte sich der Neutorplatz zusehends mit Menschen, die dem Aufruf christlicher und muslimischer Vereinigungen folgen und ein deutliches Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen wollten. Dabei hatte sich auch in der Nachbarstadt Duisburg die Gelegenheit geboten, an der Großdemonstration gegen die Pegida-Bewegung teilzunehmen. Doch ganz offensichtlich war es vielen Dinslakenern wichtig, hier vor Ort eine Kerze anzuzünden, für das Miteinander von Religionen und Kulturen einzustehen. Angesichts der mehr als 1000 Menschen, die am Ende den Weg in die Innenstadt gefunden hatten, zeigte sich Integrationsbeauftragter Burhan Cetinkaya froh darüber, dass so viele ein friedliches Zeichen für das interreligiöse Miteinander in Dinslaken setzen wollten. „Ich habe einen muslimischen Glauben. Heute bin ich aber auch Christ, heute bin ich auch jüdisch. Wir sind alle Deutschland“, so Cetinkaya. Aus dem Integrationsrat unterstrich Gülsum Yigit, dass man sich mit der Veranstaltung gegen den Terror richte, der im Namen der Religion begangen wird: „Wir distanzieren uns von der Gewalt der Extremisten. Diese Menschen sind keine Muslime, sie haben keinen Glauben.“

Für die Gruppe des Christlich-Islamischen Dialogs erklärte Pfarrer Wilfried Faber-Dietze, dass das Aufeinanderzugehen der Glaubensrichtungen in Dinslaken seit Jahren praktiziert werde. „Und wir lassen uns durch religiöse und kulturelle Unterschiede nicht auseinander dividieren“, unterstrich er. Zwar habe keiner ein Patentrezept, wie alle Probleme gelöst werden könnten, doch sei der nun von Extremisten gesäte Hass nur noch mehr Ansporn, den beschrittenen Weg weiter zu verfolgen.

„In Dinslaken darf kein Platz sein für Menschen, die anderen ihren Glauben, ihre Weltanschauung und ihr Recht auf eigene Lebensführung streitig machen“, fand Bürgermeister Michael Heidinger klare Worte. Und machte deutlich: „Dinslaken schaut hin“ - ob beim Nationalsozialismus, bei der Gefahr von Rechts oder durch die Dschihadisten. Dabei räumte Heidinger ein, dass man die Salafisten-Problematik vielleicht nicht früh genug klar benannt, sie zu lange als „Familienangelegenheit“ betrachtet habe. Doch damit sei Schluss, Sicherheitsbehörden und Stadt machten ihre Arbeit. Darüber hinaus sei Dinslaken nicht mehr Salafistenstadt als Aachen, Wolfsburg, Solingen oder Berlin. „99 Prozent der Menschen hier kommen friedlich miteinander aus“, so der Bürgermeister.

Zum interreligiösen Gebet, in dem die Botschaft der Veranstaltung noch einmal nahe gebracht wurde, zündeten die Menschen ihre mitgebrachten Kerzen an. Und viele ließen sie am Neutorplatz zurück, auf dass der Geist dieses Abends die Stadt noch lange erhelle.