Dinslaken: Wiener Walzer in der Kirche

Walzerseeligkeit mit dem „Sablier“ Streichquartett und einem Tanzpaar der Tanzschule Rautenberg.
Walzerseeligkeit mit dem „Sablier“ Streichquartett und einem Tanzpaar der Tanzschule Rautenberg.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das „Sablier“ Streichquartett der Folkwang Universität der Künste Essen eröffnete die diesjährige Reiheder Sonntagskonzerte des Fördervereins Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg.

Dinslaken..  Der Anblick eines sich im Walzertakt drehenden Tanzpaares zu Geigenklang im großen Raum ist etwas Festliches. Am Sonntag war just dieser Moment ein Höhepunkt des Konzertes des „Sablier“ Streichquartetts. Der Ort jedoch war eher ungewöhnlich: kein Ballsaal, sondern eine kath. Kirche. Der Walzer zweier Mitglieder der Tanzschule Rautenberg war das Bonbon des ersten Sonntagskonzerts in der Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg in diesem Jahr. Eine spätnachmittagliche Stunde, die viele Highlights zu bieten hatte, auch als das Paar bereits wieder aus dem Kirchenraum herausgetanzt war.

Schon zum Walzer, Johann Strauß’ „Wiener Blut“, gehört mehr als nur das Thema, zu dem getanzt wurde. Das „Sablier“ Quartett hat die Bearbeitung für die Besetzung Violinen, Viola und Cello eigens auf Wunsch des veranstaltenden Fördervereins Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg einstudiert. Nikolau Ratchev (2. Violine), Saskia Nigbur (Viola), Adria C. Rocabayera (Cello) und die für diesen Auftritt eingesprungene Katharina Klusmann (1. Violine) studieren gemeinsam an der Folkwang Universität der Künste Essen. Seit 2013 geben sie als „Sablier“ Quartett Konzerte. Jeder einzelne von ihnen hat internationale Konzerterfahrung von China bis zu den USA.

Und nun gehört das „Wiener Blut“ auch in ihr vielseitiges Repertoire. Mit Wiener Klassik begann die musikalische Reise am Sonntag. Auch wenn Wolfgang Amadeus Mozart sein Divertimento D-Dur, KV 136 (125 a) genau genommen in Mailand schrieb. 18 Jahre war er alt. Und jugendlich klingt auch das Streichquartett, wenn Katharina Klusmann die schnellen Läufe mit Elan nimmt und die anderen Musiker der Melodiestimme mit Esprit folgen. Alle vier verfügen über einen schönen, reichen Klang, der in der Akustik der Kirche noch an Fülle gewinnt. Was das Hören wirklich zum Genuss macht, ist der Ausdruck, den das Quartett noch selbst in die kleinsten Motive legt und ihre gemeinsame musikalische Sprache. Selbst kleinste Nuancen in der Phrasierung bleiben gleich, wenn Themen durch alle Stimmen wandern. Das Ergebnis ist eine hörbare Einheit zwischen den Stimmen, die Raum für stilistische Vielfalt der einzelnen Stücke lassen, die jedes für sich wie aus einem Guss klingen.

„Meisterhafter Applaus“

Und der Vielfalt gab es viel. Schon zwischen den italienisch geprägten Divertimento und dem Streichquartett Nr. 4 C-Dur gibt es hörbare Unterschiede. Letzteres schrieb Mozart in Anlehnung an Haydn, dem er freundschaftlich verbunden war und als Komponisten verehrte. Klare Formen im ersten Satz, eine zerbrechliche Melodiestimme über bewegtem Grund als sensibles Klangebilde in Moll in der Mitte und als lebhafter Schlusssatz ein Thema, das klingt, als drehe man es zunächst mit der Feder auf und ließe es dann munter loslaufen.

Bereits nach dem Divertimento brandete der Applaus des Publikums in der wieder einmal komplett gefüllten Herz-Jesu-Kirche auf.

Nach dem „Wiener Blut“ als Dreh- und Angelpunkt des Konzertes beherrschten leichte Tänze und romantische Melodien den zweiten Teil. Adria C. Rocabayeras Wurzeln liegen in Brasilien, ein temperamentvolles „Tico Tico“ liegt aber allen vier Musikern gleichermaßen. Ebenso wie romantische Klänge. Zu Ehren der vor 100 Jahren geborenen Edith Piaf stand „La vie en rose“ auf dem Programm, Edward Elgar grüßte ein paar Tage vor dem Valentinstag mit seinem wunderbaren „Salut d’amour“. Zum Abschluss bot das „Sablier“ Quartett dann noch einmal großes Kino: Der Tango aus dem „Duft der Frauen“ ließ das Publikum, wie es die Fördervereinsvorsitzende Käthi Klein sagte, den „meisterhaften Applaus“, folgen, der zu einem meisterhaften Konzert gehöre.

Carlo Steimel liest „Der Kleine Prinz“

Die Reihe der Kulturveranstaltungen des Fördervereins wird am Sonntag, 15. März, um 17 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche Oberlohberg, Kirchstraße 278, mit einer weiteren Ausgabe der musikalische Lesung „Die Bibel korrespondiert mit der Poesie“ fortgesetzt.

Der Rezitator Carlo Steimel liest aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Hans Drengemann gestaltet die Veranstaltung musikalisch auf der Oboe. Carlo Steimel ist den Besuchern der Reihe von seiner Otto-Pankok-Lesung 2014 bekannt.