Dinslaken: Wie Rotkohl ein Hellrosa macht

Andreas Maurer (l.) erklärte den Färbergarten.
Andreas Maurer (l.) erklärte den Färbergarten.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Bei Familie Perdighe in der Rheinaue ist der fünfte Färbergarten entstanden. Am Samstag lud sie zum Tag der offenen Tür ein.

Dinslaken..  Malerisch schmiegt sich der Rhein an blühende Wiesen, der strahlende Sonnenschein lädt zum Verweilen in den Eppinghovener Auen ein. Mitten in dieser Idylle liegt der Hof der Familie Perdighe, die am Samstag ihre Pforten zum Tag der offenen Tür öffnete. Bereits seit drei Jahren baut sie hier alte Gemüse- und Obstsorten an, vornehmlich für den Eigenbedarf, ohne Einsatz chemischer Mittel oder Maschinen. Neben der Kindertagesstätte Kunterbunt, dem Emscherhof, der Gartenschule und dem Museum Voswinkelshof ist an der Eppinghovener Rheinaue unter der Leitung von Landschaftsgärtner Andreas Maurer im Mai der nun fünfte „Färbergarten“ entstanden. Was es mit diesen Gärten auf sich hat, erklärt Sigrun Kampen, Leiterin der Kita Kunterbunt: „Die Färbergärten sind ein Projekt des Netzwerks ,Sevengardens’ im Essener Verein „atavus e.V.“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die uralte Technik des Herstellens von Farben aus Pflanzen wieder zu beleben, zu erhalten und so auch verschiedene Menschen und Kulturen zusammenzubringen. Dafür wurde das Netzwerk bereits zwei Mal durch die UNESCO ausgezeichnet“. Für Ben Perdighe ist das Engagement in Sachen Färbergarten eine konsequente Weiterführung vom reinen Ernährungsaspekt hin zur Nachhaltigkeit in anderen Bereichen: „Es ist zwar nicht das einfachste Thema, aber die Leute werden heutzutage immer bewusster, was den Umgang mit der Natur angeht“. Das Interesse an diesem Projekt aber sei in Dinslaken durchaus groß – so empfängt Sigrun Kampen regelmäßig Schüler aus Berufsschulen oder angehende Erzieherinnen, die gemeinsam mit den Kindern der Kita nicht nur mit den Naturfarben experimentieren, sondern auch botanisches Wissen über die Färberpflanzen erlangen können. Praxisseminare unter der Leitung von Andreas Maurer werden außerdem auf dem Emscherhof und nun auch auf dem Hof Perdighe angeboten.

Biologin Petra Sperlbaum führt derweil unter den Augen der Gäste vor, wie das Produzieren der pflanzlichen Farben funktioniert. Frischer Rotkohl, der ohne weiteres auch im Kochtopf hätte landen können, soll heute dazu dienen ein sattes Rot hervorzubringen. Zunächst wird der Kohl klein geschnitten, in eine Schüssel gegeben und mit einem Haselnuss-Hölzchen gemörsert. „Kräftig drücken und drehen“, erklärt Sperlbaum, die auch den pädagogischen Aspekt dieser Methode hervorhebt. „Kinder lernen so unter anderem, dass die für den Verzehr vielleicht nicht geeigneten Bestandteile eines Produkts auch anderweitig genutzt werden können“. Mittlerweile ist der Kohl klein genug gemörsert, wird in ein weißes Tuch aufgenommen und über der Schale ausgewrungen, etwas Wasser dazu und heraus kommt eine tiefrote Flüssigkeit, die nun noch beispielsweise mit Kartoffelstärke gebunden werden könnte. Doch auch mit diesem Rot lässt sich experimentieren: Gibt man einige Tropfen Zitronensaft hinzu, steigt der pH-Wert der Flüssigkeit an und sie färbt sich hellrosa. Natron hingegen sorgt für eine türkise Färbung.

Andreas Maurer beschreibt im Anschluss den „Patchwork-Charakter“ des Gartens an der Rheinaue. Neben den Färberpflanzen wie Rainfarn oder Mahonie gedeihen hier das Obst und Gemüse der Familie Perdighe sowie einige Gemüsefelder, die durch Freunde der Familie bewirtschaftet werden. Auch historische Getreidesorten, die bereits seit dem Mittelalter bekannt sind, sowie der Hopfen für das Spellener Brauprojekt 777, an dem Ben Perdighe beteiligt ist, sind hier zu finden. Ganzjährig bietet Andreas Maurer Seminare an, zum Anbau von Gemüse und Getreide, zur Schnitttechnik von Obstbäumen und natürlich zur Herstellung von Farbe. „Das passiert hier übrigens schon seit 1412, als die Grafen von Kleve Dinslaken zur Färberstadt machten“, weiß Maurer zu erzählen. Dank Sevengardens wird diese Tradition fortgeführt.