Dinslaken: Sanierung in Eigenarbeit

Geschäftsführer Christian Kühn erläutert die Sanierungsarbeiten.
Geschäftsführer Christian Kühn erläutert die Sanierungsarbeiten.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Die Eishalle wird während der Sommerferien renoviert - vor allem mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer. Zum Saisonstart sollen die Arbeiten beendet sein.

Dinslaken..  „Feierabend!“ ruft der junge Mann in Latzhose zur Begrüßung, packt sich sein Werkzeug und geht - arbeiten. Freiwillig. Die Eissporthalle wird während der Sommerferien saniert - vor allem mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer. Schüler, Eltern der ERVD Kobras, des ESVN Eiskunstlauf, das Jugend-Team, LJs und DJs der Eishalle, Auszubildende, ehemalige und aktuelle Angestellte, zum Teil im Urlaub und natürlich auch professionelle Handwerker – sie alle packen mit an, damit die Eishalle zum Saisonstart am 1. August startklar ist.

Kabinen, Duschen, Fliesen

Bieten Sie einmal einem Jugendlichen an, gegen Verpflegung in den Ferien zu arbeiten. Christian Kühn schafft das. Geld bekommen seine freiwilligen Helfer nicht - aber Getränke, ab und an wird gegrillt und sie dürfen in der Saison kostenlos Eislaufen. Das ist zwar mehr als nichts aber auch nicht die Welt und deswegen hat das Engagement - und sind es auch nur ab und an ein paar Stunden - wohl mit dem Zugehörigkeitsgefühl zu tun, mit der großen Eishallen-Familie.

Das Sommerprogramm

Leja Mikelsons (14) etwa ist Schülerin und könnte die Sommerferien auch im Strandbad verbringen. Statt dessen räumt sie in Jeans und Turnschuhen die Schlittschuhe aus dem Lager. Laub unter den Bäumen im Außenbereich hat sie mit ihrer Freundin auch schon gesammelt - weil es „Spaß macht“ und „nötig ist“, sagt sie und schiebt die nächste Fuhre Schlittschuhe auf einem Karren um die Ecke.

Die schwere Arbeit verrichten die Jungs und Männer: Die Kabinen werden saniert. Die Rohre unter den Decken waren abenteuerlich verlegt, erklärt Christian Kühn, Geschäftsführer und Mitinhaber der Eishalle, die Fliesen hatten es hinter sich und aus den Duschen „kam nur kaltes Wasser. Oder heißes.“ Die Mischanlage war kaputt. Und der Toilettenraum war ohnehin eine Fehlkonstruktion. Christian Kühn stellt sich an die Stelle, wo bis vor Kurzem noch ein Räumchen war. „Da passe ich mit Eishockeykluft nicht rein“ sagt er.

Die beengende Mauer wurde abgerissen, die Decke entfernt, der Boden wurde abgeklopft. Die Fliesen in den Umkleiden werden aufgeschnitten, die Rohre neu verlegt, anschließend alles neu gefliest. Die Kabine des Eishockey-Regionalliga-Teams ist nicht betroffen. Kühn klopft an die solide Wand: „Beton“, sagt er, den bekomme man nicht kaputt. Aber die Halle beherberge auch fünf Hobbymannschaften und Anjas Kids on Ice, die man nicht mit schäbigen Kabinen vergraulen möchte. Denn jedes Team bringt der Eissporthalle monatlich 600 bis 800 Euro ein.

Neue Fluchttüren

Im Außenbereich hat sich schon viel getan: Die der Luisenstraße zugewandte Hallenseite, die seit Jahren baufällig wirkte, wurde mit neuen Fluchttüren ausgestattet, das Gelände gesäubert. Wege im Außenbereich ermöglichen nun den Einsatz eines Steigers - der aktuell dazu verwandt wird, die alten Kabelstränge aus der Hallenverkleidung zu ziehen. Denn auch die Lichttechnik wird erneuert. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der alten Kabeln sollen die Hallenträger mit einer Spezialfarbe neu gestrichen werden. Auch die Scheiben müssen erneuert werden - „die funktionieren quasi als Wärmetauscher“, seufzt Kühn und zeigt auf die Scheiben, die bereits an der Wand stehen: „Sechs Millimeter, einfach verglast.“ Auch ein Teil der Gummiplatten am Boden wird ersetzt. Kosten pro Stück: 100 Euro. Kühn zählt die Löcher im Boden: „100, 200, 300 ... 1500“.

Im Schlittschuhverleih verschwand eine störende Wand, die abgehängte Decke, die immer wieder Probleme mit Feuchtigkeit machte, wurde entfernt. Nun ist Platz für mehr und höhere Ständer - und für die 1000 Paar Schlittschuhe, die die Eissporthalle Dinslaken von der Eissporthalle Oberhausen übernommen hat.

Im vergangenen Jahr hat die Stadt der Eishalle einen Zuschuss von 100 000 Euro gewährt - unter anderem für eine neue Pumpe für die Ammoniakanlage. Die zweite wird nun aufgemöbelt, liegt in Einzelzeilen im Maschinenraum. Für die aktuellen Sanierungsarbeiten haben die Eigentümer der Halle ein Darlehen 100 000 Euro aufgenommen. Ohne die vielen, ehrenamtlichen Helfer würde es viel teurer. Allein die Sanierung jeder Kabine würde etwa 30 000 Euro kosten, so Kühn. Jeder weitere Helfer ist ihm willkommen: Es gibt Getränke, gemeinsames Grillen, kostenloses Eislaufen - und ein gutes Team.