Dinslaken: Kunst, links und rechts vom Straßenrand

Noch ist „Kunst sta(d)tt Leerstand nur ein Schriftzug auf einem Plakat und auf den Katalogen, die ab sofort in der Innenstadt ausliegen. Aber in den freien Ladenlokalen wie dem auf der Rittergasse, sind die Künstler, die hier gemeinsam mit Ben Perdighe (vorne rechts)  fürs Foto posieren, schon aktiv.
Noch ist „Kunst sta(d)tt Leerstand nur ein Schriftzug auf einem Plakat und auf den Katalogen, die ab sofort in der Innenstadt ausliegen. Aber in den freien Ladenlokalen wie dem auf der Rittergasse, sind die Künstler, die hier gemeinsam mit Ben Perdighe (vorne rechts) fürs Foto posieren, schon aktiv.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
In dieser Woche nutzen zum zweiten Mal über 40 Künstler unvermietete Ladenlokale in der Dinslakener Innenstadt. „Kunst sta(d)tt Leerstand“ zeigt aktuelle Vielfalt - zum ersten Mal mit Kurzfilmpreis

Dinslaken..  Birte McNeely und Christof Bruß liegen am Rittertor im Liegestuhl und lassen die Sonne auf sich scheinen. Doch das Bild ist nicht das, was es scheint: Die diplomierte Modedesignerin und der Tätowierer und Street Artist geben sich keinesfalls dem Müßiggang hin. Im Gegenteil. Sie warten darauf, dass es losgeht. Am Tisch neben ihm regelt Ben Perdighe Papierkram mit anderen Künstlern, gleich wird er auch McNeely und Bruß die Schlüssel für ein leerstehendes Ladenlokal auf der Friedrich-Ebert-Straße aushändigen. Zum zweiten Mal nach 2014 hat er zusammen mit Wirtschaftsförderin Svenja Krämer „Kunst sta(d)t Leerraum“ ausgerufen. In sieben Ladenlokalen in der Innenstadt zeigen über 40 Künstlerinnen und Künstler, was die urbanen Richtungen der zeitgenössischen Kunst zu bieten haben. Die Bandbreite reicht von der Tape Art von Max Zorn, dessen internationale Kunstkarriere sich seit dem letzten Jahr weiter rasant nach oben entwickelt hat über die aus Papier gefalteten Pop-Art-Charaktere von Nick Knite bis zu Malerei und Videoinstallationen Dinslakener Künstler.

Apropos Video: Es gibt bei der zweiten Auflage von „Kunst sta(d)tt Leerraum“ Neuerungen und eine davon betrifft gleich den inoffiziellen Start am Donnerstag, 18. Juni um 18 Uhr. Am Abend, bevor die Ateliers in den Ladenlokalen Freitag offiziell mit einer Vernissage um 16 Uhr eröffnet werden, findet im zentralen Leerstand, dem ehemaligen Restaurant auf der Ritterstraße 3-5 die Vorführung der Wettbewerbsbeiträge um den ersten „Kunst sta(d)tt Leerraum“-Kurzfilm-Preis statt. Der mit 200 Euro datierte „Hercules“ wird zum ersten Mal vergeben, welcher Film gewinnt, entscheiden die anwesenden Zuschauer - die bei freiem Eintritt gebeten werden, sich ihren Stuhl, Kinosessel oder die Picknickdecke selbst mitzubringen: Die Räumlichkeit steht halt wirklich leer!

Kontakt zur Szene

Sieben Ladenlokale werden Freitag und Samstag zu Galerien, ohne die Hemmschwelle, die manche vor Kunstorten empfinden. „Wir wollen Kunst als Bestandteil des Alltags“, so Svenja Krämer. Das Konzept ging im letzten Jahr auf. Gerade Kinder und Jugendliche wären neugierig geworden.

Und mitten in der Stadt Gespräche mit den Menschen zu suchen, ist auch für die Künstler selbst attraktiv: Mein Tun hat mit soziokulturellen Dingen zu tun“, argumentiert zum Beispiel Walburga Schild-Griesbeck.

Für die Dinslakener ist Kunst sta(d)tt Leerstand vor allem aber auch eine Gelegenheit, „contemporary art links und rechts vom Wegesrand zu erleben“, wie es Ben Perdighe formuliert. Der Dinslakener hat die Kontakte zur Szene, man kennt sich und kommt deshalb gerne nach Dinslaken. Wie Max Zorn, der dafür auf seine Präsenz bei der Art Basel verzichtet.

Oder Christoph Bruß. Der pflegt nicht nur die Tattoo-Art, „die Kunst des Kleinen Mannes“, wie er sie nennt. Er transportiert in seinen kubistischen Bilderfolgen gesellschaftliche Themen durch „Informationsklömpjes“. Wer sich darunter nichts vorstellen kann? Hingehen und anschauen: Spätestens ab Freitag, 19. Juni, um 16 Uhr auf der Friedrich-Ebert-Str. 54.