Dinslaken: Klein, aber uhu!

Foto: ThyssenKrupp Steel Europe Fotografie
Was wir bereits wissen
Ein Uhu-Pärchen nahm die auf der Deponie Wehofen-Nord installierte Nisthilfe dankend an und schwupps war der Nachwuchs da. Der darf nun in aller Ruhe flügge werden.

Dinslaken..  Unfassbar knuffig sieht der Uhu-Nachwuchs aus, der zur Zeit auf der Wehofener Deponie erste Ausflüge in die neue Welt unternimmt. Die größte europäische Eule steht unter strengem Artenschutz, der Bestand ist klein. Thyssen Krupp Steel hatte als Betreiber der Halde extra eine Nisthilfe in 15 Metern Höhe angebracht, nachdem Naturschützer im Frühjahr Gekrölle gefunden hatten, die belegten, dass Uhus die Halde auf jeden Fall anfliegen, um Nahrung zu suchen. Ein Uhu-Pärchen nahm die Nisthilfe dankend an und schwupps war der Nachwuchs da. Der darf nun in aller Ruhe flügge werden.

Ein Kilo, 25 Zentimeter

Ein rundliches, beige-graues Wollknäuel mit gelben Augen, aus dem ein spitzer Schnabel und scharfe Krallen herausschauen: So sieht der Nachwuchs bei Familie Bubo-bubo aus, der lateinische Name des Uhus. Auch wenn die Kleinen erst ein paar Wochen alt sind, wiegen sie schon über ein Kilogramm und sind etwa 25 Zentimeter groß. Drei Junge, der unter Naturschutz stehenden Vogelart, sind im Mai geschlüpft und werden von der Mutter aufgezogen. Der Anblick einer Uhu-Familie hat nach wie vor Seltenheitswert, da der natürliche Lebensraum des Nachtjägers immer begrenzter wird. Nach Schätzungen gibt es derzeit nur rund 2000 Brutpaare in Deutschland. Zur Ansiedlung und zum Erhalt dieser größten europäischen Eule hat Thyssen Krupp Steel Europe auf dem Gelände der Deponie Wehofen-Nord in Dinslaken eigens einen Nistkasten in 15 Metern Höhe aufgestellt.

Eine geschützte Umgebung und ein idealer Platz um Junge auszubrüten und großzuziehen, befand ein Uhu-Paar, machte sich hier im Frühjahr heimisch und sorgte für Nachkommen. Für die drei geschlüpften Männchen stand jetzt ein wichtiger Termin an: Sie wurden von einem Uhu-Fachmann aus den Niederlanden beringt. Nun sind die jungen Vögel flügge und verlassen ihr Nest.

Raum für Tiere und Pflanzen

Deponiefläche und grüne Natur sind heutzutage keine Gegensätze mehr. Viele Deponien und Halden sind mittlerweile renaturierte, ökologisch kontrollierte Gebiete, die oft der Naherholung dienen.

Vergleichbares gilt auch für die nicht mehr im Betrieb befindlichen Flächen der Deponie Wehofen-Nord am Rande Dinslakens. Dort ist in den vergangenen Jahren Raum für wild lebende Tier- und Pflanzenarten geschaffen worden. 2011 wurde der Münsteraner Biologe Ingo Bünning von Thyssen Krupp Steel Europe mit der ökologischen Baubegleitung der Halde Wehofen-West und der Werksdeponie Wehofen-Nord beauftragt, der seitdem auch die Renaturierung der stillgelegten Flächen beaufsichtigt und dokumentiert.

„Viele geschützte Arten siedeln sich gerne auf solchen Deponien und Halden an. Über die Jahre entstehen so komplett neue Lebensräume“, erläutert Bünning. „Wir haben hier auf der Werksdeponie vor Ort im Frühjahr Kotspuren und Gewölle von Uhus identifiziert. Uns war klar, dass die Vögel Nahrungsgäste auf der Deponie sind. Wir haben uns dann entschieden, etwas zu tun und den Uhus mit Hilfe von Thyssen Krupp Steel Europe und der fachlichen Unterstützung von Walter Hingmann, einem Uhu-Experten am Niederrhein, eine Nisthilfe gebaut“, erklärt der Biologe.

Es sind Jungs

Und tatsächlich hat ein Uhu-Paar den geschützten, in luftiger Höhe installierten Platz bald in Beschlag genommen, um Nachwuchs zur Welt zu bringen. Regelmäßig wurde der Nistplatz kontrolliert und im Mai war es soweit: Drei kleine Uhus waren geschlüpft. „In dieser Phase ist Ruhe besonders wichtig“, erklärt Bünning. „Gibt es zum Beispiel während der Brutphase Störungen, kehren die Vögel oft nicht mehr zum Nest zurück.“ Auf der Werksdeponie Wehofen-Nord fanden die Uhu-Eltern Ruhe und Abgeschiedenheit und vor allem ausreichend Nahrung, um ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Streng geschützt

Wenn Gejo Wassink von der „OehoeWerkgroep Nederland” kommt, herrscht bei Uhu-Familien immer ein wenig Aufregung. Denn der Niederländer ist einer der ganz wenigen Experten, die das Beringen der Vögel vornehmen dürfen. Und diese Aufgabe ist wichtig: „Ich erforsche Uhu-Populationen in den Niederlanden und im Westen Deutschlands“, erzählt Wassink. „Das Beringen gibt uns zum Beispiel Aufschluss über das Migrationsverhalten. Das sind für den Artenschutz wichtige Informationen.“ Denn Uhus sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz weiterhin eine streng geschützte Art.