Dinslaken: „Ich will Team und Schule nie verlassen“

Björn Orlovius im Fachgespräch mit (li.) Carmen Richter, OGS Fachkraft, und Angelika Oppert-Balding (re.).
Björn Orlovius im Fachgespräch mit (li.) Carmen Richter, OGS Fachkraft, und Angelika Oppert-Balding (re.).
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Björn Orlovius arbeitet in der Küche der Gartenschule und fühlt sich dort so richtig wohl. Über einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz nimmt der junge Mann am allgemeinen Arbeitsleben teil.

Dinslaken..  Sein Praktikum wie auch die vertiefenden Praktika an der Gartenschule hat Björn Orlovius mit Bravour absolviert. Nach den Schulferien geht es für ihn, zwar am anderen Standort, aber dennoch in der Gartenschule weiter. Der junge Mann kann es schon kaum erwarten, er freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Team aber auch mit den Kindern. Doch vorerst heißt es für Björn, wie für alle anderen, die sich verpflegungsmäßig um die Kinder der Offenen Ganztagsschule kümmern, Küchenmaterialien zu beschriften und einzupacken, damit alles in der ehemaligen Jeannette-Wolff-Realschule ankommt.

Einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz hat der junge Mann aus den Albert-Schweitzer-Einrichtungen inne, erst einmal für ein Jahr, aber er hofft, „das Team und die Schule nie verlassen zu müssen“. Bei dieser Beschäftigungsform handelt es sich um begleitende Arbeit von Werkstattbeschäftigten in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Dies bedeutet, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie Björn, bleiben Beschäftigte der Werkstatt für behinderte Menschen. Die Werkstatt übernimmt die fachliche Begleitung der Menschen mit Handicap im Betrieb. Die Kooperation zwischen Arbeitgeber, in diesem Fall der Internationale Bund (IB), und der Werkstatt wird vertraglich geregelt.

„Für Menschen mit Behinderung bietet diese Beschäftigungsform die Möglichkeit, bei einem potenziellen künftigen Arbeitgeber die berufspraktischen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen zu erwerben, die erforderlich sind, um vielleicht einmal einen Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt annehmen zu können“, erklärt Marc Zeisel, Job-Coach der Einrichtung, das Ziel. „Wir hoffen, dass mehrere Arbeitgeber hellhörig werden und am Projekt Betriebs-Integrierter-Arbeitsplatz teilnehmen und behinderten Menschen eine Chance geben.“

Dafür müssen Arbeitgeber und Team jedoch aufgeschlossen sein, so wie an der Gartenschule. Dort stehen sowohl die Schule als auch die Eltern und der IB hinter dem Projekt. Und vor allem die Kinder. „Ich bin hier sehr herzlich aufgenommen worden, beim Team des Offenen Ganztags aber auch durch die Kinder“, erzählt Björn Orlovius. Vor allem für die Obstverteilung sei er zuständig, doch nicht nur, alles rund um Essensvorbereitung und Ausgabe sowie die Nachbereitung gehören zu seinen Aufgaben. Das kann manchmal ganz schön stressig sein, gibt Udo Nowakowski, Betriebsleiter beim IB zu. Doch Björn hat seine ureigene Stressbewältigungsmethode entwickelt. „Wenn ich merke, dass ich zu schnell werde, mich nervös machen lasse, dann ziehe ich mich für fünf Minuten nach draußen zurück. Das entspannt. Die Kollegen akzeptieren das.“

Rund 150 Kinder von 250 Schülern betreue das Team, so Angelika Oppert-Balding vom Offenen Ganztag. Essenszeit ist von 12 bis 14 Uhr, gestaffelt in drei Durchgängen. „Manchmal muss ich die Kinder ganz schön antreiben“, erzählt Björn und strahlt. Zusammen mit Carmen Richter und Angelika Oppert-Balding hat er sich bereits seinen neuen Wirkungskreis in der Realschule angeschaut. „Die Küche ist besser und größer, sie gefällt mir“, berichtet der junge Mann lächelnd, „da fällt die Arbeit viel leichter. Vor allem haben wir eine ganz große moderne Spülmaschine dort.“ Na, wenn das kein Pluspunkt ist.

Viel Spaß habe er nicht nur an seiner Arbeit, auch bei den Teambesprechungen, bei denen er regelmäßig anwesend ist, ginge es oft sehr lustig zu. „Björn ist voll integriert“, sagt Angelika Oppert-Balding. Und verrät: „In einem berufsbegleitenden Kurs lernt er übrigens Französisch für Anfänger. Und wenn’s nach Agen geht, wird er als Dolmetscher dabei sein.“

Betriebsintegrierte Arbeitsplätze

Bei einem betriebsintegrierten Arbeitsplatz handelt es sich um begleitende Arbeit von Werkstattbeschäftigten in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Die Mitarbeiter bleiben Beschäftigte der Werkstatt für behinderte Menschen.

Betriebsintegrierte Arbeitsplätze sind sowohl unbefristet wie auch befristet möglich.