Dinslaken hat den Soul
12.02.2012 | 16:55 Uhr 2012-02-12T16:55:00+0100
Dinslaken.„Jazz oder nie“: Die Swinging Monday Big Band sorgte im Dachstudio für einen rundum gelungenen Konzertabend.
s ist eng im abgedunkelten Dachstudio, kein Platz an den Tischen mehr frei. Und auch auf der Bühne wird es eng. Viele Musiker, dazwischen tanzen auf messingfarbenen Blech reflektierende Lichter von den Teelichtern im Saal und der spärlichen samstagabendlichen Beleuchtung der Dinslakener Innenstadt draußen. Dann sprühen Funken. Die Swinging Monday Big Band beginnt ihr Konzert mit einem Feuerwerk. Musikalisch wie tatsächlich pyrotechnisch.
Die nächsten zweieinhalb Stunden lang werden die Menschen im Saal Feuer und Flamme für Soul, Jazz und Blues sein. Und fette Bläsersounds, heiße Rhythmen und leidenschaftliche Stimmen so manches Lächeln in den Gesichtern der Zuschauer strahlen lassen. „Jazz oder nie“ lautete der Titel des Konzertes der Dinslakener Amateur Big Band. Dass im Wort „Amateur“ die Liebe zur Sache steckt, bewiesen die 22 Mitwirkenden mit jedem Takt.
Count Basie, James Brown und wieder Count Basie. Als er 1959 zum ersten Mal den Atompilz auf dem Schallplattencover von „Atomic Basie“ gesehen habe, sei angesichts der empfundenen Geschmacklosigkeit in den Plattenladen gestürmt, erinnerte sich Harro Düx (Posaune). Dann aber habe der Plattenhändler die Vinylscheibe aufgelegt und Basie schlug ein wie die sprichwörtliche Bombe.
Erfahrungen, die typisch für diese Musik sind, die sie bis heute lebendig halten. Manni Schmitt, von Big Band Leader Marc M. Anlauf einmal mehr zu Recht als Dinslakens Soullegende angekündigt, geht nichts über James Brown: Ein Bekenntnis, das Castillo und Kupka in fette Bläsersätze komponierten. Dazu „Take 5“ und „Mas que nada“ - letzteres im perfekten Spanisch angesagt von Sebastian Vogel (Posaune). „I feel good“- der Titel ist Programm.
„Es gelang uns, wieder eine Familie zu werden“, beschrieb Sebastian Vogel den Prozess der Um- und Neugestaltung der Big Band unter Marc. Anlauf. Eine Familie zwischen 17 und 71 Jahren, die sich sowohl im Zusammenspiel wie bei den vielen einzelnen Soli hören lassen kann. Und doch waren es gerade die Stücke mit Gesang, die das Konzert der Big Band und dem daraus hervorgegangenen Jazztett prägten. Manni Schmitt ist einfach eine musikalische Urgewalt, schon ein kurzes, geknurrtes „yeah“ in der Anmoderation drückt mehr aus, als manch andere Sänger in ganze Programme legen können.
Unterstützung bekam er dieses Mal von Lena Broscho und Lara Lorenz, die nicht nur prima Background für Manni Schmitts Reibeisenstimme sangen, sondern sich auch in baladesken Sololiedern hervortaten.
Die Überraschung des Abends jedoch war Charaf El Mansouri, charmant, humorvoll und mit einer Bassstimme gesegnet, die „Satcho“ bei „What a wonderful world“ alle Ehre machte. Manni Schmitt sang bei diesem Stück übrigens die zweite Stimme, relativ hell, sehr klar, als eine Ergänzung, die Platz für Charaf El Mansouris mit spontanem Applaus gefeierte Performance gab. Das Publikum wurde später noch selber gefordert: Marc M. Anlauf ließ es den kniffeligen Rhythmus vom „Girl from Ipanema“ klatschen.
Es grooved, es swingt, es jazzt und es rockt. Mit „Fly me to the moon“ endet das offizielle Programm. Dann steht Manni Schmitt einmal mehr am Mikro. „Der Niederrheiner kommt schwer aus dem Quark, aber ich werde beweisen, dass Dinslaken den Soul hat“, heizte er noch vor der Pause die Stimmung an.
Nun beweist er, dass „Seelenmusik“ auch bedeuten kann, die Herzen von Fußballfans zu rühren. Mit einer perfekten stimmlichen Leistung, voller Intensität und packend begleitet von der kleinen Besetzung der Swinging Monday Big Band sorgte er mit „You never walk alone“ für Gänsehaut-Feeling am Ende eines rundum gelungenen Konzertes.
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