Dinslaken: „Eine sensationelle Beteiligung“

In der Kathrin-Türks-Halle versammelten sich fast 700 Beschäftigte zur Warnstreik-Kundgebung.
In der Kathrin-Türks-Halle versammelten sich fast 700 Beschäftigte zur Warnstreik-Kundgebung.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
IG Metall rief zu Warnstreiks auf. Fast 700 Beschäftigte hiesiger Metall- und Elektro-betriebe machten in Dinslaken ihrem Unmut über „unzureichendes Angebot“ Luft.

Dinslaken..  „Wir für mehr!“, „Fünf vor zwölf für Weiterbildung“, „Für eine bessere Altersteilzeit“, so steht es auf den Transparenten, Bannern und Fähnchen, die fast 700 Beschäftigte aus hiesigen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie vor und in der Kathrin-Türks-Halle in die Höhe recken. Der Tarifkonflikt in NRW spitzt sich zu, für gestern hatte die IG Metall Duisburg-Dinslaken zu Warnstreiks aufgerufen. Mit Bussen reisten die Beschäftigen aus Duisburg, Alpen, Rheinberg und Moers an und beteiligten sich – viele in orangfarbenen Warnstreik-Westen – an den Demonstrationszügen durch Dinslakens Straßen in Richtung Stadthalle.

Gestärkt mit Getränken und warmer Suppe eröffnete 2. Bevollmächtigter Thomas Kennel dort am Mittag die Kundgebung mit „unserer Warnstreik-Band Mavericks“, die den Streikenden mit Coversongs einheizte. „Eine sensationelle Beteiligung“, lobte Kennel und begrüßte die Vertreter der Betriebe, Delegationen und Seniorenarbeitskreise, unter anderem aus Dinslaken von Benteler, Pintsch Bamag, Steinhoff und Signode.

DGB-Regionsgeschäftsführerin Angelika Wagner überbrachte solidarische Grüße: „Ich spreche für 130 000 Gewerkschafter. Ihr seid die Speerspitze in dieser Tarifauseinandersetzung.“ Ob Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 5,5 Prozent, ein verbesserter Tarifvertrag zur Altersteilzeit und eine vernünftig geregelte Bildungsteilzeit im Tarifvertrag zur Qualifizierung für die Beschäftigten der Branche: „Es sind gerechte Forderungen für gute Arbeit. Das steht euch zu“, so Wagner unter Applaus und Trillerpfeifen.

Sezgin Oezen, Betriebsratsvorsitzender bei Benteler, forderte vom Arbeitgeberverband der IG Metall „Verbesserungen und klare Orientierung bei den Tarifverträgen“. „Hier werden junge Leute auf der Strecke bleiben, während andere da oben sich die Tasche vollstecken.“ 1. Bevollmächtigter Dieter Lieske sprach mit Blick in die volle Halle von einem „guten Bild, das ihr abgebt. Die Arbeitgeber sollen spüren, hier sind Beschäftigte richtig wütend. Das Angebot ist eine Frechheit und Provokation.“

Die Mitglieder in den Betrieben seien gefragt worden, was ihnen am Herzen liege. Aus diesen Ergebnissen seien die Forderungen entstanden. „Sie sind maßvoll und gerecht“, betonten Lieske und Kennel unisono und kündigten eine zweite Warnstreik-Welle an: „Gemeinsam schaffen wir ein gutes Ergebnis. Lasst uns auch in den nächsten Wochen soviel Wirbel machen, dass die Arbeitgeber sich bewegen müssen.“ Sollte am Freitag kein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch kommen, „wird es einen langen Arbeitskampf geben. Wir sind gut darauf vorbereitet.“

In der dritten Verhandlungsrunde, deren erster Termin am Freitag, 6. Februar, für das Tarifgebiet NRW in Mülheim stattfindet, erwarten auch die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie im Bereich der Verwaltungsstelle Duisburg-Dinslaken „ein ernsthaftes, deutlich verbessertes Angebot“, so 1. Bevollmächtigter Dieter Lieske.