Dinslaken: Die letzte Feier im Gambrinus

Foto: Lars Fröhlich
Was wir bereits wissen
Der Silvester-Abend ist ein Anlass, zu dem man auf das vergangene Jahr zurückblickt und gleichzeitig in das kommende schaut. Für Gastwirt Josef „Jupp“ Latz und seine Lebensgefährtin Cilli Römer markiert der Jahreswechsel auch das Ende einer Ära.

Dinslaken..  Der Silvester-Abend ist ein Anlass, zu dem man auf das vergangene Jahr zurückblickt und gleichzeitig in das kommende schaut. Für Gastwirt Josef „Jupp“ Latz und seine Lebensgefährtin Cilli Römer markiert der Jahreswechsel auch das Ende einer Ära: Die beiden schließen die Traditionsgaststätte „Gambrinus“ an der Hünxer Straße. Die Silvesterparty, der traditionelle Jahresabschluss in der Gaststätte, ist die letzte Feierlichkeit, die beide mitmachen.

Freigetränke ab Mitternacht

„Das ist keine Abschiedsfeier, sondern eine ganz normale Silvesterparty“, sagt Cilli Römer, während ihr Lebensgefährte hinter der Theke ein letztes Mal damit beschäftigt ist, seine Kundschaft mit Getränken zu versorgen. „Die Stammkunden und das Personal waren schon am Montag hier, um sich zu verabschieden“, erzählt die Lebensgefährtin von Wirt „Jupp“. An diesem Tag gingen die Getränke aufs Haus und auch zur Silvesterparty sollen die Besucher ab Mitternacht – als kleine Überraschung – nichts mehr für ihre Getränke zahlen müssen. „Die Fässer und Flaschen müssen schließlich leer gemacht werden“, sagt Cilli Römer. Pragmatismus statt Trauer, auch wenn sich die Wirtin sicher ist, dass im Laufe des Abends noch einige Tränen fließen werden. „Das alles aufzugeben fällt uns nicht leicht“, sagt sie. „Wir haben die Menschen hier liebgewonnen. Es war immer wie eine große Familie.“

Feierlaune trotz Abschied

Teile dieser Familie, der Stammgäste, die teils seit Jahrzehnten in die Gaststätte kommen, sind auch zur Silvesterparty ins Gambrinus gekommen. „Es ist ein komisches Gefühl, heute hier zu sein, und zu wissen, dass es das letzte Mal sein wird“, sagt Reiner Schweinsberg. Seit mehr als 15 Jahren ist er regelmäßig bei Josef „Jupp“ Latz und Cilli Römer eingekehrt. Besonders der Schnitzelabend, der jeden Mittwoch lockte, wird ihm fehlen. „Ich weiß gar nicht, was ich jetzt Mittwochs essen soll“, sagt er, allerdings mit einem Lächeln auf den Lippen. Ob es für ihn eine Alternative zum „Gambrinus“ gibt? „Wir werden jetzt wohl in die Innenstadt gehen müssen. Dort gibt es mit Maaß ja noch eine Traditionsgaststätte“, sagt Reiner Schweinsberg.

Am Nachbartisch im voll besetzten großen Saal der Gaststätte sitzen mit Gaby Rau und Peter Karniewski zwei weitere Stammgäste. Mit ihren jeweiligen Ehepartnern kommen die beiden ebenfalls schon seit Jahren immer wieder „bei Latz“ vorbei. „Es ist sehr Schade, dass Jupp und Cilli aufhören. Das hier war immer eine sehr gute Anlaufstelle“, sagt Gaby Rau. „Das hier ist eine richtig urige, gemütliche Gaststätte. Wo findet man so etwas heutzutage noch?“, pflichtet ihr Peter Karniewski bei. Eine Alternative zu ihrer Stammkneipe zu finden – für beide kaum vorstellbar.

Zum Jahresende soll bei der Silvesterparty dann aber doch eher die Feierlaune überwiegen und nicht der Abschiedsschmerz. Und dazu gibt es in der Gaststätte die richtige Atmosphäre. DJ Werner sorgt für Musik und eine Batterie von Lichteffekten zaubert eine leichte Discostimmung in die Traditionskneipe. Die Tische sind mit Gästen besetzt, die miteinander reden und Scherzen. Auf sie wartet im Nebenraum bereits ein Buffet, um am Jahresabschluss noch einmal richtig zu schlemmen. Es sieht so aus, als würde der letzte Abend des Jahres ein freudiger werden, auch wenn es gleichzeitig ein Abschied von der Gaststätte wird. Das sehen auch die Stammgäste so.

Dankbarkeit zum Schluss

„Wir sind heute sicher etwas trauriger als sonst zu den Silvesterfeiern hier“, sagt Peter Karniewski. „Aber wir werden trotzdem feiern. Wenn wir am Ende allerdings gehen und uns mit einer Umarmung von Jupp verabschieden, werden noch Tränen fließen“, prophezeit er. Und wenn Josef „Jupp“ Latz und seine Lebensgefährtin Cilli Römer zum letzten Mal die Türe ihrer Gaststätte abschließen, wird zumindest aus den letzten Wochen auch das Gefühl der Dankbarkeit bleiben. „Wir möchten uns bei allen für die Geschenke und Aufmerksamkeit bedanken“, sagt Cilli Römer vor dem Abschied in den Ruhestand.