Dinslaken: Der Knappenverein hat den Bergbau überlebt

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Gegründet wurde er V1890 auf der Schachtanlage in Hamborn und hatte bald mehr als tausend Mitglieder, sodass er sich in Ortgruppen aufteilte. In Lohberg feierten die Knappen bereits 1892 das erste Bergmannsfest.

Dinslaken..  Er hat die Zeche nicht nur überlebt, er ist auch um einiges älter als sie: Am Samstag feierte der Knappenverein Glückauf Dinslaken-Lohberg sein 125-jähriges Bestehen im Ledigenheim. Gegründet wurde der Verein 1890 auf der Schachtanlage in Hamborn und hatte bald mehr als tausend Mitglieder, sodass er sich in Ortgruppen aufteilte. In Lohberg feierten die Knappen bereits 1892 das erste Bergmannsfest, obwohl hier erst 1913 die erste Kohle gefördert wurde.

Die Zeche ist schon wieder Geschichte, der Knappenverein lebt immer noch – und er ist ein Verein der Rekorde: Er gehört zu den ältesten und größten Knappenvereinen in Deutschland und hat immer noch stabile Mitgliederzahlen. Bürgermeister Michael Heidinger verwies auch auf den höchsten Frauenanteil (164 Frauen, 240 Männer). In seiner Festrede erinnerte der Bürgermeister an die Anfänge. Die Zeit um 1890 sei eine schwierige Zeit für die Beschäftigten gewesen, der Knappenverein sei eine Art Selbsthilfegruppe gewesen, kümmerte sich etwa bei Krankheiten um die Kumpel. Die Aufgaben hätten sich mit der Zeit jedoch gewandelt: Neben der Pflege der Bergmannstradition gehört die Geselligkeit dazu. Die äußert sich in den zahlreichen Aktivitäten des Knappenvereins, die von Bingonachmittagen bis hin zu Ausflügen und Vereinsfahrten reichen.

Eine Art Heimatverein

„Der Bergbau ist seit zehn Jahren tot, doch der Verein lebt“, sagte Bürgermeister Heidinger und appellierte daran, den Blick nicht nur rückwärts zu richten, sondern auch in die Zukunft. Die Stadt habe dem Bergbau viel zu verdanken, daher müsse die Erinnerung lebendig bleiben. Einmal im Jahr soll ein großes bergmännisches Fest in Lohberg gefeiert werden. Auch für die Zukunftsentwicklung des Zechengeländes sei der Knappenverein ein wichtiger Partner, betonte Heidinger.

Mitglieder des Vereins bieten beispielsweise Führungen im Bergpark, so der erste Vorsitzende Hermann Dolar. Für die Zukunft, regte Michael Heidinger an, müsse der Knappenverein eine Art Heimatverein werden.

Ein Zuhause für Vereine

Auf dem Weg dahin ist der Knappenverein bereits, wie die Glückwünsche von Parteien und anderen Vereinen – etwa der SPD, der IGBCE Ortsgruppe Lohberg-Feldmark und der Kyffhäuser – zeigten: Sie alle lobten die gute Gemeinschaft und freuten sich, in den Räumlichkeiten des Knappenvereins ein Zuhause für ihre Vereine gefunden zu haben.

Zu einem bergmännischen Jubiläum gehörte aber auch bergmännische Musik: Der MGV Concordia brachte den Jubilaren ein Ständchen und beim bekannten „Steigerlied“, das alle im Saal mitsangen, wehte wieder ein Hauch von Bergmannstradition durch das Lohberger Ledigenheim.

Die Urzelle aller Knappenvereine aus der Region war wohl der „Bergmännische Knappen-Verein Glückauf“ in Hamborn. „1881 wurde der Verein vom Kameraden Nettkamp und einigen Gleichgesinnten vom Schacht Eins Gewerkschaft Deutscher Kaiser ins Leben gerufen“, erzählt Hermann Dolar, Vorsitzender des Knappenvereins Dinslaken-Lohberg. „Der Verein wurde recht schnell so stark, dass Ortsgruppen gebildet werden mussten.“ So entstand auch die Dinslakener Gruppe im Jahr 1890.

Wie wichtig die Knappenbewegung zu jener Zeit war, ist daraus abzusehen, dass selbst August Thyssen sich als Nummer zwei in das Mitgliedsregister eintragen ließ. Neben dem Bergwerksdirektor Kalthoff und Direktor Mommertz galt er zeit seines Lebens als besonderer Förderer des Vereins, heißt es in der Chronik der Dinslakener. Vor allem um soziale Belange hatte sich die Knappenbewegung damals zu kümmern. Krankenkassen gab es zu jener Zeit noch nicht, berichtet Dolar. „Also wurden aus den Kassen der Knappenvereine Krankenbeihilfen und Sterbegelder bezahlt. Das änderte sich erst nach Einführung der Kasse Wohltat“, so Dolar.

Außer der wachsenden Mitgliederzahl war ein weiterer Grund für die Gründung der eigenen Ortsgruppe auch der weite Weg bis nach Hamborn. Wer an einer Sitzung teilnehmen wollte, musste so 20 bis 30 Kilometer laufen und das nach einem 12-Stunden-Tag. Und so gab es denn ab 1890 einen eigener Knappenverein vor Ort – ohne entsprechendes Bergwerk, das wurde erst ein paar Jahre später erbaut. 1894 organisierten die Dinslakener ihr erstes großes Bergfest unter regem Anteil der Bevölkerung und des Weseler Infanterieregiments, das seine Musikkapelle zur Verfügung stellte.

Der Erste Weltkrieg führte zum ersten großen Einschnitt im Vereinsleben und auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte die Vereinsarbeit fast zum Erliegen. Erst zu Beginn der 1950er Jahre ging es wieder richtig los mit dem Knappenverein. Und die Bergleute, vom Bergwerksdirektor bis zum Hauer, waren mit Feuereifer dabei, nachdem am 27. Juli 1952 elf wackere Lohberger Bergleute dem Verein neues Leben einhauchten. Und schon bald zählte der Knappenverein rund 700 Mitglieder (50er und 60er Jahre). Selbst einen Spielmannszug konnten die Knappen ihr Eigen nennen. Am 14. März 1968 probten sie zum ersten Mal, am 1. März 1996 stellten sie nach fast 30-jähriger Spielzeit ihr Engagement ein.