Dinslaken: Das befreiende Lachen

Humor als Lebenshilfe: Willibert Pauels erzählt Witze – und regt zum Nachdenken an.
Humor als Lebenshilfe: Willibert Pauels erzählt Witze – und regt zum Nachdenken an.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der ökumenische Arbeitskreis lud zum Kirchenkabarett mit Willibert Pauels in das evangelische Gemeindehaus ein.

Dinslaken..  Für einen Moment öffnet sich die Tür zum Nebenraum im Ev. Gemeindehaus, Duisburger Straße. Dahinter ein Mann mit Pappnase und Melone. Ein kurzer Blick in ein lachendes Gesicht, die Tür schließt sich wieder. Bis der Mann sie selbst einen Spalt öffnet, mit lautem Kichern in den gefüllten Saal schaut. Willibert Pauels ist zurück. In wenigen Minuten wird er mit seinem Publikum den eigenen Einmarsch mit „Heidewitzka, Herr Kapitän“ proben und den Zuschauern anschließend veranschaulichen, was er mit einem „befreienden Lachen“ meint.

Willibert Pauels strahlt Freude aus. Auf und hinter der Bühne. Ein schöner Anblick. Denn das war nicht immer so. Bei seinem Auftritt an gleichem Ort vor drei Jahren, ebenfalls auf Einladung des ökumenischen Arbeitskreises Dinslaken-Stadtmitte, spürte man schon etwas die Traurigkeit unter der Clownsmaske.

Willibert Pauels’ Erkrankung an Depressionen ist auch am Dienstag Thema. Pauels geht offen mit der Stoffwechselkrankheit um, die er durch Medikamente und Therapie in den Griff bekommen hat. Aber der Mensch ist nicht nur Biochemie, „Ein Klavier ist nur das Instrument und nicht die Musik“, zitiert er Leibniz. Die Psyche, die Seele, bedarf des richtigen Blicks auf die Dinge, den Perspektivwechsel, die Pointe. Und damit ist Pauels zurück bei seinem großen Talent: Menschen ein befreiendes Lachen zu schenken.

Gott und die Welt

Alte Witze, neue Witze. Witze über das Leben und den Tod, über Gott und die Welt, aber niemals die Witze auf Kosten des Einzelnen, die Witze, die lächerlich machen und verletzen. Pauels erzählt sie, das brachte ihm in den stressigsten Zeiten seiner Karriere 300 Auftritte in der Karnevalssession ein. Davon hat er inzwischen Abstand genommen. Und erzählt die schönsten Dönekes dort, wo er sie in seine Botschaft einbinden kann. „Die schönsten Witze schreibt das Leben“, bekennt er ohnehin und belegt dies mit Anekdoten aus seiner eigenen Kabarettistenkarriere.

Die führt ihn durch die Lande - und bestätigt ihm, dass zwar alle Menschen gleich seien, nicht aber ihre Mentalitäten: „Lieber zehn Minuten g’schämt, als ein teures Geschenk g’macht“, bestätigte ihm ein Schwabe die sprichwörtliche Sparsamkeit. Lachen über sich selbst, das sei das hohe Gut, das dem Fundamentalisten fehlt. Und weil Kardinal Meisner eben kein Fundamentalist im Amt gewesen sei, habe er ihn auch 17 Jahre lang Witze erzählen lassen, die manch einen selbst ernannten Hüter von Sitte und Religion auf den Plan gerufen habe, so Pauels. Der „bergische Jong“ liebt es, gerade diese Pointen zu wiederholen. Und der Gemeindesaal hallt vom Gelächter der Dinslakener wider.

„Wer lacht, steht über den Dingen.“ Das Befreiende des Humors fürchten die Diktatoren. „Die österliche Perspektive“, die dem Menschen in seiner Natur liegende Sehnsucht nach dem Göttlichen und dem ewigen Leben, sei aber mindestens so befreiend wie ein gutes Lachen. Willibert Pauels ist Kabarettist und Diakon. Und so erlebten die Zuschauer im Gemeindesaal ein in jeglicher Hinsicht beseeltes Kirchenkabarett.