Die Wirtin geht, die Kneipe bleibt

Dinslaken..  Fast schon altehrwürdig steht die Gaststätte Maaß am Neutor 1. Mehr als 200 Jahre soll das Haus schon auf dem Fleckchen Erde in Dinslaken stehen.

Eine Zahl, über die die Brüder Werner und Wilhelm Maaß heiß diskutieren können, wenn sie Gäste nach dem Alter der Gaststätte fragen. Der 79-Jährige Wilhelm ist Verfechter davon, dass das Haus schon seit zwei Jahrhunderten zur Geschichte Dinslakens gehört – eine Kneipe soll es immer beherbergt haben. An den Nägeln im Holz macht er es fest. Werner Maaß (71) sieht es nüchterner. Auf das Jahr 1898 ist die älteste Zeichnung von der Gaststätte datiert.

Das ändert aber vor allem an einem Umstand nichts: „Tradition wird hier groß geschrieben“, sagt Inge Ridderskamp. Sie ist die Wirtin in der Gaststätte Maaß. Seit mehr als 40 Jahren ist sie im wahrsten Sinne des Wortes die gute Seele des Hauses. Die Gäste kennt sie alle mit Namen und weiß, was jeder einzelne zu Trinken am Tresen bestellt.

Am 30. September 2016 geht aber auch ihre Zeit mit der Gaststätte Maaß zu Ende. „Hier wird es aber immer weitergehen“, sagt sie mit einer Selbstverständlichkeit, als ob das Kneipensterben in der Region gar kein Thema wäre.

Der Zweite Weltkrieg

Aber für die Gaststätte Maaß ist es das vielleicht auch gar nicht. Sie ist eine der letzten wirklichen Traditionskneipen, die es in Dinslaken noch gibt. Schon der Großvater, der Vater und später Wilhelm Maaß standen hier hinter dem Tresen. Und wenn Bruder Werner andeutet, dass er bereits eine Nachfolge für Inge Ridderskamp an der Hand hat, dann glaubt man ihm das, ohne groß nachzufragen.

Immerhin überlebte diese Kneipe den Zweiten Weltkrieg, während die Innenstadt Dinslakens ringsherum zerstört wurde. Rund 90 Prozent des Stadtkerns, so Wilhelm Maaß, lagen damals in Schutt iund Asche. „Die Bomberpiloten haben gesagt, den Pub können wir nicht zerstören“, witzelt er heute. Und gerade um dieses Haus, das mehrfach zu einem der schönsten in Dinslaken gewählt wurde, wäre es auch wirklich schade gewesen.

Aber am Ende sind es nicht das Holz, die Steine oder die Verzierungen an den Fenstern, die es zu etwas besonderen machen. Es sind die Menschen, die hier Tag für Tag ein und aus gehen und die Gaststätte Maaß mit Leben füllen.

Schützenvereine, Stammtische, mehrere Sparclubs, der MSV-Fanclub Dinslaken – sie alle kommen in die Gaststätte Maaß. Nur mit den Frauengruppen hat es nie so recht geklappt. „Wir haben viele Frauenstammtische gehabt, aber das ist nie gut gegangen“, sagt die 63-jährige Inge Ridderskamp. Das hätte aber nie an der Gaststätte gelegen, sondern daran, dass sich die Damen stets nach ein paar Treffen in die Haare bekommen hätten. „Die Männer machen ihre Stammtische über Jahrzehnte bei uns“, so die Wirtin. Da ist die Veranstaltungsreihe „Das Maaß ist voll“, die mit prominenten Gästen wie der CDU-Politikerin Rita Süssmuth aufwartete.

Lebendige Gaststätte

Das Maaß ist eine lebendige Gaststätte, auch wenn die Menschen nicht mehr ganz so zahlreich kommen. Vor zehn bis 15 Jahren waren 100 Gäste in der Kneipe und nochmal 300 standen bei gutem Wetter vor der Tür. „Heiligabend Frühshoppen bei Maaß, das ist aber immer noch Plficht“, sagt Inge Ridderskamp. „Da kommen immer noch so 300 Leute.“ Tradition stirbt eben nicht so schnell aus.

Und so betont Werner Maaß: „Es wird weitergeführt wie bisher.“ Es ist ein Versprechen an die Gäste, aber auch ein Versprechen an sich selbst und die Familie. Wenn Inge Ridderskamp ihr letztes Pils gezapft hat, dann soll sich danach auch nichts ändern. Und sein Bruder Wilhelm unterstreicht die tiefen Verbundenheit mit der Gaststätte mit einem Satz: „Wenn ich mal abtrete, dann werde ich einbalsamiert und als Mumie an die Wand gestellt.“