Die Veränderungen akzeptieren

Hünxe..  Der Umgang mit Demenzkranken ist nicht einfach. Gerade für Angehörige, die sich um die Pflege kümmern, bedeuten die manchmal seltsamen Verhaltensformen der Betroffenen ein erhöhtes Maß an Stress und Anstrengung. Bei seinem Vortrag zum Thema zur Eröffnung der Hünxer Demenztage, versucht Erich Schützendorf einen anderen Blick auf die Folgen der Demenz zu lenken. Es ist eine liebevolle und humorvolle Betrachtung der vielen Eigenheiten, die trotzdem dem Ernst des Themas gerecht wird.

„Die Demenz ist eine Reise weg vom Verstand“, erklärt Schützendorf seine Sicht auf das Thema. Und das ist in unserer Gesellschaft ein Problem. „Für uns sind Rationalität und vernünftiges Handeln zentrale Werte“, sagt Erich Schützendorf. „Und nach denen beurteilen wir auch Menschen mit Demenz.“ Und das, so findet Schützendorf, sei nicht unbedingt richtig. Seine Frage: Könnte man nicht besser mit den Eigenheiten der Betroffenen umgehen, wenn man die Frage der Würde nicht nur an der funktionalen Autonomie festmachen würde? Mit anderen Worten: Man sollte die teilweise schrulligen Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz mit Bewunderung betrachten und manchmal einfach ertragen. Die Beispiele dazu, die Erich Schützendorf in seinem Berufsalltag kennenlernte, sind nahezu unendlich. Eine Frau, die versuchte, ihre Brille mit einer Scheibe Wurst zu putzen? „Dieser Moment zwischen den Welten von Verstand und Unverstand war eigentlich traumhaft“, sagt er. Ein Mann benutzt seinen Kleiderschrank als Urinal. „Man muss das Positive sehen: Er hat alles richtig gemacht, nur nicht mehr den passenden Ort gefunden.“

Erich Schützendorf beschreibt Verhaltensformen in zwei Kategorien. Benannt nach dem griechischen Gott Apollon ist für ihn das „Apollonische“, das zielgerichtete und vernünftige Handeln. Im Gegenzug gibt es das „Dionysische“ benannt nach dem Gott Dionysus, für Schützendorf ein Ausdruck der Freunde und der nicht nach einem Zweck ausgerichteten Verhaltensweisen. „Wir sollten bei Menschen mit Demenz das Dionysische fördern und für sie das Apollonische übernehmen“, lautet seine These. In diesem Sinne sollte man auch zulassen, in Pflegeheimen für Demenz „Biotope für Verrücktheiten“ zu schaffen, in denen auf die Handlungsweisen der Demenzerkrankten eingegangen wird.

Auch für die Angehörigen hat Erich Schützendorf einige Tipps parat: Sie sollten sich die Demenz als ein Meer vorstellen, in dem der Betroffene lebt und in dem sie nicht ständig sein können. Stattdessen sollten sie lernen, mit Ruhe und Aufmerksamkeit auf ihn zuzugehen und die Veränderungen die Demenz mit sich bringt, zu akzeptieren. „Das ist nicht einfach, aber am Ende wird es Ihnen damit besser gehen“, sagt Schützendorf.