„Die Schule wird kaputtgeredet“

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Dinslaken..  Am heutigen Mittwoch beschäftigt sich ein Runder Tisch mit Akteuren aus verschiedensten Bereichen wie Politik, Verwaltung, Schule, Schulaufsicht und Caritasverband mit der Zukunft der Grundschule in Lohberg. Für Gülsum Yigit von der Elternpflegschaft, Daniel Kocar vom Integrationsrat und Remzi Ugur von der AWG laufen die Überlegungen über eine Schließung der letzten Schule im Stadtteil in die falsche Richtung. Sie beklagen, dass die Schule in der Öffentlichkeit falsch bewertet und kaputtgeredet wird. Die Anmeldezahl (zuletzt 31) sei auch deshalb so gering, weil Lohberger Eltern aufgrund der Gerüchte scheuen, ihre Kinder dort anzumelden.

Alle drei haben Argumente gegen eine mögliche Schließung zusammengetragen und erinnern an die 1676 Unterschriften für den Erhalt der Schule. Sie sei eines der sozialen Zentren in Lohberg, betont Gülsum Yigit. Im Elterncafé bietet sie gemeinsam mit Nerin Aydin und der Schulsozialarbeit Informationen und Austausch an, auch ein Deutschkurs für Frauen und ein Gymnastikkurs wurden auf die Beine gestellt. Wenn die Schule nicht mehr da ist, werde es viel schwieriger, die Lohberger Eltern zu erreichen, fürchtet Gülsum Yigit.

Außerdem, so Remzi Ugur, könnte sich das Problem der mangelnden Mischung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund auf andere Schulen verlagern, beispielsweise auf die Klaraschule. Yigit, Ugur und Kocar fordern, lieber eine fachliche Diskussion darüber zu führen, wie man die GGS Lohberg in ihrer Arbeit unterstützen kann. „Es müssen Vorurteile abgebaut werden, damit auch deutsche Kinder an die Schule kommen“, sagt Gülsum Yigit, die von der fachlichen Qualität der Schule überzeugt ist. Insbesondere im rhythmisierten Ganztag, den ihr Sohn in der vierten Klasse besucht, könnten sowohl starke als auch schwache Kinder gezielt gefördert werden.

Zahlen werden fehlinterpretiert

Sie beklagt auch einen „stiefmütterlichen Umgang“ mit der Schule seitens der Verwaltung. Selbst um neue Sanitäranlagen habe man lange kämpfen müssen, auf der Sanierungsliste taucht die GGS Lohberg gar nicht auf.

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Fehlinterpretiert werden nach Meinung der drei auch die Übergangsquoten auf das Gymnasium. Hier bildet die GGS Lohberg das Schlusslicht. Dies sei aber kein Merkmal für die Qualität einer Schule. Gerade Migrantenfamilien, argumentiert Gülsum Yigit, melden ihre Kinder lieber auf der Gesamtschule an, wo sie das Abitur in neun Jahren erreichen können.

Für eine bessere Vergleichbarkeit bittet die AWG die Verwaltung um detaillierte Zahlen: Zum Beispiel fragt die Wählergemeinschaft nach Zahlen zur Übergangsquote von allen Schülern mit Migrationshintergrund auf das Gymnasium und nach der Anzahl der Rückläufer zu anderen Schulformen nach Klasse 6. Auch möchte die AWG wissen, wie viele der Dinslakener Abiturienten aus Migrantenfamilien stammen.

Daniel Kocar vom Integrationsrat kritisiert zudem in der Schließungsdiskussion ein fehlendes Konzept und fürchtet in der Folge weitere Nachteile für den Stadtteil: „Werden danach auch die Kitas geschlossen?“.