Die Menschen sind in großer Angst

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Was wir bereits wissen
Helfer aus Dinslaken und Voerde schildern erste Eindrücke aus Erdbebenregion.

Dinslaken/Voerde..  Ihre ersten Eindrücke aus der Erdbebenregion schildern Melanie Walter und Sören Leymann vom St. Vinzenz-Hospital. Die beiden Ärzte sind am 1. Mai gemeinsam mit Jan Christoph van Vlijmen, einem ehemaligen Kollegen aus dem Dinslakener Krankenhaus, in das Interplast Sushma Koirala Memorial-Hospital in Sankhu nahe der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gereist, um dort bei der Behandlung von Verletzten zu helfen.

„Air Berlin und Etihad haben sich freundlicherweise um den Transport unserer 800 kg schweren Europaletten, gefüllt mit Spendengütern, gekümmert. Hier noch mal ein großes Dankeschön von uns dafür, das war uns eine große Hilfe. Nach unserer Ankunft in Kathmandu in der Nacht verlief alles unproblematisch, wir haben sehr schnell unsere Visa bekommen und nach 4-stündiger Wartezeit auf einen Teil unseres Gepäcks sind wir dann endlich im Krankenhaus angekommen. (...) Unsere ersten Eindrücke im Krankenhaus waren sehr positiv, gut organisiert, kompetente und hochmotivierte Pflegekräfte, sehr freundliche und dankbare ärztliche Kollegen. Etwa 30 Patienten wurden unter Carports vor dem Krankenhaus untergebracht. Wie erwartet, waren die meisten Verletzungen Frakturen, Quetschungen und Verbrennungen. Infekte gab es so gut wie keine.“

Ein Besuch der Umgebung hat die Ärtze schockiert: „Es ist kaum in Worte zu fassen, der Stadtkern ist dem Erdboden gleich. 80 Prozent der Häuser sind einfach in sich zusammen gefallen wie ein Kartenhaus. Nepalesische und chinesische Hilfskräfte und Militär helfen dort weiterhin bei den Bergungen, zumeist nur noch Tote.“

Auf Grund der großen Kapazität an Personal und Materialien habe man beschlossen, aus den regionalen Krankenhäusern und Lazaretten Patienten zu übernehmen und diese zu versorgen. Außerdem wollen die Ärtze in die umliegenden Dörfer fahren und sehen, wer noch ärztliche Hilfe benötigt und versuchen, mit der UN einen Hubschrauber zu organisieren, um auch die abgelegenen Dörfer zu erreichen und die Menschen dort zu behandeln. „Bis jetzt zusammen gefasst, sind wir überwältigt von der Dynamik, Hilfsbereitschaft und vor allem der Dankbarkeit der Menschen hier. Insbesondere ist das medizinische Personal dankbar für die Materialien, die durch die großzügigen Spenden in Deutschland zusammen gekommen sind und für die personelle Unterstützung“, berichten die Ärzte des Vinzenz-Hospitals, die drei Wochen in Nepal bleiben wollen.

Auch die Voerderin Trudi Reske ist inzwischen im Interplast-Hospital in Sankhu angekommen. Kurz vor dem verheerenden Erdbeben hatte sie das Krankenhaus nach ihrem 33. Hilfseinsatz wieder Richtung Heimat verlassen. Nun, zwei Wochen später ist sie dorthin zurückgekehrt, um nach der Katastrophe zu helfen. „Die Temperaturen sind angenehm am Tag, aber leider regnet es viel und die Gewitter zehren den Menschen an den Nerven. Sie haben immer noch große Angst. Sie sind aber friedlich und auch dankbar für jegliche Hilfe. Heute zum Beispiel wurden Reis, Tütensuppen, Plätzchen und Hygiene-Artikel verschenkt. Alle haben friedlich gewartet“, schreibt Trudi Reske. Erschüttert hat sie das Bild, das sich ihr in Sankhu bot: „Armes Sankhu – was ist aus dir geworden? In manchen Straßen lagen die Steinberge so hoch, dass ich in die Fenster des ersten Stocks sehen konnte. Vieles ist abgestützt, was aber nicht heißt, es ist noch brauchbar. Die Menschen retten aus den Häusern, was sie bekommen können. Einige sitzen vor ihren zerfallenen Häusern und starren ins Leere. Keiner jammert oder weint. Einige reißen schon die Mauern ein und räumen den Schutt weg.“ Die Voerderin berichtet von den ersten Zelten, die links und rechts am Straßenrand stehen, und von Planen, die einfach an Bambusstangen befestigt sind.

Sogar die Kinder seien still.Viele hätten außer einem T-Shirt keine Kleidung. Alles, was Trudi Reske aus dem Lager des Hospitals holt, wird dankbar angenommen. „Ein großer Hit sind die knallroten T-Shirts, die ich als Spende von der Realschule in Voerde bekam. Auch wenn die Größe nicht immer stimmt, alles wird angezogen und stolz vorgeführt.“

Die 66-Jährige wirbt um weitere Hilfe: „Jede, noch so kleine Spende hilft Interplast sehr“, sagt sie und verweist auf die Homepage des Hospitals (www.nepalhospital.de), auf der weitere Informationen zu dem Projekt und das Spendenkonto stehen.

Die Stockumer Schule in Voerde veranstaltet am Freitag, 15. Mai, im Rahmen der Reihe „Kultur am Freitag“ einen Benefizabend für die Erdbebenopfer in Nepal. Beginn ist um 18 Uhr.

Der pädagogische Leiter des Jugend- und Kulturzentrums an der Schafstege, Peter Laumen, wird über die Projekte und Hilfsmaßnahmen der Kaarster Nepalinitiative (KNI), deren Gründer und stellvertretender Vorsitzender er ist, und über die aktuelle Situation in Nepal informieren. Zudem berichtet Laumen über seine erste Nepalreise, die er mit seiner Ente unternommen hat.


Junge Musiker sorgen für die musikalische Unterhaltung, zur Stärkung gibt es selbst gemachte nepalesische Speisen. Der Eintritt ist frei. Es wird ein Spendentopf aufgestellt, falls gewünscht, können Spendenquittungen ausgestellt werden, erklärt Laumen.