Die Eigentümersuche geht weiter

Das Aus für die Gaststätte bedeutete für den Ortsteil Mehrum einen herben Verlust.
Das Aus für die Gaststätte bedeutete für den Ortsteil Mehrum einen herben Verlust.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Für die ehemalige Traditionsgaststätte in Mehrum ist ein weiterer Versteigerungstermin festgesetzt worden.

Voerde..  Das Haus hatte schon bessere Zeiten erlebt, es war der Treffpunkt für die Menschen in Mehrum. Doch Ende 2010 war Schluss. Mit dem Gedanken, die Wirtschaft aufzugeben, hatte die damalige Besitzerin des Hauses Mölleken schon länger gespielt. Als die Suche nach einem Nachfolger, der die Kneipe weiterführt, nicht erfolgreich war, machte sie die Gaststätte dicht. Auch die Suche nach einem neuen Eigentümer für das Objekt dauert nun schon mehrere Jahre. Ende diesen Monats gibt es einen weiteren Zwangsversteigerungstermin. Dann müssen zwei Wertgrenzen nicht beachtet werden, was die Chancen erhöht, einen neuen Besitzer zu finden.

Haus Mölleken, das ist ein Hauptgebäude, mit Saalanbau und weiteren Anbauten sowie zwei Kegelbahnen. Im Obergeschoss befindet sich eine Wohnung für den Betreiber der Gaststätte. An der Substanz hat die Zeit genagt. Wie es auf der Internetseite des Amtsgerichts Dinslaken heißt, weisen die seit 2010 leerstehenden baulichen Anlagen „erhebliche Mängel und Schäden auf“.

Im Januar 2014 schlug ein Versteigerungsversuch fehl, es wurde kein Gebot abgegeben. Damals hieß es, ein Interessent sei abgesprungen.

Mit der Schließung von Haus Mölleken wurde eine Jahrhunderte währende Geschichte beendet. Wie alt genau das Gebäude ist, das im 20. Jahrhundert den Namen Mölleken bekam, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Die ehemals zum Kloster Hamborn gehörende „Krüskens Kate“ war im Jahre 1832 im Besitz des Schenkwirtes Johann Lemm. Die Geschichte der Wirtschaft ist aber viel älter. Es wird davon ausgegangen, dass der Ort, an dem sich die Bauern bereits vor Jahrhunderten zum Klönen und zum Bier trafen, mindestens seit 1690 existiert. Zwei Jahre später war die Gilde Mehrum gegründet worden. Es war um 1895, als Bäcker Friedrich Ziegler, der Großvater des 2004 verstorbenen Gaststätten-Vorbesitzers Friedrich Mölleken, der von den meisten in Mehrum nur „Büb“ genannt wurde, aus Wesel in das Dorf kam. Dort lernte er Gertrud Lemm kennen, die im heutigen Haus Mölleken lebte. Er stieg in die Wirtschaft mit Kolonialwarenhandlung und Post ein, gründete zusätzlich eine Bäckerei. 1932 heiratete Zieglers Tochter Elisabeth den Bauern Mölleken aus Dinslaken, der das Ziegler-Haus 1939 übernahm. Friedrich Mölleken war sechs Jahre alt, als seine Eltern in jenem Jahr des Kriegsausbruchs Wirte wurden. Haus Mölleken wurde zum Kriegsgefangenenlager. Die Familie verließ Mehrum, kehrte erst 1945 wieder dorthin zurück. 1965, im Alter von 32 Jahren, übernahm Friedrich Mölleken die Gaststätte an der Schulstraße. Das Aus der Gaststätte – Haus Mölleken war zuletzt das einzige Lokal in Mehrum – bedeutete für das Dorfleben einen herben Verlust.

Die Versteigerung beginnt am Freitag, 30. Januar, um 10 Uhr im Amtsgericht Dinslaken, Schillerstraße 76.

Bei diesem Termin im Saal 206, zweite Etage, müssen die Wertgrenzen 5/10 und 7/10 nicht beachtet werden. Der Verkehrswert liegt bei 176 000 Euro.