Der Tango und die deutsche Geschichte
10.02.2012 | 18:31 Uhr 2012-02-10T18:31:00+0100
Dinslaken/Sydney. Peter Keup ist als Zeitzeuge und Tanzlehrer in Buenos Aires und Sydney unterwegs
Seit gut einer Woche lebt Tanzlehrer Peter Keup nun schon in der australischen Metropole Sydney. Er freut sich vor allem, der Eiseskälte in Europa entronnen zu sein. „Hier ist es mit nur 25 Grad zwar auch kühl, aber immer noch besser als minus 15 Grad in der Heimat“, so Keup.
Ende Januar war der Tanzschulenchef auf große Reise gegangen (wir berichteten ). Der erste Stop auf seiner „Weltreise“: Buenos Aires in Argentinien. Nach 15 Flugstunden verblieb nicht einmal Zeit, sich wirklich vom Jetlag zu erholen. Gleich am ersten Tag war Peter Keup in Sachen Zeitzeugenprojekt unterwegs und konnte interessante Verbindungen bezüglich des Projekts der Ruhr-Uni Bochum für Deutschlandforschung und der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen knüpfen.
So könne sich die dortige Deutsche Botschaft durchaus eine Wanderausstellung durch die argentinischen Städte vorstellen, die die Zeit in Deutschland während des 2. Weltkrieges und während der Zeit des Kalten Krieges, also gerade auch die Situation in der ehemaligen DDR, thematisiert. Zeitzeugen, wie Keup, sollen jeweils von ihren Erfahrungen berichten.
Seine zweite „argentinische“ Aufgabe, der Tango, ja der bereitete ihm da mehr Schwierigkeiten. „Mein Tango-Selbstbewusstsein wurde arg strapaziert“, gesteht der Tanzlehrer. „Eine fast zwei Meter lange Cynthia pulverisierte selbiges förmlich, in dem sie beim Tanzen permanent meine Führungsqualitäten in Frage stellte.“ Und die sind beim Tango nun mal vonnöten. Doch gottlob, seine argentinische Tanzlehrerin richtete ihn wieder auf.
Zeitzeugenprojekt auch im Goethe-Institut vorgestellt
Auch in Sydney stürzte sich der Dinslakener sofort sowohl in seinen Beruf (er bereitet Hochzeitpaare tänzerisch auf den schönsten Tag ihres Lebens vor und lehrt außerdem den Tango) als auch in seine Berufung: dem Zeitzeugenprojekt. Vorgestellt hat er das Projekt bereits in der Deutschen Botschaft und im Goethe-Institut und stieß auf reges Interesse an seinen eigenen DDR-Erfahrungen. Auch in der Deutschen Schule wird Peter Keup demnächst über die Verhältnisse in der DDR und die Hintergründe der deutsch/deutschen Teilung erzählen.
Herzlich wurde Keup auch im jüdischen Museum empfangen und lernte zwei alte Herren kennen, die Nazi-Deutschland als Kinder verlassen hatten. „Beide wollten wissen, wie es mit dem Antisemitismus in Deutschland heute aussieht“, so Keup. Ein Treffen mit einem Auschwitz-Überlebenden ist für kommende Woche vorgesehen. „Er wurde wie ich in Dresden geboren und lebte dort ebenfalls bis zu seinem 23. Lebensjahr. Auf unterschiedlichen Weisen verließen wir die Stadt, in unterschiedlichen Systemen, dass wir beide gottlob überlebten“, so Keup weiter.
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