Der Nachwuchs bleibt aus

Floristin Petra Lindgens (r.)
Floristin Petra Lindgens (r.)
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Petra Lindgens aus Dinslaken ist gerne Floristin. Sie befürchtet, dass ihr Beruf aussteben wird.

Dinslaken..  Der Anruf der Industrie- und Handelskammer (IHK) schreckte Petra Lindgens auf. Der Anrufer suchte Betriebe, die Floristinnen/Floristen ausbilden. Hintergrund der Anfrage war, dass die Berufsschulklasse in Duisburg auf der Kippe stand. Mindestens 16 Auszubildende müssen die Fachklasse besuchen. Wenn nicht, wird sie gestrichen und für den Schulunterricht müssten Auszubildende nach Essen oder nach Krefeld fahren. Will niemand mehr diesen schönen Beruf ergreifen?, fragte sich Petra Lindgens, die selbst seit 31 Jahren in diesem Beruf tätig ist.

Seit einiger Zeit sind die Ausbildungszahlen rückläufig. Und immer mehr Betriebe verzichten darauf, Ausbildungsstellen zu bewerben. Es meldet sich ja eh keiner. Was Petra Lindgens nicht versteht. Sie selbst hatte mit einem Praktikum angefangen. „Das hatte mir gefallen“, berichtet Lindgens, die daraufhin die Ausbildung zur Floristin begonnen hat. Danach hat sie in mehreren Betrieben gearbeitet, Erfahrung gesammelt und vor fünf Jahren ihren eigenen Blumenladen an der Hünxer Straße eröffnet.

„Es ist ein schöner Beruf, es wäre schade, wenn dieser Beruf aussterben würde. Alle machen Abitur und wollen studieren“, sagt sie. Die Arbeit mit Pflanzen, dass man individuelle Wünsche für die Kunden erfüllt und der Kontakt mit den Kunden nennt sie als Vorzüge dieses Berufes. Man sei bei vielen persönlichen Erlebnissen dabei, wenn es um die Tischdekoration für die Kommunionsfeier geht oder um den Brautstrauß. Aber auch in schweren Zeiten, wenn der passende Grabschmuck ausgesucht werden muss, stehe man den Kunden zur Seite.

Warum sich niemand für diesen Beruf erwärmen könne, kann sie nur vermuten: Das könnte an dem geringen Verdienst, an den Arbeitszeiten liegen. Doch die, betont Lingens, gebe, es schon seit 30 Jahren. Damit ihr Beruf nicht ausstirbt, bietet sie Tagespraktika an. „Da kann man reinschnuppern, Interessierte können sehen, was gemacht werden muss.“

Die IHK sieht die Entwicklung auch mit Sorge. Ausbildungsberater Andreas Skodacek befürchtet, dass in Zukunft in Blumenläden nur noch Verkäuferinnen arbeiten. Die Sträuße würden dann alle schon fix und fertig angeliefert.

Umfrage gestartet

Als die Fachklasse in Duisburg auf der Kippe stand, hatte Skodacek eine Umfrage gestartet. Alle Betriebe im Kammerbezirk, der sich von Duisburg über die Kreise Wesel und Kleve bis zur holländischen Grenze zieht, hatte er angerufen. Sie alle hatten in den letzten Jahren ausgebildet oder bilden zurzeit aus. Von den Gesprächspartnern habe er erfahren, dass sich die Jugendlichen nicht mehr die Hände schmutzig machen wollen. „Viele bringen nicht das Interesse mit, sie kennen den Beruf nicht“, fügt er hinzu. Den Betrieben fehlen die interessierten und willigen Bewerber. Floristen stehen die meiste Zeit, der Raum ist kühl, ständig habe man kaltes Wasser an den Händen und es ist viel auf- und wegzuräumen, wenn Sträuße vor Ort gebunden werden, versucht er die Entwicklung zu erklären. Und fügt noch das geringe Einkommen an.