Das aktuelle Wetter Dinslaken 13°C
Energie

Der Kohlehafen interessierte viele

17.07.2009 | 14:37 Uhr
Der Kohlehafen interessierte viele

Die erste Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative gegen das Vorhaben der Evonik Steag fand jetzt statt. Der kleine Saal im Landgasthaus Freesmann platzte aus allen Nähten.

Dinslaken. Der kleine Saal im Landgasthaus Freesmann platzte aus allen Nähten, der Informationsbedarf in Eppinghoven war groß: Die Evonik Steag, deren Kohlekraftwerk seit knapp 40 Jahren aus wenigen Kilometern Entfernung Dorf und Rheinaue überragt, plant einen Kohlehafen bis 300 Meter an die Grenze des Dorfes zu setzen. Vor knapp zwei Wochen gründete sich eine Bürgerinitiative gegen dieses Vorhaben, jetzt lud die BI Kohlehafen (BIK) zu ihrer ersten öffentlichen Informationsveranstaltung ein.

Die Initiative präsentierte Zahlen, die Bürger diskutierten über mögliche Vorgehensweisen und anwesende Politiker nutzten die Gelegenheit zum Wahlkampf. Grundtenor: Wir haben nichts gewusst, nichts erfahren und waren schon immer dagegen. Doch vielleicht kommen gerade die Kommunalwahlen dem Interesse der Bürgerbewegung entgegen. Bis Ende September liegt die für den Kohlehafen nötige Regionalplanänderung bei der Bezirksregierung aus. In dieser Zeit können Einwände vorgebracht werden. Individuell von den Bürgern, gesammelt oder per Ratsbeschluss von den Kommunen formuliert.

Finden die Einwände keine Beachtung, wird vom Regionalverband Ruhr das Genehmigungsverfahren eröffnet.

Doch was ist überhaupt von der Evonik geplant? BIK-Vorstand Matthias Stickel und seine Mitstreiter haben Vorlagen ausgewertet, Fotomontagen erstellt, nachgerechnet. Ausgerechnet dabei sind sie auf die größte Unbekannte im Projekt gestoßen.

Offenes Kohlelager neben Biotop

Der geplante Südhafen mit einem offenen Kohlelager soll sich auf der Fläche zwischen Rhein, Rotbachmündung, Frankfurter Straße und neuer Emschermündung erstrecken. Ein Naherholungs-, aber kein Naturschutzgebiet, so besagt es der Text der 66. Regionalplanänderung. Es sei Ackerland, das durch das offene Kohlelager ersetzt würde. „Ohne die geplante Änderung des Regionalplans (...) würden die landwirtschaftliche Bewirtschaftung (...) sowie der damit verbundene Eintrag von Düngemitteln und Bioziden in den Boden auf Dauer fortgesetzt.” Unbeachtet bleibt der Plan der Emschergenossenschaft, die Emscher zu renaturalisieren. Ohne den Kohlehafen wäre die Ackerfläche als neuer Mündungsbereich Biotop geworden. Nach bereits 2007 favorisierten Plänen werden nun renaturierte Emschermündung und Hafen mit offenem Kohlelager Seite an Seite realisiert.

Der Traum vom erweiterten Naturschutzgebiet an der Grenze zu Eppinghoven scheint nun von einem Alptraum für die Bürger überlagert zu werden: Eine Fotomontage zeigt eine 20 Meter hohe Kohlenhalde, überragt von 45 Meter hohen Kränen. Das Ganze in einem Frischluftaustauschgebiet, aber angeblich ohne Folgen für die Anwohner. Eine Skizze der Evonik zeigt, wie die Feinstaubbelastung durch die offen gelagerte Kohle direkt an der Stadtgrenze zu Dinslaken halt macht. Die Staubentwicklung soll direkt auf dem Gelände durch geeignete Maßnahmen begrenzt werden, so das Unternehmen. Und auch die Schallemission bliebe weit unter den Grenzwerten.

Kapazität überdimensioniert?

Info
Klage ist möglich

Der Weg, das Projekt zu verhindern, kann über die Politik oder die Justiz gehen.

Würde im September das Genehmigungsverfahren für den Kohlehafen eröffnet, könnten nur noch juristische Schritte helfen, das Projekt zu verhindern. Ein Weg, den BI-Mitglied Rechtsanwalt Burghardt Küßner als aussichtsreich einschätzt, von Vertretern anderer Bürgerinitiativen eher kritisch betrachtet wurde. Sie sehen die größten Chancen darin, das Projekt auf politischem Wege zu stoppen.

Beides zieht die Bürgerinitiative in Zweifel. Und rechnet. 31 250 Tonnen könnten im geplanten Hafen täglich umgeschlagen werden. Gearbeitet werden soll an fünf Tagen der Woche, ein sechster ist möglich. Damit reiche die Kapazität des Hafens für eine Umschlagsmenge von rund neun Millionen Tonnen Kohle. Das Kraftwerk selbst verbraucht bislang 3,5 Millionen Tonnen pro Jahr. „Der Kohlehafen ist die Achillesverse für alle Kohlekraftwerke der Zukunft”, warb Wilfried Mohr, Vorstand der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Walsum, für die Vernetzung aller Initiativen gegen Kohlekraftwerke bei Freesmann. Dort wurde offen gemunkelt, dass der Kohlehafen in Voerde dazu dienen könnte, zwei weitere eventuell geplante Kraftwerke in Walsum mit zu versorgen. Und dies wiederum mit Auswirkungen auf Eppinghoven: Der Stadtteil würde durch den Güterverkehr per Bahn weiterhin belastet.

Bettina Schack

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
01.08.2009
12:53
Der Kohlehafen interessierte viele
von Der Ehemalige | #9

Ich lach mich schlapp. Erst sorgt die BIB für das Ende des Bergwerks Walsum und dann jammern sie auf höchstem Niveau, wenn eine andere Alternative gesucht und hoffentlich gefunden wurde. Der Kohlehafen muss kommen, um die Oberschlauen der BIB mal so richtig in den ***** zu treten. Danke liebe BIB, habt ihr gut gemacht. Viele sarkastische Grüße von einem ehemaligen Mitarbeiter des Bergwerks Walsum.

18.07.2009
22:46
Der Kohlehafen interessierte viele
von schuluzu | #8

Menschenleben scheint eh nix wert, auch in Walsum sind die Grenzwerte (Feinstaub) eh wieder überschritten...Mach aber anscheined nichts, oder wird von den Politikern irgendwas geändert? Und wenn, sind das immer langwierige Prozesse, ausgedehnt und machthaberisch...
Kinder haben da einen klareren Menschenverstand .....leider wohl nicht die Chance, hier gesund aufzuwachsen. Und dann über den Wegzug der Anwohner wundern...Ich hörn jetzt auf, steiger mich nur rein. Schönen Abend noch

18.07.2009
17:10
Der Kohlehafen interessierte viele
von tamaraB | #7

Ein Kohlelager in der Größe von 9 Fußballfeldern ist in den Augen von Evonik also einem Acker mit ein paar Düngemittel vorzuziehen. Und die Belastungen für die Bevölkerung durch den Kohlehafen sind „irrelevant im Sinne der gesetzlichen Grenzwerte“. Gut, dass wir endlich wissen, was wir von Evoniks ‚Informationspolitik’ zu halten haben! Die Weltgesundheitsorganisation dagegen hat festgestellt, dass Feinstaub auch in kleinsten Mengen Krebs, Herzkreislauferkrankungen, Asthma, Allergien und andere Krankheiten verursachen kann.

18.07.2009
14:07
Der Kohlehafen interessierte viele
von MtX | #6

Der Kohlehafen schafft und sichert nicht einen einzigen Arbeitsplatz. Ab 2040 ist die Steinkohlenverbrennung zur Energiegewinnung ohnehin am Ende ... nebenbei viel zu spät. Neue Arbeitsplätze können nur dann entstehen, wenn man sich nicht krampfhaft an alte Zöpfe klammert. Die Evonik will jetzt nochmal ganz schnell Kohle abzocken ... die Verantwortlichen sind dann wahrscheinlich mit sehr viel Geld in Rente ...

Neue Arbeitsplätze kann man im Bereich erneuerbarer Energien schaffen, allein in NRW bis zu 200.000(!)

Wir werden schon bald merken, was wir an der Importkohle haben, wenn die Exporteure sich sicher sind, dass wir uns abhängig gemacht haben.

Nur noch ein letzter Hinweis: Ökostrom ist nicht wirklich teuerer, sichert aber langfristig Arbeitsplätze und schützt die Umwelt, z.B. zu finden unter www.naturstrom.de

Schönes Wochenende =)

18.07.2009
13:33
Der Kohlehafen interessierte viele
von kohlweissling | #5

Die hier verbrannte Kohle wird nicht mehr von tüchtigen Bergleuten geschürft, sondern von Kinderhand in Kolumbien oder unter unsäglichen Umständen in Australien.
Mit Kinderarbeit, kaputten Atomreaktoren und Klimakillern machen RWE, Evonik und andere die Kohle.

18.07.2009
12:18
Der Kohlehafen interessierte viele
von bergmann1 | #4

Das der Kohlehafen kommt ist ja erst seit 2007 bekannt. Auch das wesentlich mehr Importkohle als deutsche Steinkohle gebraucht wird, weil die Importkohle ein geringeren Brennwert(Qualität) hat ist bekannt.Aber die Bürgerinitiative wirds schon richten. Die sind sowieso gegen jeden und alles.

18.07.2009
12:14
Der Kohlehafen interessierte viele
von rk64 | #3

Hallo
Manche sind gegen alles und jeden, vieleich würden uns ein paar Arbeitsplatze gut tun

18.07.2009
08:31
Der Kohlehafen interessierte viele
von Der Mauschler | #2

Jo, Geld regiert die Welt. Na und???
War immer so, bleibt auch so.
Heißt ja Kohlehafen

17.07.2009
18:09
Der Kohlehafen interessierte viele
von philajupp | #1

EVONIK-STEAG ist die Allmacht am Rhein. Da kommt keiner gegen an. Geld regiert die Welt. Traurig, aber wahr.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/492380/create

Aktuelle Fotos und Videos
Ruhrpott Rodeo 2012
Bildgalerie
Punk-Festival
STV Huenxe
Bildgalerie
Fussball
Kreis Pokalspiel
Bildgalerie
Fussbal
Landtagswahl 2012
Bildgalerie
Landtagswahl
Aus dem Ressort
Sanierung der B8 sorgt für Ärger
Sanierung
Die Kritik: Kein Flüster-Asphalt und mangelhafte Beschilderung
Wieder Trickdiebe am Geldautomaten
Polizei
76-Jähriger beim Abheben bestohlen