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Brauchtum

Der Brauch mit den Brauchtumstagen

13.11.2012 | 09:00 Uhr
Der Brauch mit den Brauchtumstagen
Damit sie die Martinikirmes besuchen können, bekommen Stadtbedienstete einen halben Tag frei.Foto: Erwin Pottgiesser

Dinslaken/Voerde/Hünxe.   Das Dinslakener Rathaus schloss gestern Mittag (12. November) wegen der Martinikirmes. Auch in Voerde und Hünxe gibt es Freizeit für Karneval oder Rummel.

Die junge Frau, die gestern an der Rathaustür rappelte, konnte es nicht fassen. „Zu?“, rief sie. Und das, wo sie gerade jetzt ihre Geburtsurkunde brauchte. „Ab 11 Uhr geschlossen“, informierte ein Schild mit Hinweis auf die Martinikirmes. Können es sich Kommunen in Zeiten knapper Kassen noch leisten, ihren Bediensteten an den sogenannten „Brauchtumstagen“ frei zu geben? Diese Frage warf ein Leserbrief in der NRZ auf. Wir fragten nach: Wie viele Tage bekommen die Stadtbediensteten in Dinslaken, Voerde und Hünxe geschenkt - und was kostet das?

Der Martinikirmesmontag und Rosenmontag sind die Brauchtumstage in Dinslaken, an denen die Stadtbediensteten nach Auskunft des Rathaussprechers Horst Dickhäuser jeweils vier Stunden frei bekommen. Die restliche freie Zeit des Tages müssten sie vom Überstundenkontingent oder Urlaub abziehen. Den Verwaltungsmitarbeitern sollte damit ursprünglich ermöglicht werden, die Martinikirmes zu besuchen. Doch das, so Dickhäuser, „wird immer weniger“. Auch die Zahl der Jecken im Rathaus halte sich in Grenzen. Was das Rathauspersonal in dieser Zeit koste, lasse sich nicht beziffern, so Dickhäuser. Allerdings seien die Kosten ja dieselben, wenn die Mitarbeiter in den acht Stunden anwesend seien: „Da spart man ja nichts.“ Dennoch habe das Personalmanagement schon vorgeschlagen, diese Tage zu streichen - stieß dabei bei der Personalvertretung auf wenig Gegenliebe.

Das Voerder Rathaus ist an Altweiber ab 12 Uhr und an Rosenmontag ganz geschlossen. Letzterer wird den Bediensteten komplett geschenkt. An Altweiber gilt eine Sollarbeitszeit von vier Stunden, wie Petra Plückelmann, Pressekoordinatorin der Stadt Voerde, erklärt. Nur Mitarbeiter des Kommunalbetriebes sind an Rosenmontag im Einsatz, um die letzten Spuren des Karnevalszuges am Tag zuvor zu beseitigen. Die Kirmes ist in Voerde schon seit vielen Jahren kein Anlass mehr für einen Brauchtumstag. Früher war das Rathaus am Kirmesmontag ab 11 Uhr, wenn der Frühschoppen begann, geschlossen.

In der Gemeinde Hünxe ist nur noch am Rosenmontag das Rathaus ganztägig geschlossen, alle Bediensteten haben frei. Für den traditionellen montäglichen Rundgang der Belegschaft im Rahmen der Honigkirmes sind weiterhin zwei Stunden von 14 bis 16 Uhr reserviert. „Wir haben die Freizeit an Brauchtumstagen schon lange rigoros eingekürzt“, erklärt Bürgermeister Hermann Hansen. Früher habe es sogar noch an Altweiber und bei Schützenempfängen stundenweise frei gegeben.

Gibt es in Ihrer Firma zu besonderen Anlässen frei? Bitte verraten Sie es uns: per E-Mail an lok.dinslaken@nrz.de (Stichwort: Brauchtum). Oder kommentieren Sie einfach diesen Text.

NRZ


Kommentare
14.11.2012
11:25
Der Brauch mit den Brauchtumstagen
von Sehrgut | #1

Die Firmen, welche ihren Mitarbeitern bezahlte Freistunden für Brauchtum gewähren ist doch sehr begrenzt. Ich glaube auch nicht, daß solche Geschenke an die Mitarbeiter heute noch zeitgemäß sind. Weiterhin glaube ich nicht, daß solche Freistunden dann auch wirklich allesamt für den Brauchtum eingesetzt werden. Vielmehr werden die Mitarbeiter, welche von "Brauchtums-Freistunden" profitieren, die gewonnene Freizeit für andere Zwecke nutzen. Mein Fazit: Solche Freistunden einfach streichen. Auch wenn sich die Kosten für diese Freistunden bei unserer Stadtverwaltung nicht direkt beziffern werden können, entstehen vollkommen unnötig Kosten, welche recht gut eingespart werden können.

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