Der Bergbau ist tot – der Knappenverein lebt

Dinslaken..  Da war Herrmann Dolar doch ein wenig gerührt, auch wenn er das hinter den burschikosen Äußerungen verbarg. Einen Reisegutschein über immerhin 600 Euro hatten ihm die Mitglieder des Knappenvereins gestern zu seinem 40-jährigen Vorstandsjubiläum überreicht. Der 82-Jährige ist somit nicht nur der älteste Vorsitzende, sondern auch der dienstälteste – und das macht ihn schon ein wenig stolz. Zumal die Lohberger mit 400 Mitgliedern zugleich der stärkste Knappenverein Deutschlands sind, von immerhin noch 92 Vereinen.

„Sechs neue Mitglieder habe ich erst kürzlich aufgenommen, hauptsächlich Witwen ehemaliger Bergleute“, erzählt der Vorsitzende. Der Bergbau ist tot — der Knappenverein noch lange nicht, so sein Credo. Gut, das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren, Nachwuchs gibt es nicht mehr, der Bergbau läuft 2018 endgültig aus. Irgendwann, das wissen auch Hermann Dolar und sein Stellvertreter Dieter Bürger, stirbt auch der Knappenverein aus. Doch noch erfreut sich der Dinslakener Verein großen Zulaufs. Kommen zu den monatlichen Versammlungen immerhin regelmäßig 55 bis 75 Mitglieder. Auch die Bingonachmittage, die Festivitäten und vor allem die Ausflugsfahrten erfreuen sich allergrößter Beliebtheit. „Wir sind hier wirklich eine große Familie“, versichert Dolar, „in den 40 Jahren habe ich nicht einmal irgendeine Krise zwischen den Mitgliedern erlebt.“ Das scheint außergewöhnlich, ist aber vielleicht auch durch den guten Zusammenhalt der Bergleute erklärbar, so Dolar. Der sei nämlich auf dem Schacht Lohberg vorbildlich gewesen.

1948 hat Hermann Dolar als Berglehrling auf dem Schacht Lohberg angefangen. Fast auf den Tag genau, 40 Jahre später, ging er in Rente. Als Hauer, als Kolonnenführer und schließlich als Aufsichtshauer habe er gearbeitet, war nebenbei 25 Jahre bei der Grubenwehr und halt im Knappenverein. „Dabei bin ich überhaupt kein Vereinsmensch“, gesteht er. Doch am Knappenverein kam der rüstige Rentner nicht vorbei. Vor 50 Jahren im Verein aufgenommen, war er ein Jahr später für die Jugendabteilung zuständig, dann übernahm er den Posten des Schriftführers, wurde 1972 zweiter und 1975 erster Vorsitzender. „Die Knappenvereine waren anfangs für die sozialen Belange zuständig. Aus den Mitteln der Kasse wurden Krankenbeihilfen und Sterbegelder bezahlt. Heute dienen sie rein dem Erhalt der Tradition.“