Der Abschied kann ein Anfang sein

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi

Voerde..  Der Klang von Blechblasinstrumenten klingt durch den Wohnungswald. Die Mitglieder des Posaunenchors Spellen-Friedrichsfeld lassen ihre Instrumente erklingen und übertönen damit für kurze Zeit den allgegenwärtigen Singsang der Vögel in den Bäumen rund um die Schießanlage des Bürgerschützenvereins Möllen. Denn hier findet der Waldgottesdienst zu Christi Himmelfahrt statt. „Es ist ein Tag mit blauem Himmel und Temperaturen wie an Weihnachten“, kommentiert Pfarrer Heiko Dringenberg die Wetterlage. Etwas übertrieben vielleicht, denn auch wenn zwischendurch eine frische Brise die Blätter an den Bäumen zum Rascheln bringt, liegen die Temperaturen am Morgen bereits über der Zehn-Grad-Marke.

Die Besucher des Gottesdienstes lassen sich davon nicht stören. Sie genießen die Sonne, die über ihnen scheint und die besondere Atmosphäre des Gottesdienstes unter freiem Himmel. Letzterer spielt auch eine zentrale Rolle in Heiko Dringenbergs Predigt zu Christi Himmelfahrt. Eigentlich markiert dieser Tag einen Fortgang. „Es ist der endgültige Abschied von Jesus Christus von seinen Jüngern. Sie werden ihn nie wieder so bei sich haben, wie sie es bis dahin hatten“, erklärt der Seelsorger. „Uns und den Auferstandenen trennen Welten. Unsere Wirklichkeit ist nicht mehr seine.“

Doch diesem Abschied wohne auch die Möglichkeit eines Anfangs inne, erklärt Dringenberg und zitiert das bekannte Gedicht „Stufen“ des Literaturnobelpreisträgers Her-mann Hesse: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Christi Himmelfahrt wäre daher auch nicht ein Ende, stattdessen eine Veränderung, ein Beginn. „Himmelfahrt bringt Jesus nicht zum verschwinden, sondern setzt ihn in Recht und Herrschaft im Himmel“, erklärt Heiko Dringenberg. Und dieser Ort wäre, trotz seiner Unerreichbarkeit, allen Menschen gleichsam nahe, wie der Seelsorger mit einem Blick auf das wolkenlose Firmament über dem Wohnungswald ausführt.

Dann gibt es mit „O Heiland, reiß die Himmel auf“ ein typisches Weihnachtslied zur Himmelfahrt zu hören. Gemeinsam stimmen die Gottesdienstbesucher den Kanon „Der Himmel geht über allen auf“ an und verabschieden sich nach einem letzten Lied des Posaunenchors von der besonderen Atmosphäre.