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Den Menschen ein Gesicht geben

02.03.2016 | 23:00 Uhr
Den Menschen ein Gesicht geben
Unterstützer aus Dinslaken begleiteten Adnan Köse zur Filmvorführung im Düsseldorfer Landtag.Foto: Gargitter

Dinslaken.   Regisseur Adnan Köse stellte seinen jüngsten Film „Letzte Zuflucht“ im neuen Landtag-Kino in Düsseldorf vor.

„Menschen ertrinken im Mittelmeer und Europa schaut zu. Italien und Malta haben bereits viele Flüchtlinge aufgenommen, in Bulgarien hingegen werden sie eingesperrt“, so Flüchtlingspfarrer Gerhard Greiner in dem Film „Letzte Zuflucht“ des Dinslakener Regisseurs Adnan Köse, „in Deutschland leben 80 000 Syrer, sie wollen gerne ihre Familien, Freunde aufnehmen.Doch Europa ist gar nicht Willens die Flüchtlinge aufzunehmen.“ Wie wahr die Worte des inzwischen pensionierten Flüchtlingspfarrers Greiner geworden sind. Über eine Millionen Menschen flüchteten seit dem Filmdreh 2014 nach Deutschland, Tausende warten in griechischen Flüchtlingslagern auf eine Weiterreise, die Grenzen Europas jedoch sind geschlossen.

Sein Film habe sich überholt, erzählt Adnan Günter Köse am Dienstagabend im neu geschaffenen Kino des nordrhein-westfälischen Landtages. Davon allerdings wollten die zahlreichen grünen Landtagsabgeordneten sowie Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtages, und Sylvia Löhrmann, stellvertretende Ministerpräsidentin, nichts wissen. Köse war einer Einladung von Oliver Keymis gefolgt. Mit nach Düsseldorf hatte er nicht nur seinen hoch gelobten Film „Letzte Zuflucht“ genommen sondern auch zahlreiche Dinslakener Freunde und Unterstützer wie Lilo Wallerich, Throsten Ippendorf (TV Jahn Hiesfeld), Albert Wösthoff (Lions-Club), Protagonisten des Films und den stv. Bürgermeister Eyüp Yildiz. Immerhin spielt der Film des Dinslakener Regisseurs in seiner Heimatstadt, lässt er die Mitarbeiter der Fliehburg von ihrer Arbeit erzählen und vor allem aber gibt er mit Khadra Sufi und der Familie Mustafa den Flüchtlingen ein Gesicht.

„Es ist wichtig, den Menschen hinter einer anonymen Masse zu zeigen. Denn wir wollen nicht die Fehler der 60er Jahre wiederholen. Damals haben wir die Integration der Menschen, die wir als Arbeitskräfte in unser Land holten, verpasst, das darf uns heute nicht passieren“, so Sylvia Löhrmann in ihrer Begrüßungsrede. Die stellv. Ministerpräsidentin hatte sich trotz ihres Geburtstages den Abend freigehalten, um sich dem Film und anschließend den mitreisenden Protagonisten des Films zu widmen.

Sie sei dankbar für die großartige Willkommenkultur in NRW und die vielen Menschen, die gegen Pegida und andere rechts gerichtete Organisationen aufstehen. Denn auch heute brennen wieder Flüchtlingsheime, wie einst in Hünxe, Hoyerswerda und Solingen, von denen Rosi Hannemann im Film aus den Anfängen der Flüchtlingsarbeit berichtet. Seit Drehbeginn habe sich die Fliehburg verändert, darauf wies Lilo Wallerich vom Förderverein Fliehburg hin. „800 Flüchtlinge beherbergen wir derzeit dort, die Häuser wurden eigens für Familien umgebaut, neue werden errichtet“, erzählt Wallerich. „Vieles hat sich zum Positiven verändert, wenn auch nicht alles 100-prozentig ist, doch wir sind auf einem guten Weg.“

Und schon tauchen die Besucher ein in den Film, erleben die Ängste der jungen Khadra Sufi hautnah mit, die in Somalia in ständiger Todesangst lebte, deren Vater bei der Befreiung der Geiseln der Landshut half, die als Kind nach Deutschland floh. „Ein Fliehender wird immer nackter und in der Karawane der Flüchtenden fallen täglich alle deine Privilegien ab.“ Auch Nuri Mustafa, seine Frau Almas Ali und die beiden Söhne Sebri und Ruskem sind aus Syrien geflohen, verließen Familie und Heimat, weil man ihnen als Jesiden die Chance auf ein Leben nahm. Glücklich dabei war Nuri Mustafa nicht, doch sein Vater habe ihn und seine kleine Familie auf die Reise geschickt, damit die Enkel überleben.

Inzwischen, erzählt Adnan Köse am Schluss des Films, ist Sebri Praktikant in der Dinslakener Bücherei, sein Vater Nuri hat eine Anstellung in einem Restaurant gefunden. „Für zwölf Stunden, obwohl sein Arbeitgeber ihn gerne in Vollzeit beschäftigen würde. Das geht trotz dreijährigem Aufenthaltes noch nicht, aber vielleicht können die Politiker hier im Saal diese Situation bald ändern.“

Birgit Gargitter

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2016-03-02 23:00
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